Hillbilly-Elegie (OT: Hillbilly Elegy)

© Netflix

Heute, exakt einen Monat vor Heiligabend, erlebt ein Film seine Premierenvorstellung auf Netflix, der nicht nur von mir seit Veröffentlichung des Trailers wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk erwartet wurde. Die immense Vorfreude auf die auf dem autobiographischen Sachbuch des Managers James David „J.D.“ Vance (*1984) basierende Verfilmung „Hillbilly Elegy“ rund um dessen destruktive Familie aus dem Rust Belt wurde jedoch durch erste, teils harsche Kritikerstimmen gedämpft. Wenngleich der regieführende Ron Howard („A Beautiful Mind“, „Der Grinch“) keine perfekte Illustration der Schranken des American Dream schuf, erweist sich eine Sichtung – nicht nur dank der außergewöhnlichen Darbietung von Glenn Close – dennoch als souverän und sehenswert, sofern man bereit ist, sich darauf möglichst objektiv einlassen zu wollen.

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Original vs. Remake: Rebecca

Ben Wheatley says his Rebecca adaptation is not a remake of Hitchcock's film
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Alfred Hitchcock gehört ohne Zweifel zu den erfolgreichsten und einflussreichsten Regisseuren der Filmgeschichte. Umso erstaunlicher ist, dass es vergleichsweise wenige ernsthafte Versuche gab, mit Neuverfilmungen oder anderweitigen Produktionen an dessen zahlreichen Erfolge anschließen zu wollen. Es gab im Fernsehen ein paar Titel, dazu noch umstrittene Fortsetzungen zu Psycho und Die Vögel. Nicht zu vergessen das 1:1-Remake von Psycho von Gus van Sant (Milk), das 1998 zu einem Desaster wurde. Ansonsten war der Respekt wohl zu groß vor dem Meister. Verständlich: Wer will sich schon direkt mit Hitchcock vergleichen lassen müssen? Ein Vergleich, bei dem viele scheitern dürften, noch bevor sie mit dem Dreh begonnen haben. Dennoch hat es Ben Wheatley dieses Jahr gewagt und sich für Netflix an einem Remake des Hitchcock-Klassikers Rebecca versucht, welches vor 80 Jahren (!) als „Bester Film“ ausgezeichnet wurde und auch beim Publikum noch immer Groß in der Gunst steht. Kein leichtes Unterfangen! Ob es ihm dennoch gelungen ist erfahrt ihr hier und kann auch gerne im Kommentarfeld mitdiskutiert werden!

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Queer Cinema (# 4)

© Laila Films

Anders als in den bisherigen drei Artikeln wird es diesmal keine Gegenüberstellung zweier Werke geben. Stattdessen liegt der Fokus auf einer Koproduktion, der nach ihrer limitierten Veröffentlichung in Programmkinos bedauerlicherweise nicht die verdiente Aufmerksamkeit zuteilwurde und welche nunmehr (nach langer Wartezeit) endlich vom heimischen Sofa aus einer Betrachtung unterzogen werden kann – und es auch sollte.

The Cakemaker (OT: האופה מברלין)

© Laila Films

„Sad and sweet, with a rare lyricism.“ So urteilte damals eine Kritikerin der New York Times über das Regiedebüt von Ofir Raul Graizer, Jahrgang 1981, und trifft damit den Nagel vollends auf den Kopf. Trotz einer äußerst vorbelasteten Historie kreierten Israel und Deutschland in enger Zusammenarbeit einen stillen, Geduld abfordernden Film mit immenser Durchschlagskraft, der sowohl poetische als auch zutiefst lebensnahe Töne effektvoll miteinander vereint und nicht nur die LGBT-Community erreichen dürfte. Im Zentrum des melancholischen Werkes steht der Berliner Bäcker Thomas, der eine Affäre mit dem geschäftsreisenden Israeli Oren beginnt, bis der Kontakt eines Tages abbricht. Um ihm wieder nah zu sein, reist er nach Jerusalem und beschreitet damit ungewollt einen neuen Lebensweg. Was sich auf dem Papier liest, wie eine typische Romanverfilmung ist allerdings gar keine und fußt stattdessen auf einem Originaldrehbuch mit enormem Gespür für das Seelenleben der Beteiligten. Lesen fortsetzen

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Du hast das Leben vor dir (OT: La vita davanti a sé)

© Netflix

Im Gegensatz zu vielen anderen pandemiebedingt auf Streamingplattformen verschobenen Neuerscheinungen war für eine Adaption aus Bella Italia, die international als „The Life Ahead“ vermarktet wurde, erst überhaupt kein Kinostart vorgesehen worden. Netflix sicherte sich kurzerhand die Rechte und veröffentlichte vor zwei Tagen das Drama um die resolute, betagte Tagesmutter Rosa, die einst den Holocaust überlebte, später als Prostituierte ihr Geld verdiente und ein Heim für Kinder aus dem Milieu gründete sowie eines 12-jährigen, renitenten Senegalesen namens Momò, der bereits tief im Sumpf von Drogengeschäften steckt und, wie er sagt, „dem Glück nicht in den Arsch kriechen“ kann. Die in jeder Hinsicht ungewöhnliche, anfangs auf tiefer Abneigung beruhende Beziehung der beiden bildet das Herzstück und hätte leicht zum seichten Melodram geraten können, doch davon kann keine Rede sein. Lesen fortsetzen

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Queer Cinema (# 3)

© Starobserver

Nachdem in den vorangegangenen Artikeln vor allem das Thema Liebe sowie das Hadern im Zuge des eigenen, oft langwierigen Pfades zur Selbstakzeptanz den inhaltlichen Mittelpunkt bildete, ist der narrative Motor diesmal ein etwas expliziterer. Das Motto „Sex Sells“ ist älter als die Filmgeschichte selbst, denn künstlerisch-kulturelle Anleihen durchziehen insbesondere die griechische Antike in Hülle und Fülle – auch im Hinblick auf gleichgeschlechtliche Konstellationen. Zudem weiß man spätestens dank der Pilotfolge der genialen LGBT-Serie „Queer As Folk“, dass schwule Männer angeblich alle 9 (!) Sekunden unterbewusst an die schönste Nebensache der Welt denken. Ob dies tatsächlich der Fall ist, sei an dieser Stelle einmal unkommentiert dahingestellt, dennoch zeichnen sich die beiden Filmproduktionen, welche heute unter die Lupe genommen werden sollen, in Wort und Bildsprache durch einen extrem offensiven Umgang mit dem Sujet aus und sind an ein erwachsenes oder zumindest innerlich gereiftes Publikum gerichtet. Was die zwei Genremischungen aus dem Jahr 2016 allerdings deutlich voneinander abgrenzt, ist nicht nur das Land, in dem sie produziert worden sind, sondern auch die zugrundeliegende Intention sowie die Erkenntnis, dass sich die Visualisierung von Erotik nicht per se als Garant für einen unterhaltsamen und anregenden Film erweist. Gelegentlich vermag sie sogar zu ermüden…
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Queer Cinema (# 2)

© Starobserver

In Ausgabe 2 sollen zwei Werke im Fokus der Betrachtung stehen, denen hauptsächlich zwei Aspekte gemeinsam sind. Zum einen handelt es sich jeweils um deutschsprachige Kinoproduktionen mit obendrein respektablen Einspielergebnissen, auf der anderen Hand skizzieren sie jeweils Branchen, in denen Homosexualität auch heute noch vielfach totgeschwiegen wird. „Don’t Ask, Don’t Tell“ ist in ebenjenen Bereichen, die als unantastbare „Männerdomänen“ gelten, noch immer alltägliche Lebenswirklichkeit. Ebendieses Motiv fungiert als erzählerischer Ausgangspunkt für die beiden Filme, welche jeweils in Arthaus-Kinos veröffentlicht worden sind, sich aber – wie immer subjektiv gesprochen – im Hinblick auf den Eindruck und ihre psychologische Tiefe stark voneinander unterscheiden.

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Queer Cinema (# 1)

© Starobserver

Auch im ach so fortschrittlichen Jahr 2020 beschleicht einen wiederholt das Gefühl, dass Produktionen mit homosexuellem Sujet einen gewissen Nischenstatus innerhalb der Filmlandschaft einnehmen und die unmittelbare Auseinandersetzung damit allzu häufig als Tabuthema angesehen wird. Dies mutet insbesondere deswegen als überraschend und obendrein reaktionär an, weil neueste Studien davon ausgehen, dass rund ein Fünftel (!) der Weltbevölkerung zumindest eine mehr oder weniger ausgeprägte, bisexuelle Neigung besitzt. Gleichwohl sind im Hinblick auf die Qualität ebenjener Werke enorme Unterschiede festzustellen und die Fallhöhe wirkt entsprechend groß. Vielfach besetzen gleichgeschlechtlich liebende Personen in Hollywoodproduktionen noch immer die Funktion eines humoristischen Sidekicks, der häufig von Klischeereichtum und Eindimensionalität überlagert wird, dennoch existiert auch eine ganze Reihe an Exempeln, die dem vielschichtigen Kaleidoskop der LGBT-Community alle Ehre machen und für Akzeptanz und Toleranz werben.

Dies vorausgeschickt, möchte ich mich in den folgenden Wochen pro Ausgabe jeweils zwei Filmen in Spielfilmlänge widmen, in denen homoerotische Inhalte einen zentralen Stellenwert einnehmen und die insbesondere im Hinblick auf ihre Wirkungsästhetik und erzählerische Substanz stark auseinanderdriften.

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Der geheime Garten (OT: The Secret Garden)

© StudioCanal

Etliche Male wurde das literarische Spätwerk von Frances Hodgson Burnett bereits für Film und Fernsehen adaptiert und sogar eine Musicalfassung existiert davon. Seit der Veröffentlichung im Jahre 1911 begeisterte der Kinderroman „Der geheime Garten“ unzählige Generationen und wurde nun von einigen an „Harry Potter“ Beteiligten erneut auf die Leinwand gebracht und obendrein eindrucksvoll besetzt. Ebendies sowie die bedauerlicherweise erneut bevorstehende Schließung sämtlicher Kinos auf Bundesgebiet animierten spontan zu einer Sichtung, die sich vor allem aufgrund der visuellen Gestaltung und einer gelungenen Balance von juvenilen und adoleszenten Elementen durchaus als lohnenswert erwies. Lesen fortsetzen

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Neue Trailer zu heißen Oscaranwärtern!

Nicht nur der heißersehnte Trailer zu David Finchers Mank ist heute erschienen, sondern auch von von The Life Ahead, den man wohl vor allem wegen der mittlerweile 86-jährigen Sophia Loren auf dem Schirm haben sollte. Aber auch den Song von Diane Warren, gesungen von Italiens Superstar Laura Pausini sollte man auf dem Schirm haben, denn nachdem Billie Eilishs Bondsong „No Time to die“ wohl aus dem Rennen ist, könnte es beim 12. Anlauf dann endlich mit dem goldenen Mann klappen! Oscarpreisträgerin Sophia Loren, die zuletzt vor 55 Jahren (also mit 31 Jahren) nominiert wurde, wird mit Sicherheit viele Oscarvoter für sich begeistern können. Die Performance (aus dem Trailer heraus) verspricht jeden Falls schon  einmal groß zu werden!

Weitere Trailer, u.a. von Ma Rainey´s Black Buttom und Ammonite folgen…

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