“Vater und Filmblogger?” Interview 1: Bullion von ‘Tonight is gonna be a large one.’


Genau wie es Mütter gibt die über die neuste Kleidung ihrer Sprösslinge bloggen, gibt es natürlich auch bloggende Väter; und wenn es sich dabei um von mir geschätzte Kollegen aus dem Filmsektor handelt: Noch besser! Aber verträgt sich das überhaupt: Vater und Filmfan/-blogger/-kritiker? Wie bringt man beide Leidenschaften unter einen Hut?

Ich habe mir genau diese simple Frage gestellt und Bullion von Tonight is gonna be a large one. und Christian von ChristiansFoyer waren so nett mir Rede und Antwort zu stehen. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an euch!

Heute also das erste Interview mit Bullion. Das mit Christian folgt dann in den nächsten Tagen.

Hallo Bullion! Zuerst Glückwunsch zum zweiten, frisch geborenen Kind; und vielen Dank dass du meine Fragen beantwortest.

Danke! Da ich zurzeit Urlaub, heute Nachmittag außerdem noch sturmfrei und somit tatsächlich Freizeit habe, beantworte ich die Fragen natürlich gerne.

Inwiefern hat sich dein Filmkonsum verändert? Sowohl nach der Geburt deines ersten Kindes, als auch jetzt mit dem zweiten Kind?

Die Zeit für den Filmkonsum ist definitiv weniger geworden. So habe ich vor den Kindern auch an regnerischen Nachmittagen ganz gerne mal einen Film gesehen, doch so etwas ist nun nicht mehr drin. Zeit für Filme ist nun wenn die Kinder im Bett sind, d.h. frühestens ab 20:00 Uhr, eher später. Wenn die Müdigkeit dann nicht zu groß ist, kann man aber auch als Vater durchaus ein erfülltes Filmleben haben.

Insgesamt hat sich mein Filmkonsum grob geschätzt halbiert. In meinem ersten Jahr als Filmblogger habe ich noch 107 gesehen. Inzwischen sind es ca. 50, was durchschnittlich einem Film pro Wochenende gleichkommt. Unter der Woche schaue ich eher TV-Serien, da 20-60 Minuten immer drin sind und ein Film den Abend zu sehr in Beschlag nehmen würde.

Seit der Geburt meines zweiten Kindes wird aus einem 2-stündigen Film aufgrund diverser Unterbrechungen – mit Details verschone ich euch lieber – schon einmal ganz gerne eine 4-stündige Marathonsitzung. Je älter Kinder jedoch werden, desto besser wird auch deren Schlafverhalten und desto besser sind die Voraussetzungen zum Filme schauen. Schlaflose Ausnahmen bestätigen beständig auch diese Regel.

Schaut man als Vater einen Film (z. B. Actionfilme) vielleicht anders, als wenn man keine Kinder hat?

Es gibt viele Eltern, die seit der Geburt ihrer Kinder z.B. keine Horrorfilme mehr schauen können. In dieser Hinsicht hat sich bei mir nichts geändert, doch wenn Kinder in Filmen gezielt realistischer Gewalt – und damit meine ich sowohl physische als auch psychische – ausgesetzt werden, dann nimmt mich das schon sehr mit. Ein Beispiel hierfür ist David Schwimmers Vergewaltigungsdrama Trust, das für mich oft schwer anzusehen war.

Hollywood scheint aktuell Eltern und Schwangere für sich zu entdecken. Was sagst du zu Filmen wie Was passiert, wenn’s passiert ist oder Friends with Kids? Hat man als Vater oder zukünftiger Vater eine andere Sichtweise auf solche Filme?

Ehrlich gesagt sind diese Filme bisher unbemerkt an mir vorbeigegangen und ich habe auch kein großes Interesse daran. Wenn ich für dieses Genre jedoch einen Tipp loswerden darf, dann empfehle ich allen Eltern die TV-Serie Parenthood, die das Thema Elternschaft und Familie glaubwürdig, höchst emotional und mit viel Herz darstellt.

Welchen Film würdest du deinem Kind zum 6.-, 12.-, 16.- und 18.-Geburtstag schenken? Also nach dem Motto: Endlich kannst du dir diesen Film anschauen!

Zum 6. Geburtstag würde ich Toy Story verschenken. Ein fantastischer Film für dieses und jedes Alter danach. Zum 12. Geburtstag gäbe es – falls ich meine Kinder als reif genug dafür einschätze – Jurassic Park, den ich ebenfalls mit 12 Jahren im Kino gesehen habe und der heute noch zu meinen Lieblingsfilmen zählt. Mit 16 ist die Auswahl sehr groß und deshalb wähle ich mit Angel Heart einen Film, der zugleich verschiedene Genres mit komplexem Erzählen kombiniert und gleichzeitig so unbekannt ist, dass er bis dahin vermutlich noch nicht im Web 4.0 gesehen wurde. Zum 18. Geburtstag verschenke ich dann den Schlüssel zu meiner persönlichen Filmsammlung – wenn wahrscheinlich auch kein Gerät mehr die altmodischen Blu-ray Discs abspielen kann. Ansonsten gibt es Pulp Fiction 3D auf Holo-Disc.

Wie die Leser deines Blogs wissen, bist du begeisterter Läufer und in Was passiert, wenn’s passiert ist gibt es einen Subplot um eine Gruppe frisch gebackener Väter (unter anderem Chris Rock und Thomas Lennon) die sich treffen und mit ihrem Nachwuchs im Park spazieren gehen. Wäre das für dich eine Alternative zum Joggen?

Nein, denn ich jogge bewusst, um meinen Kopf freizubekommen und ein wenig Zeit für mich alleine zu haben. Wenn ich mit meinen Kindern spazieren gehe, dann will ich auch bewusst Zeit mit ihnen verbringen. Beides sind für mich komplett unterschiedliche Dinge, was allerdings nicht heißt, dass ich nicht mit meinen Kindern Laufen gehen würde, wenn sie alt genug dafür sind.

Und zum Abschluss eine Frage die mich persönlich sehr interessiert: Was war das für deine – zu dem Zeitpunkt hochschwangere – Frau für ein Gefühl die Geburtsszene in Prometheus zu sehen?

Lass es mich so formulieren: Die Abdrücke ihrer Fingernägel kann man heute immer noch auf Unterarm erkennen.

Vielen Dank dass du dir die Zeit genommen hast meine Fragen zu beantworten.

Es war mir ein Vergnügen!

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  • Bin schon gespannt auf die Antworten von Christian!

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  • Intergalactic Ape-Ma

    Interessant, wie das Internet auch Interviews möglich macht, die sonst nicht geführt würden. Welches kommerzielle Medium würde sich sonst mit dem Tagesablauf eines Bloggers befassen, wenn es nicht gerade ein Versuch des Anschlusses an die hippe Netzwelt wäre? Dabei beweisen Thema und Fragen, daß es durchaus spannend sein kann, nachzuhaken.

  • Ich warte immer noch auf die Anfrage von SpOn… 😉