Les Misérables

LesMis

Frankreich im 19. Jahrhundert. Erzählt wird die Geschichte von Jean Valjean (Hugh Jackman), der nach 19 Jahren Gefangenschaft und Zwangsarbeit auf Bewährung freigelassen wird und ein neues, straffreies Leben anfangen will. Dabei taucht er unter, lässt sich in der französischen Kleinstadt Montreuil nieder und fungiert mit neuer Identität als Fabrikbesitzer und Bürgermeister. Dicht auf den Fersen ist ihm dabei Inspector Javert (Russel Crowe), der davon überzeugt ist, dass sich Valjean nie bessern wird und stets auf den nächsten Fehltritt wartet. Nach Jahren der verlorenen Suche, scheinen sich die Wege der beiden wieder zu kreuzen. Das sich Valjean zeitgleich auch noch der Tochter von Fantine (Anne Hathaway), einer ehemaligen Fabrikmitarbeterin, angenommen hat, gibt der Geschichte eine spannende und sehr dramatische Wendung.

Als ehemaliger Musicalstudent und jemand, der das Musicalgenre liebt und generell die Bühnenfassung von “Les Misérables” als meisterhaft bezeichnet, war es schwer, den Film nicht mit hohen Erwartungen und etwas voreingenommen zu sehen. Nachdem aber gute bis sehr gute Musicalverfilmungen (z.B. “Chicago” & “Rent”) absolut rar sind und es in den letzten Jahren sehr viele Durchschnittsproduktionen (z.B. “Phantom der Oper” & “Nine”) gegeben hat, war ich letztendlich mit meinen Ansprüchen doch sehr vorsichtig. 158 Minuten später, konnte ich das Kino aber doch mit einem sehr zufriedenstellenden Gefühl verlassen. Was bin ich froh, dass die Verantwortlichen keinen Mist gebaut und bei so vielen guten Zutaten, letztendlich die richtige Mischung gefunden haben.

Tom Hooper, seines Zeichen Oscar-Preisträger und Regisseur von “The King’s Speech”, nahm sich diesem monumentalen Projekt an und formte daraus einen wunderschönen und harmonischen Film. Sein Hauptaugenmerk lag dabei nicht auf das musikalische, sondern darauf Gefühle und Emotionen zu vermitteln. Ganz klar ersichtlich wird das durch die vielen Gesichtsnahen Kameraaufnahmen, aber vor allem auch durch die live gesungenen Lieder. Im Normalfall werden bei Musicalverfilmungen schon Wochen bevor es zum ersten Drehtag kommt, die Lieder aufgenommen und anschließend nur noch fertig eingefügt. Dadurch, dass live gesungen wird, stellt es die Schauspieler vor viel mehr Möglichkeiten aber auch vor eine wesentlich höhere Herausforderung. Man ist zwar nicht an jede einzelne Note gebunden, die zu einer gewissen Variation des Spiels führen kann, aber gerade bei vielen Takes, ist es natürlich ein stimmlicher Kraftakt, mit dem die Darsteller umgehen müssen.

Schauspieler wie es Hugh Jackman und Anne Hathaway sind, die eine gewisse Affinität zu Musicals besitzen, hätten nicht besser gecastet werden können. Beide bestechen sowohl musikalisch als auch emotional mit einer wundervollen und beeindruckenden Leistung. Die Oscar-Nominierungen und der wahrscheinliche Gewinn Hathaways sind absolut gerechtfertigt. Ebenfalls großartig gecastet wurden Eddie Redmayne als Marius, Samantha Barks als Eponine, Amanda Seyfried als Cossette aber auch Sacha Baron Cohen und Helena Bonham-Carter als die Thénardiers. Gerade von den zum Schluss Genannten, war ich nach der Cast-Bekanntgabe weniger begeistert. Umso erfreulicher, dass sie gemäß ihrer Rollen, für ein paar Gelächter sorgen konnten.

Da wo viel Licht ist, muss leider auch etwas Schatten sein. Der einzige Negativpunkt, den ich in über 2 1/2 Stunden Laufzeit gefunden habe, war Russel Crowe. Ich habe zwar gesagt und es für gut befunden, dass viel über die Emotion und weniger über die Musik läuft aber jemanden zu besetzen, dessen Stimme einfach nicht in das Musical-Genre passt und letztendlich auch nicht emotional punkten kann, ist fahrlässig und hätte böse ins Auge gehen können.

Um aber bei den positiven Dingen zu bleiben: man muss natürlich auch Faktoren benennen, die vor allem bei Musicals enorm wichtig sind und gerade da gerne etwas dicker aufgetragen werden. Das sind in der Regel Ausstattung, MakeUp und Kostüme. Allesamt verpassen dem Film den gewissen Feinschliff und tragen  maßgeblich zum Gesamtbild bei. Das hier großartige Arbeit abgeliefert wurde, ist zwar erwähnenswert, war aber eigentlich anzunehmen, da ich keine einzige Musicalverfilmung kenne, egal wie gut oder schlecht das Gesamtbild ausgefallen ist, bei der man Ausstattungstechnisch nicht überzeugen konnte.

Mein Fazit fällt insgesamt natürlich sehr positiv aus. “Les Mis” ist zwar wahrscheinlich nicht der beste Film des Jahres, wird aber mit Sicherheit in die Geschichte als eine der besten Musicalverfilmungen aller Zeiten eingehen. Prädikat: besonders wertvoll!


UK – 2012 – 2 Std. 38 Min.
Regie: Tom Hooper
mit Hugh Jackman, Anne Hathaway, Russell Crowe, Eddie Redmayne
Genre: Musical

Über Johannes Marksteiner

Hauptberuflich: Radio-Redakteur und Sprecher
Nebenberuflich: Passionierter Cineast

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  • Stefan T.

    Menno, ich will auch!!! 🙁

    • Heiko_S

      in vier Wochen können wir ihn ja "endlich" sehen. ;(

      Übrigens herrliche Rezension. das steigert meine Vorfreude noch mehr; zumal ich sogar "Das Phantom der Oper" gelungen fand. "Chicago" baut aber nach zehn Jahren leider gewaltig ab. "Les Mis" wird mich aber sicher umhauen. Ich erachte schon das Musical als eines der besten jemals und der Cast passt auch perfekt. Crowe finde ich übrigens zumindest auf dem Soundtrack auch sehr stark. Aber auf der leinwand wirkt das natürlich immer noch mal anders. ich bin gespannt. 🙂

      • Johannes

        was etwas peinlich war, war direkt die erste Szene mit ihm – er beginnt zu singen und auf einmal hat eine Dame bei mir im Saal lautstark gelacht. Bei den Globes hat er ja auch sein fett wegbekommen.

        • Heiko_S

          Ok er ist kein Opernsänger, aber das hat bei Louis Armstrong oder Dean Martin ja auch niemanden gestört. 😉

          • Johannes

            von denen erwart ich ja auch nicht, dass sie Les Mis singen 😉

          • Stefan T.

            Schlimmer als Pierce Brosnan in "Mamma Mia!" wird er ja wohl nicht gesungen haben! 😀

          • Johannes

            es ist nicht schlecht aber es kommt in etwa hin 😉