Readers Spotlight (1): 7 Fragen an Stephan

Wer steht eigentlich hinter “Die Academy” und was erwarten unsere Leser von unserer Plattform? Um sich diesen und ähnlichen Fragen anzunähern, starten wir die neue Serie “Readers Spotlight”! Hier kommt schonungslos das auf dem Tisch, was ihr schon immer mal loswerden wolltet! 😉 Wer Interesse hat, sich 7 “knallharten” Fragen zu stellen, der möge mich bitte mit einer Privatnachricht anschreiben! Und nun Licht aus, Spot an! Die ersten 7 Fragen gehen an unseren Gruppengründer Stephan!

Hey Stephan, wie ist die Idee für “Die Academy” entstanden und was reizt Dich persönlich an der Seite bzw. dem Projekt?

Am Anfang war ja eigentlich nur das Forum geplant als Ersatz für die StudiVZ-Gruppe, da ja die permanente Gefahr bestand, dass der Laden einfach so dicht gemacht wird. Von technischen Problemen mal ganz zu schweigen. Und da du als Gruppengründer ja durch deine Magisterarbeit genug eingebunden warst, entschied ich mich in einem Husarenstreich zum Alleingang und riss die Macht an mich. [lacht] Im Grundentwurf schwebte mir deswegen auch nur sowas wie “Oscarforum” als Name vor und der Name “Die Academy” war dann mehr eine spontane Idee, da ich ja eine Domain registrieren musste um das Forum zu testen. Bis mir dann die Idee kam daraus eine komplette Seite mit angeschlossenen Forum zu machen. Denn bis zu dem Zeitpunkt gab es viele amerikanische Seiten zu diesem Thema, aber einfach keine deutsche mit dem Schwerpunkt Awards und Oscars, also warum nicht probieren sowas aus dem Boden zu stampfen? So kamen dann du, Johannes und Heiko in das Team und den Rest kann man ja seit fast einem Jahr auf der Seite bewundern.

Was mich persönlich an dem Projekt reizt ist der Spaß über Filme und die Oscars zu schreiben. Das war immer mein persönlicher Antrieb: Ich schreibe gerne und bringe meine Ideen zu (virtuellen) Papier. Und natürlich macht das ganze noch viel mehr Spaß, wenn man eine Gruppe um sich hat, die genau so gerne in der Award-Season darüber zu streiten, ob jetzt Schauspieler A es mehr verdient hat Preis Z zu gewinnen als Schauspieler B. Denn wenn man ganz ehrlich ist: Wir sind nicht immer einer Meinung. Vor allem wir beide nicht, mein Freund. [lacht]

Man kann also schon sagen, dass das Projekt nach fast einem Jahr auf einem guten Weg ist und wir noch immer Spaß daran haben und haben werden. Ich bin auch der Meinung, dass wir durchaus unseren Platz einnehmen werden; und spätestens wenn die zweite Award- Season in die heiße Phase tritt werden wir hoffentlich richtig aufblühen und mit Spaß und Leidenschaft davon berichten.

Dein Lieblingsfilm ist „JFK“. Was fasziniert dich an diesem Film und wie oft hast Du ihn schon gesehen?

“JFK” ist nicht unbedingt mein Lieblingsfilm, da ich es schwer finde nur einen Lieblingsfilm zu nennen. Aber er gehört zu meinen All Time Favourites und sollte man mich mal fragen, was der Inbegriff eines perfekten Filmes ist, dann wäre das nicht unbedingt z. B. “Der Pate”, sondern “JFK” von Oliver Stone.

Als ich “JFK” zum ersten Mal sah, muss ich so zwischen 8 und 9 Jahre alt gewesen sein. Meine Eltern hatten aus dem Nachlass meiner Großmutter mütterlicherseits einige VHS-Kassetten mitgebracht: “Rain Man”, “Pretty Woman”, “Was, du willst nicht? ” und halt “JFK – Tatort Dallas”. Mich faszinierte die ganze Geschichte um die Ermordung von Kennedy schon damals und es gibt da ein tolles Buch von Anthony Summers mit dem Titel “J.F.K.: Die Wahrheit über den Kennedy-Mord” das ich verschlungen habe und mir ständig aus der Bücherei ausgeliehen habe; und wenn es dann ein Film mit einer Spielzeit von fast drei Stunden und einem eigentlich recht trockenen Thema fertig bekommt einen kleinen Fetz von maximal 9 Jahren so zu fesseln, dass er sich den Film stellenweise einmal die Woche angesehen hat, dann muss das schon ein verdammt guter Film sein.

Obwohl ich damals natürlich nicht das filmische Wissen hatte, um z. B. zu raffen, dass das nicht wirklich Lee Harvey Oswald war, sondern Gary Oldman. Ich habe wirklich gedacht: “Wo haben die bloß die Aufnahmen von Oswald her?” [lacht] Ich war schon da so gefesselt von dieser Verknüpfung von historischen Aufnahmen (wie z. B. dem Zapruder-Film) und Schauspielszenen bei denen man oft nicht wusste, ob sie von Stone gedreht wurde, oder doch echt sind. Über den gigantischen Monolog von Costner brauchen wir erst gar nicht anfangen zu reden: Der gehört zu den größten Filmaugenblicke aller Zeiten.

Wenn Du einen Film drehen könntest, welches Genre wäre das und welchen Schauspieler würdest Du auf was für Rollen besetzen?

Das ist eine verdammt schwierige Frage, da ich mich entscheiden müsste von den ganzen Ideen die ich für Filme habe. [überlegt einen Augenblick] Es würde mich mal interessieren einen Film zu drehen, der die Arbeit des Stabes des deutschen Bundeskanzlers oder Bundeskanzlerin beleuchtet. Also in der Art wie z. B. bei “The West Wing” oder der dänischen Serie “Borgen – Gefährliche Seilschaften” und vielleicht besser als die ZDF-Serie “Kanzleramt” im Jahr 2005. Mit einer Menge Walk-And-Talk. Ach was rede ich da: Verdammt viel Walk-And-Talk! “Walk-And-Talk: Der Film”! [lacht]

Bist Du an deutschen Filmen interessiert bzw. was wünscht Du Dir für den deutschen Film?

Mit dem deutschen Film stehe ich bekannter Maße etwas auf Kriegsfuß, da ich der Meinung bin, dass wir von diesem ganzen Till Schweiger/Bully Herbig-Mist wegkommen müssen und das deutsche Genre-Kino stärken sollten. Gerade die deutschen Filme, die bei uns wirklich erfolgreich sind, sind doch ein Schlag in das Gesicht jedes Liebhabers von guten Filmen und wirklich gute Filme aus Deutschland, die auch handwerklich und geschichtlich überzeugen könnten, werden kaum beachtet. Da kann ich schon verstehen, dass sich viele Filmemacher lieber auf Fernsehfilme und TV-Mehrteiler konzentrieren.

Wie schon gesagt: Ich wünsche mir mehr Genre-Filme aus Deutschland. Nicht immer diese ganze weichgespülte und zu stark auf eine Person zugeschnittene Kacke die einzig darauf ausgelegt sind, dass die Besucher in das Kino strömen weil es “Der neue Schweiger” oder “Der neue Schweighöfer” ist. Wobei ich z. B. Schweighöfer durchaus schätze, obwohl er in den letzten Jahren doch zu sehr in die Schiene von Schweiger gerutscht ist. Aber “Friendship!” z. B. war echt ein starker deutscher Film.

Dreht doch mal wieder einen Film in der Machart von Robert Schwentkes “Tattoo”. Wir haben doch Schauspieler von internationaler Klasse wie z. B. August Diehl! Da ist es doch nicht so schwer Filme zu drehen, die sich vor Produktionen aus den USA, Frankreich, Schweden oder auch Japan und Südkorea zu verstecken brauchen! Da sind Genre-Filme doch auch gleichzeitig Besuchermagnete und keine Randnotizen im Kinojahr!

Welche Serien schaust Du noch zur Zeit bzw. kannst Du empfehlen?

Im Moment wühle ich mich durch die Staffeln von “Akte X”, wo ich im Moment in der 4. Staffel bin. Dann verfolge ich die aktuellen Folgen von “How I Met Your Mother” und ab und zu “New Girl”, warte auf die BD von “The Newsroom” und muss bald endlich “Sons of Anarchy” in Angriff nehmen. Und das sind jetzt nur die Serien, die mir spontan einfallen! [lacht] Und natürlich fiebere ich den neuen Folgen von “Breaking Bad” und “Sherlock” entgegen. So viele gute Serien und so wenig Zeit. [lacht]

In welchem Film würdest Du selbst gerne mitspielen und welche Rolle wäre das?

Ich hätte unheimlich gerne die Rolle von Clive Owen in “Closer” gespielt. Oder die von Alec Baldwin in “The Cooler”. Wirklich: Clive Owen in “Closer” war großartig! Für die Rolle hätte ich wahrscheinlich sogar jemanden getötet. [lacht]

Wenn Du jemanden einen Oscar wegnehmen und jemand Anderen geben könntest, welcher wäre es und warum?

Jeff Bridges für “Crazy Heart” im Jahr 2010 und gegeben hätte ich ihn Colin Firth für seine grandiose Rolle in “A Single Man”. Aber es war ja leider so eine seltsame Entscheidung wie damals bei Al Pacino und “Der Duft der Frauen”: Das man gewisse Personen über viele Jahre übergangen und für eine weniger ikonische oder gute Rolle dann ausgezeichnet hat. Bridges z. B. hätte ihn gerne im Jahr 2001 als bester Nebendarsteller in “Rufmord – Jenseits der Moral“ bekommen können. Aber nicht für “Crazy Heart”.

Danke Stephan, dass Du Dir die Zeit genommen hast! Wir lesen uns! 😉

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  • Luisa

    oh stephan du wirt mir immer sympathischer..wuste gar nicht, dass du mit deutschen filmen auch so auf kriegsfuß bist wie ich

    cool..lach

  • bullion

    Schönes Interview – und toller Quasi-Lieblingsfilm. Ich mag "JFK" auch sehr und hätte er nicht diese immense Lauflänge, würde ich ihn bestimmt auch öfter schauen.

  • Patrick

    Du hast sehr anscheunlich geantwortet, danke dafür nochmal! Auch, dass Du meinen hochgeschätzen August Diehl genannt hast, erfreut mich zusätzlich. Ich würde mir auch mehr Mut zu Genrefilmen wünschen im deutschen Film. Nun versteht man auch, warum Rigesseure wie Tom Tykwer, Caroline Link und Florian Henckel von Donnersmark nach dem Durchbruch auf amerikanische Produktionen umsatteln; weil sie sich dort eher austoben können und Erfolg haben können, zumindest eher als in Deutschland. Aber wenn deutsche Produktionsfirmen zuhören, der Bedarf ist da!

    Und zu guter Letzt natürlich mein heißgeliebter Colin Firth in der Rolle seines Lebens. Habe ihn vorher als Schauspieler eher geduldet, aber mit dem Film hat sich das geändert. Zurecht mit dem Coppi Volpi und BAFTA ausgezeichnet worden. Ich gönne Bridges einen Oscar, ist er doch für The Door in the Floor, Fearless, The Big Lebowski und The Fisher King viel zu oft ignoriert worden, aber Firth hat eine richtige Meisterleistung abgeliefert und hätte siegen sollen und nicht für The Kings Speech. Auch gute Leistung, aber bei weitem nicht so gut wie in A Single Man! Der ganze Film ist aber eh eine Wucht, wenn man ihn ganz an ihn heranlässt! Kann sehr gut verstehen, dass Du Firth genannt hast. Gute Wahl, mein Lieber!

  • Melanie Maria

    Tolles Interview! Und danke Paddy für die schöne Idee dazu!