Mandela – Der lange Weg zur Freiheit (OT: Mandela: Long Walk to Freedom)

Mandela - Long Walk to Freedom


Nelson Mandela gehört neben Mohandas “Mahatma” Gandhi eindeutig zu den wichtigsten und bekanntesten Freiheitskämpfern des 20. Jahrhunderts, wenn nicht sogar der kompletten Menschheitsgeschichte. Er gilt bis heute als Heilsbringer für die meisten seiner Zeitgenossen und ist weiterhin Vorbild für viele junge Menschen, und dies nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent. Seine Geschichte besaß zudem alle Höhen und Tiefen die ein Menschenleben bieten kann, vom Glück eines jungen Familienvaters, über Qualen in unmenschlicher Haft bis hin zur Aussöhnung eines Volkes. Entsprechend wurde Mandelas Lebensgeschichte schon des Öfteren verfilmt, doch noch nie so ausführlich, bildgewaltig und atemberaubend wie in Justin Chadwicks Film.

Wir schreiben das Jahr 1942. Im südafrikanischen Johannesburg ist der junge aufstrebende Anwalt Nelson Mandela (Idris Elba) besonders für seine schwarzen, in schlechten Verhältnissen lebenden Mitbürger da, die unter den ungerechten Gesetzen der burischen Regierung leiden. Als er eines Tages von Mitgliedern der Bewegung des „Afrikanischer Nationalkongresses“ (ANC) angesprochen wird, zögert er zunächst noch, wird aber alsbald Teil dieser jungen Partei und versucht auch auf politischem Wege etwa zu verändern. Als dies jedoch nur unzureichend gelingt, im Gegenteil die Rassengesetze sogar noch verstärkt werden, sieht sich der ANC dazu gezwungen auch kämpferische Mittel einzusetzen.
Die Köpfe der Protest-Bewegung, die inzwischen durch die weiße Oberschicht als Terrororganisation eingestuft wurde, werden gefasst und zu lebenslanger Haft auf der Insel Robben Island vor der Küste Kapstadts verurteilt. Doch die Gefangenen lassen sich nicht einschüchtern, ertragen ihr Schicksal mit Engelsgeduld und versuchen mit kleinen Schritten aus dem Gefängnis heraus das Establishment zu verändern, den teils sadistischen Wärtern zum Trotz.
Mandelas zweite Ehefrau Winnie (Naomie Harris) führt derweil Nelsons Kampf in der Öffentlichkeit weiter, muss dadurch ebenfalls Repressalien erdulden und landet eines Tages wie ihr Mann in einem unmenschlichen Zuchthaus, in dem sie sich jedoch radikalisiert und die ihr verhassten Weißen mit allen möglichen Mitteln stürzen will, während Nelson und seine Gefährten weiterhin den friedvollen Weg suchen …

Der Ausgang der Geschichte ist natürlich bekannt, Mandela wurde 1992 nach über 27 Jahren aus der Haft entlassen, nachdem er während eines kurzen Hausarrestes mit Kabinettsmitgliedern und Geheimdienstleuten des damaligen südafrikanischen Präsidenten Frederik de Klerk Verhandlungen über das Ende der Apartheid führen durfte und bei den folgenden Wahlen sogar zum ersten schwarzen Präsidenten der Republik Südafrikas gewählt wurde.

Justin Chadwick hat mit „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ einen wunderschönen Film geschaffen, dessen 2 ½ Stunden wie im Flug vergangen sind und zumindest mir diese große Persönlichkeit noch näher gebracht hat. Die historischen Ereignisse werden von Chadwick mit einem perfekten Mix aus Drama, Action, langen ruhigen Gesprächspassagen und auch einer nicht zu kurz gekommenen ordentlichen Prise Humor präsentiert. Kameramann Lol Crawley zaubert zudem einen wahren Bilderrausch auf die Leinwand, egal ob die weiten Steppen des Xhosa-Gebietes, die graue Betonwüste Johannesburgs oder die beklemmende Atmosphäre auf Robben Island, man saugt förmlich alles in sich auf. Getragen werden die Bilder zudem vom wunderschönen dramatischen, aber nicht zu dominierenden Score von Alex Heffes.
Der Film wäre aber trotzdem nur halb so gut ohne seine beiden wichtigsten Darsteller Naomie Harris und Idris Elba. Besonders Elba, der mir schon als John „Luther“ in der gleichnamigen BBC-Serie extrem gut gefallen hat, liefert hier ein absolutes darstellerisches Brett ab. Auch wenn er dem echten Nelson Mandela nur bedingt ähnlich sieht schafft er es dennoch völlig in seiner Rolle aufzugehen. Irgendwann sieht man wirklich nur noch Mandela auf der Leinwand.
Daher wirklich mehr als eine Schande, dass Elba nicht für die Oscars nominiert wurde, ebenso wie der gesamte Film. Die Song-Nominierung für U2’s „Ordinary Love“ (das im Abspann kongenial zu Archivaufnahmen von Mandelas Lebensstationen eingesetzt ist) freut mich zwar sehr, doch bleibt wie gesagt ein bitterer Nachgeschmack, dass Film, Regie, Kamera, Hauptdarsteller, Nebendarstellerin und Schnitt so dermaßen übergangen wurden. Dafür hätte eigentlich (mit Ausnahme von Jennifer Lawrence) der leider wirklich nur mittelmäßige „American Hustle“ weichen müssen.
Vielleicht hat sich die Academy aufgrund des leider zeitnahen Todes von Mandela letztendlich einfach nicht getraut ihn zu nominieren, bevor es als eventuelle Berechnung angesehen worden wäre. Verdient gehabt hätte er es definitiv. In meiner Top 5 der besten Filme des Award-Jahres ist „Mandela“ auf jeden Fall vertreten!



USA/Südafrika – 2013 – 2 Std. 32 Min.
Regie: Justin Chadwick
mit Idris Elba, Naomie Harris, Tony Kgoroge, Riaad Moosa & Fana Mokoena

Genre: Drama

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2 Responses to Mandela – Der lange Weg zur Freiheit (OT: Mandela: Long Walk to Freedom)

  1. Patrick sagt:

    WOW!!! So gut??? Dann hat die CINEMA anscheinend ja mal recht gehabt! Nun werde ich mir den noch fix in einer Nachmittagsvorstellung geben, bevor er raus ist! Das er besser ist "American Hustle" kann ich mir eh schon denken, der Film ist leider ja wirklich Murks und völlig überbewertet. Schade um MANDELA, ich hätte es ihm sehr gegönnt, schon alleine deshalb, weil INVICTUS sehr unbefriedigend auf das Leben von Mandela eingegangen ist! DANKE an Deine Kritik, ich bin wie gesagt, sehr gespannt und ich stehe auch dazu, dass ich auf den Goldjungen für u2 hoffe. Ich mag den Song neben den von HER von den nominierten am Liebsten, auch wenn meine Favoriten aus "The Great Gatsby" und dem "Hobbit 2" ja leider nicht nominiert wurden! grrr….

  2. Patrick sagt:

    Zum größten Teil kann ich Dir nun Recht geben, es ist ein guter Film der wirklich berührt, wenn man sich drauf einlässt. Besonders gut hat mir gefallen, wie der Regisseur die realen Szenen mit eingeflochten hat. Handwerklich gibts eigentlich nicht zu meckern, da wurde gute bis sehr gute Arbeit abgeliefert und auch Idris Elba hat mir sehr gut gefallen. Je älter er wurde im Film, desto ähnlicher sah er sogar dem echten Mandela, was ich sehr begrüße. Naomi Harris hatte auch einige sehr starke Szenen, aber leider auch ein paar wenig Ausdrucksstarke, aber dies hat das Gesamtbild kaum geschmälert. Die Musik hat mir auch gut gefallen und ich kann die Foreign Press verstehen, dass sie diese nominiert und den Song von U2 einigen Unkenrufen zum Trotz gleich ausgezeichnet hat. Wenn der Abspann erklingt trifft einen der Song direkt ins Mark, so muss das sein. Da kommt auch "Let it go" aus Frozen eigentlich nicht gegen an liebe Academy, aber lassen wir das. Ihr habt ja auch "I see Fire" aus dem 2. Hobbit und "Young and Beautiful" aus dem Großen Gatby nicht nominiert, aber zurück zum Film: Ein gelungenes Portrait eines großen Mannes, dessen großes Werk endlich mal treffend porträitiert wurde. Ich hätte mir für den altenden Nadela zwar Morgan Freeman gewünscht, aber Mr. Elba hat seine Sache wirklich hervorragend gemacht und verdient Respekt. 8/10 von meiner Seite aus und im Grunde ist es echt schade, dass mit "12 Years a Slave" nur ein einziger "schwarzer" Film bedacht worden ist, "Mandela" und "The Butler" hätten es auch verdient gehabt! Ein echtes Hammerjahr für schwarze Darsteller und Filmemacher.

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