Kinosommer 2015 – Meine Kurzkritiken

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Lange habe ich leider nicht die Zeit gefunden, mal die ein oder andere Kritik zu den neuesten Kinofilmen rauszuhauen. Stattdessen gibt es jetzt in aller Kürze eine Zusammenfassung und Bewertung meines Filmsommers von Juli bis August. Viel Spaß beim lesen!


ANT-MAN

antman

Eigentlich hatte ich den Marvel-Filmen schon lange abgeschworen. Der launige Trailer zu Ant-Man stimmte mich jedoch neugierig. Dass Edgar Wright zuvor an dem Projekt arbeitete (was man immer noch bemerkt) und der überaus charismatische Paul Rudd für die Hauptrolle verpflichtet wurde, hatte mich dann fast zu einer Sichtung gezwungen. Und zum Glück wurde ich endlich einmal positiv überrascht! Ant-Man vermischt auf beste Art und Weise die gut portionierten Actionszenen mit zahlreichen humoristischen Einfällen. Das funktioniert dieses Mal richtig gut und unterhält bestens. Die 3D-Technik kommt dank der Ameisen-Perspektive hier auch mal richtig zur Geltung und schenkt dem Zuschauer einige optische Leckerbissen, statt Explosionen und Schwindel. Während andere Marvel-Abenteuer eine regelrechte Zerstörungsorgie auf den Plan rufen, ist das finale Battle in Ant-Man schon fast eine Parodie auf die vorherigen Filme. Paul Rudd und Michael Douglas geben zudem ein fantastisches Duo ab, das wunderbar auf der Leinwand miteinander harmoniert. Die Haupthandlung ist inhaltlich leider wieder die x-te Wiederholung eines Superheldenfilms und Corey Stoll gibt einen sehr berechenbaren und langweilig angelegten Bösewicht ab. Bislang ist Ant-Man aber wohl der beste Film aus dem Hause Marvel.


USA – 2015 – 1 Std. 57 Min.
Regie: Peyton Reed
mit Paul Rudd, Michael Douglas, Evangeline Lilly, Corey Stoll, Bobby Cannavale, Michael Peña, Anthony Mackie, Judy Greer
Genre: Comic, Action, Komödie


DATING QUEEN

datingqueenAmy (Amy Schumer) ist die typische moderne Frau von heute (Zumindest will uns der Film das weiß machen): Beziehungsunfähig, nuttig und dem Alkohol nicht abgeneigt. Als sie jedoch den Sportmediziner Aaron (Bill Hader) kennen lernt, will Amy versuchen, diese Beziehung mal nicht in den Sand zu setzen. Ob das klappt?

Judd Apatow hat vor rund 10 Jahren endlich frischen Wind in das eingeschlafene Genre der amerikanischen Komödie gebracht. An ihm scheiden sich zwar die Geister, aber ich habe seine bisherigen Arbeiten als Regisseur und Produzent größtenteils sehr genossen. Sein neuer Film ist allerdings ‘ne ziemliche Gurke. Wahrscheinlich liegt es daran, dass er erstmals das Drehbuch nicht selbst verfasst hat. Seine selbstverliebte Hauptdarstellerin Amy Schumer, der ich so viel abgewinnen konnte, wie einer Warze am Fuß, ist nämlich leider für diesen inhaltslosen Schrott verantwortlich. Sie nervt, ist unsympathisch und obendrein noch unglaublich unkomisch – Blöd für eine Komödie. Mit Bill Hader an ihrer Seite hat man sich leider ebefalls keinen Gefallen getan – der ist ungefähr genauso eindimensional und flach wie die Witze im Drehbuch und bringt den Film dann endgültig zum Scheitern. Die einzigen Lichtblicke sind die kleinen Nebenrollen von Brie Larson, Tilda Swinton und Wrestlingstar John Cena.


USA – 2015 – 2 Std. 5 Min.
Regie: Judd Apatow
mit Amy Schumer, Bill Hader, Brie Larson, John Cena, Tilda Swinton, Ezra Miller
Genre: Komödie, Romanze


DUFF – HAST DU KEINE, BIST DU EINE!

duff

Bianca ist tough, nerdy und ein echter Kumpeltyp. Dass die heißesten Mädels der Schule ihre besten Freundinnen sind, ist allerdings kein Zufall. Auf einer Party erfährt die Schülerin, dass sie  eine DUFF (Designated Ugly Fat Friend) ist – die Person in einer Clique, die alle anderen besser aussehen lässt und als erste Anlaufstation für potentielle Annäherungsversuche bei den heißen Freundinnen herhalten muss. Diesen Titel will Bianca allerdings nicht auf sich sitzen lassen…

DUFF ist eine harmlose Teeniekomödie, die zwar stellenweise unterhält aber auch nicht wirklich viel Neues bietet. Alle genretypischen Plot-Elemente werden teils wiederholt oder dem digitalen Zeitalter angepasst. Hauptdarstellerin Mae Whitman ist allerdings ein echter Kracher und beweist sehr gutes Fingerspitzengefühl in Sachen Comedy-Timing.


USA – 2015 – 1 Std. 41 Min.
Regie: Ari Sandel
mit Mae Whitman, Robbie Amell, Bella Thorne, Ken Jeong, Allison Janney
Genre: Komödie


HEIL

heil

Dietrich Brüggemann empfahl sich bisher eigentlich als Regisseur des guten deutschen Independentfilms. Vor allem Drei Zimmer/Küche/Bad konnte nahezu perfekt die Stimmung unserer Generation einfangen. Sein neues Werk Heil ist allerdings ein richtiger Griff ins Klo. Der Film versucht sich als Satire über Neonazis und verschenkt am laufenden Band sein Potential. Das ist wirklich schade, denn die Thematik schreit geradezu nach einer guten Satire. Die Gags und die Regie befinden sich jedoch auf Sat.1-Niveau: Nichts zündet, es wird mit albernen Sound-Effekten gearbeitet, die vielleicht noch in den 90ern  funktioniert hätten und die Darsteller, allen voran Benno Fürmann, agieren unterirdisch. Nur Brüggemanns Stammschauspieler Jakob Matschenz kann als durchgedrehter Neonazi die ein oder andere Szene vor dem kompletten Untergang bewahren. Im Schnitt wusste dann allerdings auch niemand so richtig, was er da machen soll: Fast alle Szenen wirken zusammenhangslos und passen nicht in den eigentlich dafür vorgesehenen Rahmen.   Die absoluten Tiefpunkte sind ein unfassbar dämlicher Running-Gag und Brüggemanns gnadenlos gescheiterte Selbstpersiflage. Ein Fall für die Mülltonne.


Deutschland – 2015 – 1 Std. 42 Min.
Regie: Dietrich Brüggemann
mit Benno Fürmann, Jakob Matschenz, Anna Brüggemann, Liv Lisa Fries, Michael Gwisdek
Genre: Komödie


HORNS

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Nachdem seine Freundin ermordet wurde, wird Ig (Daniel Radcliffe) beschuldigt die grausame Tat selbst begangen zu haben. Aus unerklärlichen Gründen wachsen dem jungen Mann eines Tages Hörner, die ihn zufälligerweise auch noch mit einer nützlichen Gabe ausstatten, um den wahren Mörder zu finden…

Dass Daniel Radcliffe weitaus mehr kann als nur Harry Potter, hat der Brite schnell durch sein Mitwirken in den unterschiedlichsten Produktionen bewiesen. Vom Indie-Drama bis hin zur romantischen Komödie gab es fast kein Genre, an das sich Radcliffe noch nicht ran getraut hat. Auch im Horrorfilm ist der Mann gut aufgehoben und begeistert mit einer großartigen Darstellung zwischen Wahn und Verzweiflung. Die stimmungsvolle düstere Inszenierung von Alexandre Aja wird großartig durch den tiefschwarzen Humor des Drehbuchs abgerundet und hält für Horrorfans einige optische Highlights bereit.


USA/Kanada – 2013 – 2 Std. 00 Min.
Regie: Alexandre Aja
mit Daniel Radcliffe, Juno Temple, Max Minghella, Joe Anderson, Kelli Garner, Heather Graham
Genre: Horror, Komödie


LILA & EVE

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Lila (Viola Davis) befindet sich in tiefer Trauer seitdem ihr Sohn ermordet wurde. In einer Selbsthilfegruppe versucht sie über den Schmerz hinweg zu kommen und lernt dort die temperamentvolle Eve (Jennifer Lopez) kennen, die das gleiche Schicksal ereilte. Die beiden freunden sich an und lösen gemeinsam eine gefährliche Kettenreaktion aus, nachdem Eve Lila dazu ermutigt Jagd auf die Mörder ihres Sohnes zu machen …

Bei uns hat der Film aktuell noch keinen Starttermin. Da er in den USA allerdings von den Kinos direkt ins DVD-Regal gewandert ist, wird ihm der Weg in die deutschen Lichtspielhäuser wohl verwehrt bleiben. Das hat auch zwei schlagkräftige Gründe: Zum einen ist Jennifer Lopez nicht ansatzweise den Schauspielkünsten von Viola Davis gewachsen. Zum anderen ist der Plot, dank der lausigen Regie, für jeden halbwegs geschulten Kinogänger nach 10 Minuten entschlüsselt.  Die restlichen 84 Minuten machen dann eigentlich keinen richtigen Spaß mehr, weil man nur noch auf die Auflösung wartet. Leider will sich der Film grade durch sein „geniales“ Ende auszeichnen – allerdings ist es genau das, was ihn so einfallslos macht.


USA – 2015 – 1 Std. 34 Min.
Regie: Charles Stone III
mit Viola Davis, Jennifer Lopez, Shae Wigham
Genre: Drama, Thriller


MAGIC  MIKE XXL

Magicmikexxl

Magic Mike (Channing Tatum) hat sich seinen Traum erfüllt und arbeitet als Tischler seiner eigenen Firma. So richtig rund läuft es allerdings noch nicht und seine große Liebe Brooke hat ihn blöderweise auch noch verlassen. Da kommt das Angebot der ehemaligen Kollegen, sie auf eine Stripper-Convention zu begleiten, grade recht…

Die Fortsetzung zu Steven Soderberghs (der hier nur noch als Produzent und Kameramann agierte) Stripper-Porträt ist wohl das unnötigste und blödeste Sequel, das mir je unter die Augen gekommen ist. Der  Vorgänger konnte durch interessante Charaktere und einem abwechslungsreichem Drehbuch punkten. XXL ist im Vergleich dazu wohl eher XXS – eine Story ist nicht vorhanden, die besten Darsteller aus Teil 1 bleiben gleich ganz weg und was übrig bleibt ist eine sinnlose Aneinanderreihung von Tanzsequenzen und inhaltslosem Gelaber.


USA – 2015 – 1  Std. 55 Min.
Regie: Gregory Jacobs
mit Channing Tatum, Joe Manganiello, Matt Bomer, Amber Heard, Jada Pinkett Smith, Andie MacDowell, Elizabeth Banks
Genre: Tanzfilm, Komödie


MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION

MI5

Am Ende von Teil 4 hatte sich das Unheil bereits angekündigt: Das Syndikat, eine Art Anti-IMF, macht Jagd auf Ethan Hunt (Tom Cruise) und seine Truppe. Parallel dazu will der CIA-Chef (Alec Baldwin) das IMF aus dem Verkehr ziehen. Um das Syndikat dennoch aufzuhalten, muss Ethan desertieren und sich vorerst alleine auf die Jagd machen…

Wenn es ein Franchise gibt, das kontinuierlich hohe Qualität abliefert, dann kann man die Mission: Impossible-Reihe eigentlich gar nicht hoch genug loben. Schon der unglaublich unterhaltsame vierte Teil hat die Messlatte weit nach oben gelegt. Teil 5 schafft es zwar nicht ganz diese zu erreichen, trotzdem wird der Zuschauer nicht enttäuscht:  Es gibt wieder sehr unterhaltsam inszenierte Action, eine gute Portion Humor und Selbstironie und den gewohnten Wechsel zwischen atemberaubenden Schauplätzen. Von Tom Cruise kann man privat halten, was man will – aber wenn der Mann in den vielen Jahren eines bewiesen hat, dann, wie man richtig gutes Blockbusterkino macht. Ich freue mich schon auf Teil 6 – Mehr davon!


USA – 2015 – 2 Std. 11 Min.
Regie: Christopher McQuarrie
mit Tom Cruise, Jeremy Renner, Simon Pegg, Rebecca Ferguson, Sean Harris, Ving Rhames, Simon McBurney, Jingchu Zhang, Tom Hollander & Alec Baldwin
Genre: Action, Thriller


RICKI – WIE FAMILIE SO IST

Ricki

Mit ihrer Band “Ricki & the Flash” tritt Ricki (Meryl Streep) täglich in einer kleinen Bar auf und kommt finanziell grade so über die Runden. Für dieses Leben hat sie einst ihren Mann (Kevin Kline) und ihre drei Kinder zurückgelassen. Als ihre Tochter nach der Trennung von ihrem Mann der Depression verfällt, reist Ricki zu ihrer entfremdeten Familie und versucht das Band neu zu knüpfen…

Der Trailer wirkte fast schon etwas ambitionslos. Das Endergebnis war aber doch einen Ticken besser als erwartet. Das liegt vor allem am Drehbuch von Diablo Cody (Juno), das ein typisches amerikanisches Familiendrama mit viel Humor und Sarkasmus anreichert. Hier kommen wir aber schon zum Schwachpunkt: Der Stoff ist bei Jonathan Demme wahrscheinlich in den falschen Händen gewesen, denn er weiß offensichtlich gar nicht, wie man diesen Sarkasmus richtig auch auf die Leinwand überträgt. Ich persönlich halte ihn sowieso nicht für einen allzu guten Regisseur. Das Schweigen der Lämmer ist zwar großartig, aber wohl eben auch nur ein Glücksgriff und vor allem dem Drehbuch und den Darstellern geschuldet. Demme hat keinen eigenen Stil, wie z.B. ein Martin Scorsese oder ein Jason Reitman, der für Ricki vielleicht die bessere Wahl gewesen wäre. Demmes lasche Regie spiegelt sich auch im Aussehen von Meryl Streep wider. In dem Leder-Outfit und mit dieser gewollten „Rock’n Roll“-Frisur hätte ich sie niemals vor die Kamera gelassen – das ist nicht kreativ, sondern eine offensichtliche Karikatur. Aber auch Streep hat mich erstmals nicht so recht überzeugt. Sie spielt sehr routiniert und hat sich aus meiner Sicht teils auch nicht auf die Feinheiten ihrer Figur konzentriert. Auch hier fehlten die Ansätze zum Sarkasmus, die in ihrer Darbietung immer wieder vom Selbstzweifel überrumpelt wurden. Das hätte sie etwas ausgewogener spielen müssen. Eine Oscarnominierung fällt hier also definitiv flach – da ist sie in diesem Jahr keine Gefahr. Sie wird in den gemeinsamen Szenen sogar von ihrer Tochter Mamie Gummer stets überschattet. Ansonsten ist der Film aber recht solides Unterhaltungskino mit einigen lustigen und ergreifenden Szenen. Sehr gut geeignet für einen verregneten Sonntagnachmittag.


USA – 2015 – 1 Std. 41 Min.
Regie: Jonathan Demme
mit Meryl Streep, Kevin Kline, Mamie Gummer, Sebastian Stan, Rick Springfield
Genre: Komödie, Drama


SELF/LESS –  DER FREMDE IN MIR

Selfless

Der todkranke Immobilien Tycoon Damian (Ben Kingsley) kauft sich bei einer ominösen Firma einen neuen Körper, in den sein Geist transferiert werden soll. Im Look von Ryan Reynolds muss er jedoch schnell erfahren, dass diese Körper nicht künstlich gezüchtet werden, wie zuerst angenommen, sondern andere Menschen dafür ihr Leben lassen müssen.

Der Film ist sicher kein Meilenstein im Sci-Fi- oder Actiongenre. Trotzdem: Er ist temporeich, spannend und überrascht immer wieder durch die ein oder andere Wendung. Der Zuschauer bekommt  einen guten Unterhaltungsmix aus Action, Drama und Gesellschaftskritik. Nur das 08/15 Ende enttäuscht ein wenig. Die  grandiose Schnittarbeit ist allerdings schon eine Sichtung wert.


USA – 2015 – 1  Std. 57 Min.
Regie: Tarsem Singh
mit TRyan Reynolds, Ben Kingsley, Matthew Goode, Derek Luke, Natalie Martinez, Victor Garber
Genre: Science-Fiction, Action, Thriller


SOUTHPAW

southpaw

Der Box-Champion Billy Hope (Jake Gyllenhaal) hat sich sprichwörtlich den Weg von ganz unten nach oben gekämpft. Mit einer wunderbaren Familie, einem großen Vermögen und dem Erfolg im Job hat er scheinbar alles im Griff – außer sich selbst. Als Billy sich von einem Rivalen provozieren lässt, kommt bei der Streiterei seine Frau (Rachel McAdams) ums Leben. Billy verliert nicht nur den persönlichen Halt, sondern auch sein ganzes Geld, seine Box-Lizenz und das Sorgerecht für seine Tochter. Mit der Hilfe von Boxtrainer Tick (Forest Whitaker) will er sich nicht nur wieder in den Ring kämpfen, sondern auch die Gunst seiner Tochter zurückgewinnen.

Jake Gyllenhaal zeigt uns in diesem Boxerdrama mal wieder, dass er zu den besten und wandlungsfähigsten Darstellern unserer Generation gehört. Seine Performance und das Zusammenspiel mit dem großartigen Forest Whitaker bilden die Highlights von Southpaw. Die Story kommt über die üblich gestrickte Boxergeschichte jedoch nicht hinaus. Vor allem das Drehbuch von Kurt Sutter (Sons of Anarchy) weist erzählerisch zahlreiche Schwächen auf und ist größtenteils zu prollig angelegt. Die Regie von Antoine Fuqua (Training Day) wechselt zwischen großartigen optischen Momenten und purer Schlamperei. Und dann ist da ja noch 50 Cent, den man eigentlich nirgends besetzen darf…


USA – 2015 – 2 Std. 4 Min.
Regie: Antoine Fuqua
mit Jake Gyllenhaal, Forest Whitaker, Rachel McAdams, Curtis “50 Cent” Jackson, Naomie Harris
Genre: Drama


STRAIGHT OUTTA COMPTON

SOC

Regisseur F. Gary Gray verfilmt den Aufstieg und Fall der Hip-Hop-Formation N.W.A. Ende der 80er bis Mitte der 90er. Und dieser Film knallt genauso gut wie die Beats dieser Rap-Legenden. Gray schafft es nahezu perfekt die Stimmung und den Geist dieser Musik und dieser Zeit auf die Leinwand zu bringen und erzählt die “Ups“ und „Downs“ seiner Protagonisten in 2,5 Stunden so fesselnd und kompakt, dass keine Spur von Langeweile aufkommt. Im Gegenteil: Man hätte sich auch noch zwei weitere Stunden gönnen können, um zu sehen, wie die weitere Rap-Geschichte mit Leuten wie Dr. Dre, 2Pac, Snoop Dogg und Eminem etc. weitergeht (Angeblich ist aber genauso eine Fortsetzung bereits in Planung).

Darstellerisch ist Paul Giamatti als zwielichtiger Manager wieder ganz weit vorne und sticht mit zwei besonders starken Szenen im Cast heraus. Newcomer Jason Mitchell (Eazy-E) bildet allerdings das darstellerische Highlight des Films – und wäre er nicht so unbekannt und der Film so „gritty“, dann würde ich ihm sogar eine Oscar-Nominierung zutrauen/wünschen.

Stellenweise hätte ich mir allerdings eine etwas kritischere Auseinandersetzung mit den Protagonisten gewünscht. Denn größtenteils siegt da die Glorifizierung. Der Film macht letztendlich trotzdem richtig Laune und gehört aktuell zu den Besten des Jahres. (Unbedingt im Original schauen!)


USA – 2015 – 2 Std. 27 Min.
Regie: F. Gary Gray
mit O’Shea Jackson, jr., Jason Mitchell, Corey Hawkins, Paul Giamatti, R. Marcos Taylor
Genre: Biografie, Drama


TERMINATOR: GENISYS

T5

Wir kennen die Geschichte bereits: In der Zukunft führen Maschinen einen Krieg gegen die Menschheit. John Connor (Jason Clarke) ist der Anführer des Widerstandes. Die Maschinen haben deshalb einen Terminator (Schwarzenegger) in die Vergangenheit geschickt um Johns Mutter Sarah (Emilia Clarke) zu töten. Um das zu verhindern, wird Johns rechte Hand Kyle Reese (Jai Courtney) ebenfalls in die Vergangenheit geschickt. Das ist neu: Dort angekommen, wird Kyle allerdings von Sarah und ihrem eigenen Terminator bereits erwartet…

Über den fünften Aufguss der Terminator-Reihe wurde ja bereits viel Schlechtes geschrieben. So ganz kann ich auf dieser Welle allerdings nicht mit schwimmen. Der Film ist aus meiner Sicht nämlich besser als sein Ruf. Selbstverständlich erreicht Genisys nicht die Genialität der ersten beiden Teile. Aus meiner Sicht stellt er Teil 3 und 4 allerdings mühelos in den Schatten. Schön sind vor allem die Anknüpfungen an die ersten beiden Filme und die Idee ein paralleles Universum entstehen zu lassen. Arnies Opi-Aussehen ist zwar sehr aus den Fingern gesaugt, aber was soll’s? Die Action passt, der Plot unterhält und das ist die Hauptsache. Kein großer Wurf, aber dafür ein kreativer neuer Ansatz. Und seien wir mal ehrlich: Emilia Clarke ist weitaus schöner anzuschauen als Linda Hamilton


USA – 2015 – 2 Std. 6 Min.
Regie: Alan Taylor
mit Arnold Schwarzenegger, Emilia Clarke, Jai Courtney, Jason Clarke, J.K. Simmons
Genre: Science-Fiction, Action


TRUE STORY – SPIEL UM MACHT

TrueStory

Der New York Times Reporter Michael Finkel (Jonah Hill) versucht herauszufinden, wieso ein Mann (James Franco), der seine eigene Familie ermordet hat, Finkels Identität annimmt. In zahlreichen Gesprächen entwickelt sich ein Katz- und Maus-Spiel zwischen den ungleichen Männern, bei dem die Wahrheit stets im Dunkeln bleibt…

Der Plot, der auf wahren Begebenheiten beruht, wirkt auf den ersten Blick vielversprechend. Regisseur Rupert Goold und sein Drehbuchautor David Kajganich schaffen es allerdings nicht aus der Vorlage eine kontinuierlich fesselnde Geschichte zu stricken. Immer wieder verliert sich die aufgebaute Spannung im Leerlauf. Die Motivation des potentiellen Mörders wird zudem nicht ausreichend thematisiert, was man vor allem am Ende mit spannend inszenierten Rückblenden hätte auffangen können. Auch die Beziehung zwischen den beiden Männern wird nicht intensiv genug behandelt, so dass man die Reaktionen aufeinander als Zuschauer nur schwer nachvollziehen kann.

Jonah Hill agiert in seiner Rolle sehr überzeugend und verfestigt neben seinem Hauptberuf als Komiker auch seinen Status als Charakterdarsteller. Es ist allerdings fraglich, ob es so eine gute Idee war, ihm seinen Blödelpartner James Franco an die Seite zu stellen. Dadurch wirken manche Szenen dann doch hin und wieder unfreiwillig komisch. Ein weiterer darstellerischer Lichtblick ist aber vor allem die Oscarnominierte Felicity Jones als Finkels Freundin.


USA – 2015 – 1 Std. 39 Min.
Regie: Rupert Goold
mit Jona Hill, James Franco, Felicity Jones, Ethan Suplee, Gretchen Mol
Genre: Thriller, Drama


UNKNOWN USER

UnknownUser

Der Zuschauer ist Beobachter von Blaires (Shelley Hennig) Online-Aktivitäten. Das junge Mädchen unterhält sich im Chatroom mit ihren Freunden, als eine unbekannte Person sich immer wieder in ihre Unterhaltung einklinkt. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem unbekannten Nutzer um deren Freundin Laura handelt. Diese hat sich allerdings nach der Veröffentlichung eines Mobbing-Videos schon vor einiger Zeit erschossen…

Ein Online-Chatroom als einziger Handlungsort für einen Film: Klingt gewagt, aber es funktioniert. Mit einer Handlung, die in Echtzeit verläuft, schafft es Unknown User die Spannung im Minutentakt in die Höhe zu treiben und spielt dabei auch immer wieder mit den persönlichen Gefahren und Ängsten unserer Gesellschaft im digitalen Zeitalter. Eine kleine sehenswerte Horrorperle, die zwar mit gewohnten Schockeffekten arbeitet, aber bis zum überraschenden Finale fesselt.


USA – 2014 – 1 Std. 23 Min.
Regie: Levan Gabriadze
mit Shelley Hennig, Moses Storm, Will Peltz, Courtney Halverson, Jacob Wysocki, Heather Sossaman, Renee Olstead
Genre: Horror


WE ARE YOUR FRIENDS

WeRURfriends

Cole (Zac Efron) will in der Elektroszene von Los Angeles zum großen DJ aufsteigen und mit seinen Freunden dabei eine Menge Kohle scheffeln. Star-DJ James (Wes Bentley) erkennt sein Talent und will dem Newcomer dabei helfen groß rauszukommen. Cole verguckt sich allerdings ausgerechnet in James’ Freundin Sophie (Emily Ratajkowski), was zunehmend zu Spannungen zwischen den dreien führt. Und auch in seiner Clique tauchen Probleme auf, die Cole aus der Bahn werfen…

Die Story von We Are Your Friends ist 08/15 und der Handlungsverlauf schon weit im Voraus zu erahnen. Der Film tut aber auch keinem weh und ist durchaus für kurzweiliges Entertainment geeignet. Wer sich ran wagt, wird vor allem mit ein paar kreativen visuellen Einfällen und einer tollen Schnittarbeit belohnt. Wes Bentley spielt seinen Charakter zudem bravourös zwiespältig und erfreut Filmfans mit einer Szene, die an seine großartige Rolle in American Beauty erinnert.


USA – 2015 – 1 Std. 36 Min.
Regie: Max Joseph
mit Zac Efron, Wes Bentley, Emily Ratajkowski, Jonny Weston, Jon Bernthal
Genre: Drama, Komödie

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  • Heiko

    100% Übereinstimmung bei den zwei Filmen die wir beide gesehen haben? Ich bin schockiert! 😀

    Ansonsten wieder mal toll geschrieben.

  • Patrick

    Danke Dir tausendfach für deine Klatsche in Reinform von Magic Mike XXL. Der war echt einfach nur grottig und wie Stephan ihm 8 (!) von 10 geben konnte, weiß wohl nur sein Dealer für subtropische Substanzen! ;-PPP

    ANT-MAN passt und wollte ich mit Southpaw zusammen auch schon veröffentlicht haben, kommt dann wohl morgen, auch wenn Du mir zuvorgekommen bist und wir eigentlich fast überein stimmen, nur dass ich Southpaw definitiv 7,5/10 geben würde, da er mir vor allem ab dem Auftauchen von Forest Whitaker richtig richtig gut gefallen hat. Das Gyllenhaal schon wiedre nicht für den Oscar nominiert sein wird, trotz vielfältigster Leistungen in den letzten 3 Jahren, stimmt mich wirklich traurig. Da können sich einige Dauernominierte noch mehrere Scheiben von abschneiden!

    Unknown User hab ich ja als überraschend gut empfunden, schade, dass Luisa das anders sieht. Hat uns allen vor allem wegen der frischen Idee äußerst gut gefallen. Schade, dass die letzten 3 Sekunden des Films so vergurkt waren, sonst hätt eich auch die 7/10 gezückt. Auch Terminator war ind er Tat nicht so kacke, wie einige ihn bezeichneten. Für mich auch der 3.-beste Teil der Reihe, wenn auch mit gehörigem Abstand, aber bei weitem nicht so vermurkst wie Teil 3 und 4.

    • Dennis

      Stephan hat MMXXL was gegeben?!?!?!? Wo ist der Link dazu? Die Begründung muss ich lesen…

      @Heiko: wenn es sich um MI5 und Antman bei den beiden Filmen handelt, dann stimmt das mit den 100% nicht ganz. Die haste nen Ticken besser bewertet 😉

      Geht mal alle "Compton" gucken. Der rockt!

      • Heiko

        Ja, die meinte ich.
        Die Unterschiede sind aber für unsere Verhältnisse schon fast vernachlässigbar. 😉

    • Tzzz, Stephan liegt mit 8/10 goldrichtig! Das Sequel überstrahlt den ersten Teil um Längen! Weniger Doppelmoral, mehr Spaß und Hintersinn, der beiläufiger vermittelt wird, aber dafür in sich schlüssiger ist: http://www.sdb-film.de/2015/07/magic-mike-xxl.htm

      • Dennis

        Sorry…aber nein. Hat zwar spaß gemacht deine Kritik zu lesen und du hast es aus deiner sicht auch gut belegt, weshalb du ihn besser fandest. Aber ich bleib dabei: ich fand MM2 absoluten oberschrott und die ansätze bei teil 1 weitaus unterhaltsamer und nicht so substanzlos wie bei diesem machwerk.

        • Patrick

          Schließe mich da an! Fand den wirklich ganz ganz schlimm und ich hatte wirklich viel Sekt intus um den ertragbar zu machen, aber der war so dilentantisch, dass ich da keine positiven Worte finden konnte. Flach, Dumm, überflüssig. Hätten die die Fresse (entschuldigt) gehalten und sich 90 Minuten nur ausgezogen okay, aber so nee! Der 1. war dagegen fast ne Perle und der hatte auch seine Schwächen. aber wenigstens einen glänzend aufspielenden McConaughey und so etwas wie eine Rahmenhandlung, die hier war völlig behindert. Da hat jeder Fitnessstudiobesuch mehr Sexappeal als diese Schmach von einem Film. ;-P

          Aber schön, wenn ihr dem etwas abfinden konntet. Nur 8/10 geht bei mir wahrlich nicht in den Schädel! Beim besten Willen nicht! Sorry Bros ^^

          • Tja, jedem das seine. Ich belege gern, was die Qualitäten des Films sind, und ihr dürft euch genauso gern haltlos über ihn aufregen … Aber wie man eine so dynamisch gefilmte Produktion mit so kreativen und teils komplexen Choreografien "dilettantisch" nennen kann, geht mir nicht in den Schädel. Dann vergnügt ihr euch lieber mit der Doppelzüngigkeit des Erstlings … 😉

  • Melanie Maria

    ahahahah, paddy…..xD

    • Dennis

      ?

      • Patrick

        Den versteh ich auch nicht! ;-PPP Vielleicht etwas mehr Bezug herstellen? ^^

        • Stefan T.

          Sie spielte sicherlich auf das "90-minütige Ausziehen bei gehaltener Fresse" an. 😀

  • Melanie Maria

    nee, haha, aer de ris auch gut. cih meinte den drogendealer für subtropische substanzen!

  • Alexej

    Also sooft wir einer Meinung sind, so wenig kann ich bei Trainwreck zustimmen:
    Ich finde nicht nur die Darstellerische Leistung von Amy Schumer klasse, sondern kann auch dem Drehbuch einiges abgewinnen. Amy Schumer soll ja keineswegs die "typische moderne Frau" darstellen, sondern eben eine, die untypisch ist, unfähig sich zu binden. Und dieses Problem wird durchaus lustig umgesetzt.
    Nebenbei spielt der Film geschickt mit Geschlechterrollen undn vertauscht diese. z.B. nicht die Männer, sondern eine Frau übernimmt den Part des oberflächlichen One-Night-Stand-Anglers. (Das überrascht gerade bei Apatow, der damit wohl selbstironisch auf die Sexismus-Vorwürfe gegen sich selbst reagiert).

    Dass der Film kein Meisterwerk ist ist klar, aber 2/10 halte ich für deutlich zu gering bewertet. Ich finde den Film zwitgemäß und clever geschrieben. Klar, auch etwas durcheinander und unausgewogen. Manchmal sehr lustig, manchmal Rohrkrepierer, manches zu langatmig und manches an der Pointe vorbeigehetzt. Aber für mir hat der Film Spaß gemacht