Kritik aus dem Wohnzimmer – #2



Nickelodeon von Peter Bogdanovich

Peter Bogdanovich verbeugt sich vor den Anfängen Hollywoods der 1910er, serviert einige urkomische Momente – z. B. wird eine Kamera erschossen – und seine beiden Hauptdarsteller Ryan O’Neal und Burt Reynolds wissen auch in ihren Rollen voll und ganz zu überzeugen. Tatum O’Neal bleibt im Vergleich zu ihrer Rolle in Paper Moon zwar etwas im Hintergrund, kann aber auch einige sehr schöne Akzente setzen, während Jane Hitchcock in ihrer ersten und einzigen Filmrolle als Frau zwischen O’Neal und Reynolds etwas blass wirkt.


Heavenly Creatures von Peter Jackson

Fallen die vorherigen Werke von Peter Jackson noch in die Kategorie Splatter (Bad Taste, Braindead), bzw. schwarze Komödie (Meet the Feebles), handelt es sich bei Heavenly Creatures eher um ein Coming-of-Age-Drama, der mit Versatzstücken des Thrillers untermalt ist und in einigen herausragenden Sequenzen schon mal einen Vorgeschmack darauf gibt, was Jackson einige Jahre später für seine Der Herr der Ringe-Filme geplant hat. Schauspielerisch muss man natürlich Melanie Lynskey und Kate Winslet hervorheben, die in ihrem jeweiligen Spielfilmdebüt – für Lynskey war es sogar die erste Schauspielrolle überhaupt, während Winslet zumindest kleinere Erfahrungen im Serienbereich hatte – mit einem starken, natürlichen Spiel die ganzen Wünsche, Vorstellungen und Sorgen ihrer Figuren perfekt verkörpern.


Before Sunrise – Zwischenstopp in Wien von Richard Linklater

Vor Paris und Griechenland kam für Jesse und Celine Wien und ihr erstes Zusammentreffen 1995. Im Vergleich zu den beiden Nachfolgern fehlt zwar etwas der Groove in den Unterhaltungen und ich bevorzuge das Walk-and-Talk bei Before Sunset – bzw. das fast schon gediegene in Before Midnight – mehr, aber starke Szenen wie die mit dem Poeten am Donaukanal oder am Flipper in der Kneipe versüßen einem doch den Start der Reihe.


Last Exit Reno (OT: Hard Eight) von Paul Thomas Anderson

Bockstarkes Regiedebüt von Paul Thomas Anderson der schon hier seine eigene Handschrift aufblitzen lässt und vor allem mit einem großartigen Philip Baker Hall als Spieler aufwarten kann. Anderson versucht erst gar nicht seinen Thriller an Quentin Tarantino anzugleichen – was zu der Zeit gefühlt jeder zweite Spielfilm-Neuling gemacht hat -, sondern taucht mit der Hilfe von Robert Elswit alles in später für ihn typische Licht und verleiht Last Exit Reno einen sehr schönen Look. So bleibt am Ende ein starkes und spannendes Debüt von P.T. Anderson mit stark aufspielenden Philip Baker Hall und John C. Reilly.


Basic – Hinter jeder Lüge eine Wahrheit von John McTiernan

Das zweite Zusammenspiel für John Travolta und Samuel L. Jackson nach Pulp Fiction gehört vor allem einem der beiden: John Travolta, der eine coolere Version seiner Rolle aus Wehrlos – Die Tochter des Generals spielt und zu dem Zeitpunkt bestimmt auch einen guten Jack Reacher abgegeben hätte. Die knapp über 1,5 Stunden Spielzeit werden von John McTiernan knackig in Szene gesetzt, das Geschehen im Dschungel gefällt ebenso wie die Szenen auf der Militärstützpunkt mit John Travolta und Connie Nielsen und am Ende gibt einen tatsächlich gelungene Überraschung.

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