Systemsprenger

© Weydemann Bros. GmbH

In Gestalt von „Systemsprenger“ gelang der erst 35-jährigen Nora Fingscheidt das Kunststück, sich mit ihrem Spielfilmdebüt direkt Hoffnungen auf eine Oscarnominierung machen zu dürfen, wozu es äußerst selten kommt. Die Produktion setzte sich im Rennen um den deutschen Beitrag als „Bester Internationaler Film“ gegen starke Konkurrenten wie „Lara“, „Der Junge Muss An Die Frische Luft“ sowie „Und Der Zukunft Zugewandt“ durch. Dass die Jury der diesjährigen Berline das Erstlingswerk darüber hinaus als „beklemmendes, einfühlsames und genau recherchiertes Szenario über unser pädagogisches System und ein ergreifendes, humanistisches Plädoyer für (…) die vermeintlich Dysfunktionalen“ feierte, schürte zusätzlich immense Erwartungen. Im Endergebnis liegt diese Klassifikation wie so oft im Auge des Betrachters. Obwohl das Porträt der neunjährigen, hochaggressiven Bernadette bei Weitem nicht auf allen Ebenen zu überzeugen weiß, unternimmt es dennoch einen ambitionierten Versuch und möchte vor allem beweisen, dass die deutsche Filmlandschaft sich gelegentlich auch wichtigen, zeitgenössischen Problemen zuzuwenden traut.

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So Wie Du Mich Willst (OT: Celle Que Vous Croyez)

© Diaphana Films

Laut Statistiken haben rund 30 Prozent aller Europäer bereits mehr oder weniger gute Erfahrungen mit Online-Dating gemacht. Alarmierender Weise soll jedoch jedes siebtente (!) Profil auf diversen Dating-Plattformen reines Fake-Material darstellen und eine Person visualisieren, die es in der Realität gar nicht gibt. Diese nüchternen Zahlen vorausgeschickt, eignet sich die zeitgenössische Thematik perfekt für einen Beitrag in Spielfilmlänge. So verwundert es nicht, dass die Vorspiegelung falscher Tatsachen in den Weiten des WorldWideWeb den Ausgangspunkt für „So Wie Du Mich Willst“ unter der Regie von Safy Nebbou bildet. Der unter dem internationalen Titel „Who You Think I Am“ vertriebene Film wurde bereits im Rahmen der Berlinale uraufgeführt, hielt aber erst vor kurzem Einzug in vereinzelte Programmkinos. Wie so oft, ist die zurückhaltende Veröffentlichung als bedauerlich zu erachten, denn das Werk richtet sich trotz unverkennbarer Arthouse-Qualitäten in inhaltlicher Hinsicht an ein breites Publikum und hinterlässt nicht nur dank seiner überragenden Hauptdarstellerin einen bleibenden, zutiefst therapeutischen Eindruck.

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Das Perfekte Geheimnis

© Constantin Film

Die Zeiten, in denen sich der Mensch selbst in geselliger Runde lieber unmittelbar mit seinen Artgenossen beschäftigte als mit dem Smartphone, liegen gefühlt ein ganzes Weilchen zurück. Das Handy ist längst nicht nur zum unverzichtbaren Spielzeug, sondern auch zum „Flugschreiber des Lebens“ geworden. Ebendiese Feststellung wird zum inhaltlichen Dreh- und Angelpunkt der Produktion namens „Das Perfekte Geheimnis“, die heute ihren offiziellen Kinostart feierte. Regisseur Bora Dagtekin, der mithilfe dreier „Fack Ju Göhte“-Filme mehr als 21 (!) Millionen Zuschauer in die Lichtspielhäuser lockte, bleibt seiner bevorzugten Sparte treu, kreiert diesmal jedoch etwas weitaus Reiferes im Stil eines Kammerspiels, das über plakativen Humor und Fäkalwitze hinausgeht und sich stattdessen durch gesteigertes, psychologisches Interesse an Partnerschaften auszeichnet.

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Gotham Awards- und AACTA-Nominierungen 2019

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Die Award-Saison kommt so langsam ins Rollen. Wie von einer Gruppe, die die besten Independent-Filme würdigt sichern sich hier „The Farewell“ und „Marriage Story“ ihren Frontrunner-Status. Mit „Uncut Gems“ scheint auch Adam Sandler seine ernsthafte Schauspielerische Seite zeigen zu können. Wie „Waves“ und „Hustlers“ abschneiden wird, ist noch schwer zu sagen, wobei mich schon wundert, dass „Hustlers“ als „Independent Film“ durchgeht. Bei den Frauen freut es mich, dass Alfre Woodard nicht in Vergessenhet geraten ist, wundere mich indes aber über die Abstinenz von Scarlett Johannsson. Ist dies ein dunkles Vorzeichen oder stehlen ihr Adam Driver und Laura Dern wirklich die Show, wie es des Öfteren schon zu lesen war? Man darf gespannt sein! Lesen fortsetzen

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Scary Stories To Tell In The Dark

© CBS Films

Spätestens, wenn die farbenreichen Laubblätter zu Boden fallen, der Verkauf an Kürbissen steigt und der erste Nachtfrost erreicht wird, genießen Gruselfilme in den Lichtspielhäusern Hochkonjunktur. Nicht von ungefähr hat sich der Terminus „Horrorctober“ mittlerweile fest etabliert. Auch das Jahr 2019 bildet hierbei keine Ausnahme und so überrascht es nicht, dass auch „Scary Stories To Tell In The Dark“ versucht, die Sparte einem jüngeren Publikum zugänglich zu machen. Ebendieses Experiment erweist sich jedoch fernab aller Genre-Präferenzen als extrem schwache Abendunterhaltung sowie als Demonstration der zunehmenden Genügsamkeit vieler Konsumenten. So mutet es als äußerst vielsagend an, dass nicht das Storytelling oder die Horroreffekte das Fürchten lehren, sondern viel mehr der Fakt, dass ausgerechnet ein Visionär wie Oscarpreisträger Guillermo del Toro an der Produktion entscheidend mitwirkte.

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Maleficent: Mächte der Finsternis (OT: Maleficent: Mistress of Evil)

© Walt Disney Pictures

„Maleficent – Die Dunkle Fee“ setzte vor fünf Jahren eine regelrechte Flut an Realverfilmungen der Meisterwerke aus dem Hause Disney in Gang. Allein in diesem Kalenderjahr erschienen drei solcher Produktionen. Weil die seinerzeitige Adaption es auf Anhieb schaffte, sich in die Top-100 der finanziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten zu platzieren, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Geschichte um eine der berüchtigtsten Schurkinnen des Zeichentrick-Universums eine Weitererzählung erfuhr. Während das Schauspielensemble bis auf wenige Ausnahmen bestehen blieb, gab es einen Wechsel auf dem Regiestuhl. Der norwegische Landsmann Joachim Rønning, der bereits mit „Kon-Tiki“ einen hochgelobten Film schuf, erweitert die Grimm’sche Einleitungsformel kurzerhand und bietet trotz einiger Schwächen letztlich nicht nur für Fans des Genres vor allem eines: Grundsolide Kinounterhaltung.

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Midsommar

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©Weltkino Filmverleih

Um Abstand von den tragischen Todesfällen in ihrer Familie zu bekommen, reist Dani (Florence Pugh) zur Zeit der langen Sommernächte mit ihrem Freund Christian (Jack Reynor) und drei von dessen Freunden nach Schweden in ein idyllisches Inseldorf, wo sich die Dorfgemeinschaft auf ein ein besonderes Fest vorbereitet, das nur alle 90 Jahre einmal stattfindet. Doch die Feierlichkeiten nehmen immer bizarrere Dimensionen an und alle Beteiligten fragen sich zunehmends worin sie geraten sind…. Lesen fortsetzen

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ES – Kapitel 2 (OT: It – Chapter two)

ES Kapitel 2 mit Bill Skarsgård
©Warner Bros.

Es sind 27 Jahre seit den Ereignissen ihrer Kindheit vergangen. Inzwischen ist der “Club der Verlierer” erwachsen geworden und leben, mit Ausnahme von Mike Hanlon, nicht mehr in Derry. Die Erinnerungen an die traumatischen Ereignisse von damals sind weitesgehend verdrängt. Doch als die Morde in der Kleinstadt erneut beginnen, kehren Bill Denbrough (James McAvoy), Ben Hanscom (Jay Ryan), Richard Tozier (Bill Hader), Eddie Kaspbrak (James Ransone), Michael Hanlon (Isaiah Mustafa), Stanley Uris (Andy Bean) und Beverly Marsh (Jessica Chastain), die inzwischen Beverly Rogan heißt, aufgrund ihre damaligen Blutschwures, nach Derry zurück, um es erneut mit dem Kinder mordendem Wesen aufzunehmen, welches sie dem Namen ES gegeben haben… Lesen fortsetzen

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Joker

© Warner Bros. Pictures

„Bilde ich mir das bloß ein oder wird die Welt immer verrückter?“ Dieser Ausspruch, der in erschreckender Weise auf die aktuellen Ereignisse in der Welt übertragbar ist, bildet den Ausgangspunkt für Todd Philipps 13. Leinwandproduktion und gerät rasch zur rhetorischen Frage. Dass der Solo-Film über einen der berüchtigtsten Schurken der Filmgeschichte im Rahmen der Filmfestspiele von Venedig den Hauptpreis erringen konnte, überrascht in hohem Maß, denn „Joker“ zählt definitiv nicht in die Sparte massenkompatibler Abendunterhaltung. Kaltschnäuzig inszeniert, stellt der Thriller das bis dato aufwühlendste, unbequemste Werk der aktuellen Saison dar und dürfte polarisieren wie kein anderer. Wer es wagt, sich vollends auf das zweistündige Porträt einzulassen, erhält nicht zuletzt eine düstere, tiefenpsychologische Studie einer zerschmetterten Seele, die in hohem Maße nachwirkt.

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Emmy-Gewinner auf Rekordkurs

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David Fisher/Shutterstock und Peter Brooker/Shutterstock

Die finale Staffel von „Game of Thrones“ ging – trotz zum Teil vernichtender Kritiken und fehlender Drehuch-Nominierungen (!) – mit 32 Nennungen an den Start, soviel wie für keine Serie innerhalb einer Staffel zuvor, konnte den eigens aufgestellten Rekord trotz Gewinn von satten 12 Emmys zwar nicht einstellen, aber damit immerhin gleichziehen!, auch wenn er „nur“ 2x in den Hauptkategorien (Serie und Nebendarsteller) triumphieren konnte! Für alle Statistiker: „Game of Thrones“ erhielt für seine 8 Staffeln insgesamt 59 Emmys, jedoch nur Dinklage bekam von allen Darstellern genug Stimmen für einen Darstellersieg – dies jedoch satte 4 Mal!

Neben „Game of Thrones“ waren „Chernobyl“, „Fleabag“ und „RuPauls Drag Race“ die großen Abräumer des Abends. Insbesondere RuPaul Charles hat den 4. Emmy in Folge für seine Moderation erhalten und ist mit Rekordhalter „Jeff Probst („Survivor“) gleichgezogen. Da bis zum nächsten Jahr noch eine 12. Staffel von Drag Race, sowie „All Stars 5“ und ab 3. Oktober „Drag Race UK“ ausgestrahlt wird, sollte er beste Aussichten haben, nicht nur mit dem Rekord gleichzuziehen, sondern auch zu übertrumpfen.

Auch wenn die Emmy-Jury dazu neigt sich immer wieder zu wiederholen und dieselben Personen auszuzeichnen, gib es mit Sandra Oh und Phylicia Rashad zwei Damen, die Jahre oder gar Jahrzehnte für stets herausragende Arbeit nominiert werden, aber nie triumphieren konnten. Dies steiß besonders in diversen Foren sauer auf, vor allem bei Phylicia Rashad, die zum vierten Mal nominiert wurde, und absolut herausragend in der Episode von „This is us“ war, wie ich bereits in meiner Kritik noch vor den Emmy-Nominierungen hervorgehoben hatte. Noch konvuser ist, dass Sandra Oh dieses Jahr Nominierungen Nr. 9 und 10 erhielt und im Laufe der Jahre 2 Golden Globes und 2 Screen Actors Guild Awards erhielt und noch immer auf ihren ersten Emmy warten muss!

Ansonsten ist es sehr erfreulich gewesen, dass die Emmys weiter gestreut wurden als üblich. Wie seht ihr die Vergabe? Wer wurde Eurer Meinung nach übergangen? Wer wurde zurecht ausgezeichnet und wer wurde nicht Mal nominiert, der aber auf die Liste gehört hätte?

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