Pose (Staffeln 1 und 2)

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©FX Network

Es ist die Zeit des imposanten Trump Towers, der den American Dream symbolisiert – junge Männer in schicken Anzügen, auf der Karriereleiter nach ganz oben, Frau und Kinder warten zu Hause auf Papas Feierabend. Stan Bowes (Evan Peters) ist einer dieser hart arbeitenden Familienväter. Jedoch fährt Stan nach der Arbeit nicht direkt nach Hause, sondern bandelt am Pier mit der transsexuellen Prostituierten Angel (Indiya Moore) an, die eines der Kinder des House of Evangelista ist. Wie zu erwarten verkompliziert sich diese Dreiecksbeziehung und verdeutlicht, dass Stan trotz seines beruflichen Status und der gesellschaftlichen Akzeptanz ihm gegenüber eine ebenso verlorene Seele ist, die nicht weiß, wer oder wie sie eigentlich sein soll, genau wie die Kinder der Ballroom-Nächte…

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In pompösen, teils selbst geschneiderten Kostümen tänzeln die Teilnehmer der Ballroom-Nächte in verschiedensten Kategorien um die Jury und den großen Siegerpokal. Alles moderiert und mit scharfer Zunge bewertet von Emcee Pray Tell (Emmy-prämiert: Billy Porter), dem MC/Master of ceremonies. Ziel ist es, in diverse Rollen zu schlüpfen und darin zu überzeugen. Hier darf jeder sein, wer er sein will. Denn außerhalb des Ballrooms herrscht Ablehnung und Chancenlosigkeit.

So gibt Blanca (Emmy-nominiert: MJ Rodriguez) auch dem jungen Damon (Ryan Jamaal Swain) einen Platz in ihrem Haus, nachdem dieser aufgrund seiner Homosexualität von seinen Eltern verstoßen wurde. Damon ist leidenschaftlicher Tänzer und schafft es mit Hilfe seiner neuen Mutter Blanca, auf einer Schule für Tanz aufgenommen zu werden. Völlig unschuldig und unbedarft wird er in diese neue Welt hineingeworfen und macht erste sexuelle Erfahrungen und damit auch die Bekanntschaft mit der Angst vor HIV. Das Thema HIV und AIDS wird stark in die Story mit eingebunden. Wie erschreckend die damalige Annahme war, nur trans- und homosexuelle Menschen könnten sich damit anstecken. Deren medizinische Versorgung war aufgrund der gesellschaftlichen Verachtung natürlich begrenzt, man kümmerte sich schlichtweg nicht um sie.

So niederschmetternd diese Szenen auch sind, Pose ist weder ein beklemmendes AIDS-Drama noch eine übertriebene Drag-Show. Pose ist ein realistisches, emotionales und starkes Kunstwerk, das tiefen Eindruck hinterlässt. Jede der 8 Episoden birgt neue Nebenhandlungen und überraschende Facetten der Figuren.

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Noch nie haben so viele transsexuelle Menschen an einem Film gearbeitet, sei es vor aber auch hinter der Kamera. Die Darsteller sind hervorragend gecastet, wobei die bekannteren Gesichter wie Kate Mara und James Van Der Beek eher das Schlusslicht bilden, welches deren Leistungen nicht schmälern sollen. Schmieriger hat man James van der Beek nie gesehen und Evan Peters, Muse und Stammgast von Ryan Murphys American Horror Story, liefert hier die wohl bis dato intensivste und leidenschaftlichste Darstellung seiner noch jungen Karriere ab!

Ganz besonders gut gescriptet sind die Charaktere Blanca, Angel und Pray Tell und ragen aus der Menge der faszinierenden Charaktere heraus. Sie tragen viele Emotionen nach außen und die jeweiligen Darsteller werden von der Kamera und auch vom Publikum geliebt. Die schrille Mode und der unverkennbare 80s Sound setzen dem Ganzen dann noch die Krone auf. Superhits von Whitney Houston und Donna Summer pushen die Tanzdarbietungen in den Vordergrund und trotz der bedrückenden Gegebenheiten macht Pose einfach nur Spaß – und zu großen Teilen süchtig!

Nicht ohne Grund wurde Hauptdarsteller Billy Porter 2019 als erster farbiger Darsteller in einer Drama-Serie mit einem Emmy geehrt. Doch für mich ist es vor allem MJ Rodriguez, die das Herz und die Seele von „Pose“ ist. Ihre Leistung ist kaum in Worte zu fassen, man muss sie erlebt haben – Ihre Chemie mit dem restlichen Cast, ihr Line-Reading und ihr warmherzige leidenschaftliche Darstellung sucht ihresgleichen und hätte mit Tonnen von Awards überschüttet werden müssen, aber bis eine transsexuellen Schauspielerin diese Ehre zuteil wird, muss vermutlich noch einiges passieren. Immerhin wurde sie für den Emmy nominiert – der Anfang sei damit gemacht!

Lasst Eure Bedenken Beiseite und in den Sog von Faszination, Leidenschaft und Drama begeben – facettenreicher und ehrlicher kann Leben wohl kaum gefeiert werden! Chapeau für Ryan Murphys Meisterstück, der mit „Pose“ sogar seine Karrierebestleistung „American Crime Story“ zu übertreffen vermag!

Folgen-/Wertungsübersicht:

  1. Um jeden Preis (Pilot) – 9,0/10
  2. Zutritt (Access) – 9,5/10
  3. Geben und Nehmen (Giving and Receiving) – 9,0/10
  4. Fieber (The Fever) – 9,0/10
  5. Muttertag (Mother´s Day) – 9,5/10
  6. Love is the Message (Love is the Message) – 10/10*
  7. Auf der Straße (Pink Slip) – 8,5/10
  8. Mutter des Jahres (Mother of the Year) – 9,5/10

Gesamt: 9,2/10

USA 2018 – 8×60 Minuten
Creator: Ryan Murphy, Steven Canals und Brad Falchick
Genre: Drama
Darsteller: MJ Rodriguez, Billy Porter, Dominique Jackson, Indya Moore, Angel Bismark, Curiel, Evan Peters, Kate Mara, James van der Beek, Charlayne Woodard, Dyllon Burnside, uva.

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Staffel 2

Die 2. Staffel von Pose macht einen Sprung ins Jahr 1990: Während die Community Madonnas „Vogue“ feiert, fegt die AIDS-Krise wie ein Feuer durch die LGBTQ-Community und fordert Millionen Opfer. Pray (Billy Porter) muss seinen Freund zu Grabe tragen und ist von den unzähligen Beerdigungen niedergeschlagen, die er in letzter Zeit besucht. Ein wenig Trost findet er in durch Judy (Sandra Bernhard), die ihm zu einem Treffen der Aktivisten von Act Up einlädt. Erst dort wird ihm bewusst, dass er sich nicht geschlagen geben muss, sondern dem Kampf gegen AIDS und die Kriminalisierung von Betroffenen anschließen muss.

Für Evangelista-Hausmutter Blanca (MJ Rodriguez) gibt es unterdessen schlechte Nachrichten. Die Zahl ihrer T-Zellen ist niedriger denn je und ihre HIV-Infektion wird nun als AIDS-Erkrankung eingestuft. Doch ehe sie sich ihrem Schicksal hingibt, will sie mehr denn je ihren Kindern eine Zukunft ermöglichen und ihnen dabei helfen, über sich hinauszuwachsen.

Sie ermutigt z.B. ihre Tochter Angel (Indya Moore) an einem Model-Casting teilzunehmen, denn Blanca träumt davon, auch außerhalb der Ballrooms von New York als echtes Model über die Laufstege der Welt zu stolzieren. Und tatsächlich wird sie eine Runde weitergelassen. Doch vorher muss sie sich mit professionellen Fotos präsentieren, um als Model ernstgenommen zu werden. Da Angel kaum Geld in der Tasche hat muss sie die schrecklichen Forderungen eines anerkannten Fotografen über sich ergehen lassen, um ihren Traum erfüllen zu können.

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Indes geht Damon seinem Traum als Profitänzer nach und nimmt nicht nur fleißig weiter Ballettstunden, sondern nimmt am harten Auswahlverfahren als Backgroundtänzer von Madonnas Blonde Ambition Tour teil. Aber auch Blanca geht ihrem Traum eines eigenen Nagelstudios nach und kämpft auf allen Fronten darum…

Auch die zweite Staffel überschlägt sich nur voller lustvoller, tragischer und mitreißender Ereignisse und lebt von seinen lebensechten Charakteren, die sich mitten ins Herz katapultieren und das Zeug haben sich dort auf ewig festzusetzen. Pose ist und bleibt einzigartig und sollte von allen gesehen werden. Live, Work, Pose!

Folgen-/Wertungsübersicht:

  1. Act up! (Acting up) – 9,0/10
  2. Wertvoll (Worth it) – 9,5/10
  3. Verpuppung (Butterfly / Cocoon) – 9,0/10
  4. Never knew love like this before (Never knew love like this before) – 10/10*
  5. Was würde Candy tun? (What would Candy do?) – 8,0/10
  6. Love´s in Need of Love today (Love´s in Need of Love today) – 7,5/10
  7. Rückschläge (Blow) – 8,5/10
  8. Enthüllungen (Revelations) – 8,5/10
  9. Das Leben ist ein Strand (Live is a Beach) – 10/10
  10. In meinen High-Heels (In my Heels) 9,5/10

Gesamt: 9,0/10

USA 2019 – 10×60 Minuten Creator: Ryan Murphy, Steven Canals und Brad Falchick       Genre: Drama                     Darsteller: MJ Rodriguez, Billy Porter, Dominique Jackson, Indya Moore, Angel Bismark, Curiel, Angelica Ross, Charlayne Woodard, Dyllon Burnside, Sandra Bernhard, Patti LuPone, uva.
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