Silver Lining Critics: April 2013 -1-

The Man with the Iron Fists

Mein Name ist Jack Knife! Und wer darüber lacht, dem werde ich den Arsch aufreißen!

Wu-Tang Clan-Mastermind RZA versucht sich in seinem Regie-Debüt an einer tiefen Verbeugung des asiatischen Martial Arts-Filmes und löst zwar nicht alle Erwartungen ein, unterhält aber über weite Strecken. Dafür, dass es ein Regie-Debüt ist, fand ich ihn sogar besser als erwartet: Die Action ist knackig in Szene gesetzt, mit Blut wird mit gegeizt und die Krönung des Ganzen ist eh Russel Crowe, bei den ich im Vorfeld die Befürchtung hatte, dass es eher ein Cameo ist und dass er recht schnell gemeuchelt wird. Aber das Gegenteil ist der Fall: Sein Jack Knife ist nicht nur eine richtige Nebenrolle, sondern rettet mehr oder weniger den kompletten Film. Denn der von RZA selber dargestellte Schmied ist dann doch nicht ausgefeilt genug, um als Figur den kompletten Film zu tragen. Dazu machen RZA und sein Mitautor Eli Roth den Fehler Figuren mit Potenzial (wie z. B. die Killer-Zwillinge) nach wenigen Minuten in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Freunde des ersten Kill Bill-Filmes und von asiatischen Martial Arts-Filmen werden hier voll auf ihre Kosten kommen, aber Otto Normal-Kucker wird sich wohl verwundert den Kopf kratzen. Irgendwie bedaure ich es ein wenig, dass man die eigentlich geplante Laufdauer von 4 Stunden nicht einreichen konnte. Was wäre das erst für ein Spaß geworden? Und vielleicht wäre der Film dann auch runder geworden.

USA, Hong-Kong – 2012 – 1 Std. 36 Min.
Regie: RZA
mit RZA, Russell Crowe und Lucy Liu
Genre: Action, Abenteuer

Wie beim ersten Mal (OT: Hope Springs)

Ich werde einfach hier sitzen und dabei noch gute Arbeit abliefern

Es ist ein sehr ruhiger Film, den David Frankel (Der Teufel trägt Prada, Marley & Ich) hier abliefert. Ein fast schon zu ruhiger, zu routiniert in Szene gesetzter Film über die Routine, in die man verfällt, wenn man Jahrzehnte mit der gleichen Person verheiratet ist und man gegen diese Routine etwas unternehmen möchte. Aber dank seiner beiden Hauptdarstellern Meryl Streep und Tommy Lee Jones macht der Film doch über weite Strecken irgendwie Spaß. Es ist toll einen dauergrantigen Tommy Lee Jones zu beobachten wie er sich auf Teufel komm raus weigert über die Probleme seiner Ehe zu sprechen und Meryl Streep ist… nun ja… Meryl Streep halt. Vielleicht muss man auch einfach selber mal 20 Jahre verheiratet sein, um diesen Film voll und ganz zu würdigen. Übrigens ist das Highlight des Filmes nicht seine beiden Oscarpreisträger, sondern Steve Carell in der dritten wichtigen Rolle: Er spielt den Eheberater der beiden; nicht mehr und nicht weniger. Kein nerviger Side-Plot über ihn, sondern wir erfahren rein gar nichts über seine Figur. Carell sitzt einfach in seinem Sessel, stellt Fragen und hört seinen beiden Patienten zu. Das ist schon fast zu clever, oder? Man hätte die Rolle mit jedem X-Beliegen Schauspieler besetzen können, aber schafft es Carell doch locker auch dieser passiven Rolle einen tollen Anstrich zu geben.

USA – 2012 – 1 Std. 40 Min.
Regie: David Frankel
mit Meryl Streep, Tommy Lee Jones und Steve Carell
Genre: Komödie, Drama, Romanze

So Undercover

Veronica Mars für Arme

Miley Cyrus wandert auf den Spuren von Veronica Mars und das meine ich wörtlich: Der komplette Film ist eine weniger Noir-getränkte Variante von Veronica Mars. Das wird am überdeutlichsten am Intro, der genau so in einem Veronica Mars-Film unterkommen würde und über den ich gerade deswegen echt lachen musste. Die Story ist nicht gerade originell und sehr stereotypisch, ebenso die Figuren. Trotzdem hat der Film – was mich sehr überraschte – ein paar sehr nette Augenblicke zu bieten und mit Megan Park als naive Cotton sogar eine dieser wunderbaren Nebenfiguren, die einen kompletten Film erträglich machen können. Denn wenn ich ganz ehrlich bin: Ich nehme Miley Cyrus diese toughe Ermittlerin für keine Sekunde ab. Da kann sie noch so hart Motorrad fahren, fluchen und Stiefel tragen: Im direkten Duell mit Jeremy Piven wird sie gnadenlos an die Wand gespielt und der größte Teil des Filmes ist dann halt auch nur die typische weichgespülte Disney-Ware, die sie über Jahre abgeliefert hat. Ist der Film ein Reinfall? Nein, denn er hat durchaus seinen Charme, ist aber sonst wie Fastfood: Man hat kurz seinen Spaß, hat es aber auch sehr schnell wieder vergessen.

USA – 2012 – 1 Std. 33 Min.
Regie: Tom Vaughan
mit Miley Cyrus, Jeremy Piven und Mike O’Malley
Genre: Komödie, Action

Bernie – Leichen pflastern seinen Weg (OT: Bernie)

Mhm… das kommt mir seltsam bekannt vor…

Über Bernie möchte ich eigentlich gar nicht so viele Worte verlieren. Nicht weil er so schlecht ist, sondern weil er so verdammt gut ist, dass man ihn als Fan skurriler Komödien gesehen haben muss. Richard Linklater beweist man wieder überdeutlich, warum er einer der besten Allrounder überhaupt ist und Jack Black zeigt dass er mehr spielen kann, als das typische Comedy-Futter wie z. B. in solchen Filmen wie Neid. Dazu gesellen sich Shirley MacLaine und vor allem der großartige Matthew McConaughey, bei dessen Performance man permanent ein breites Grinsen im Gesicht hat, weil es ihm offensichtlich verdammt viel Spaß gemacht hat, in dieser Texas-Komödie mitspielen; deswegen: Unbedingt auch im Originalton hören! Nur der deutsche Verleiher gehört für den deutschen Untertitel mal wieder ordentlich verprügelt!

USA – 2011 – 1 Std. 44 Min.
Regie: Richard Linklater
mit Jack Black, Shirley MacLaine und Matthew McConaughey
Genre: Thriller, Komödie

Silent Hill 2: Revelation 3D

“Sag mal: Stirbst du nicht in fast jedem deiner Filme?” – “Hoffen wir mal das beste.”

Die erste Verfilmung Silent Hill ist für mich das Musterbeispiel einer gelungenen Videospielverfilmung, denn man merkte deutlich, dass hier Fans der Serie am Werke waren und ihre Verantwortung den anderen Fans sehr ernst nahmen. Das Ergebnis war die wahrscheinlich beste Verfilmung eines Videospiels. Der Nachfolger Silent Hill 2: Revelation 3D widmet sich dem dritten Silent Hill-Spieles und ist damit eine direkte Weiterführung der Geschichte. Leider krankt der Film an so einigen Ecken und Kanten: Adelaide Clemens als Heather Mason ist zwar optisch perfekt gecastet, schaft es aber nicht den Zuschauer für sich ein zu nehmen. Sean Bean wird schon nach wenigen Augenblicken im Film entführt und so haben wir leider die meiste Zeit Clemens an der Backe. Etwas besser wird der Film, sobald man endlich wieder in Silent Hill ist und wir in seine kranke Welt hinabsteigen: Hier spüren wir wieder die Stärken des Vorgängers. Leider bekommen wir aber zum Ende hin ein Finale hingeklatscht, welches mich so wütend gemacht hat, dass ich den kompletten Film fast zur Strafe in den roten Wertungsbereich abgestuft hätte. Aber das sollte jeder selber anschauen. Michael J. Bassett serviert im Endeffekt einen typischen Vertreter des Genres, gespickt mit einigen sehr schönen atmosphärischen Einzelszenen. Nicht mehr und nicht weniger. Wäre schön, wenn man sich endlich mal an das zweite Videospiel wagen würde und wieder im Geiste der ersten Verfilmung arbeitet, als auf den schnellen Dollar zu setzen.

Frankreich, Kanada – 2012 – 1 Std. 34 Min.
Regie: Michael J. Bassett
mit Adelaide Clemens, Sean Bean und Kit Harington
Genre: Horror

Lola gegen den Rest der Welt (OT: Lola Versus)

Die Prinzessin des Indie-Filmes.

Greta Gerwig ist für mich – nachdem eine gewissen Kristen Stewart sich ja nie so sicher ist, ob sie den Titel haben möchte – so etwas wie die Princess of Indie-Film: Eine Schauspielerin die ich sehr gerne sehe, aber nicht unbedingt in großen Mainstream-Filmen, sondern eher in kleineren Filmen die eine bodenständige Geschichte aus dem Leben erzählen. Genau so eine Geschichte bekommen wir auch in Lola gegen den Rest der Welt. Oder besser: Eine Filmversion einer Folge von Girls. Nur weniger zynisch und mit weniger Titten. Gerwig verkörpert die Rolle der Ende 20-jährigen Lola mit so viel Charme und Witz, dass man sie einfach lieben muss und ihrem Verlobtem Luke – ebenfalls toll gespielt von The Killing-Star Joel Kinnaman – immer und immer wieder in die Fresse schlagen möchte, dass er sie einen Tag vor der Hochzeit sitzen hat lassen. Der Film ist sehr witzig, erfrischend und lebt von den Figuren und den Dialogen. Ein großer Anteil daran hat auch Zoe Lister Jones, die nicht nur die beste Freundin von Lola auf ihre eigene wunderbare Art und Weise verkörpert, sondern auch das Drehbuch geschrieben hat, während ihr Partner Daryl Wein die Regie übernahm. Freunde des luftigen Indie-Films werden also ihren Spaß an dieser kleinen Perle haben.

USA – 2012 – 1 Std. 27 Min.
Regie: Daryl Wein
mit Greta Gerwig, Joel Kinnaman und Zoe Lister-Jones
Genre: Komödie

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  • ich fand "Bernie" soooo nicht gut. Der Anfang ging eigentlich noch, vor allem die ganz erste Szene mit den Studierenden war richtig witzig. Aber das war für mich auch schon der Höhepunkt des Films.. leider!

  • Patrick

    Das sind (fast) alles Filme, die mich nicht reizen irgendwie. Ich plädiere ja da lieber mal die Klassiker aus dem regel zu holen oder aus der Videothek zu leihen und sein Filmwissen um die wahren Perlen zu bereichern! Gesehen habe ich nur "Wie beim ersten Mal" und der war grundsolide. Tat nicht weh, aber auch keine Offenbarung, wobei Streep gut und LeeJones sogar ziemlich gut war. Solche Rollen stehen ihm einfach! Glaube habe solide 6,5/10 gegeben als er rauskam, müsste ich mal im Archiv kramen! ^^