Fack ju Göhte

Fack Ju Göhte 2

Zekis Welt ist die schiefe Bahn, der Tabledance-Club und die klare Ansage. Dafür benutzt der Mann den vor Beleidigungen strotzenden Slang, den man aus TV-Sendungen über Jugendliche aus sozialen Brennpunkten kennt. Dieser Typ bewirbt sich nun als Hausmeister an eine Schule, um einen unterirdischen Tunnel zu graben, um an ein Geldversteck heranzukommen, dass eine grenzdebile Freundin von ihm auf einer Baustelle vergraben hat, auf der nun eine Turnhalle errichtet wurde, und trifft nun auf die unsichere Bilderbuchpädagogin Lisi Schnabelstedt, die sich nach einem Mann sehnt. Die allmähliche romantische Annäherung findet über einen ständigen verbalen Krieg statt, wobei Karoline Herfurth und Elyas M’Barek ihre Rollen mit einer unwiderstehlichen Mischung aus Ironie und Sympathie verkörpern… Herfurth hat schon besser gespielt zugegeben, aber insgesamt stimmt das Gesamtbild zwischen den beiden, auch wenn die Liebesgeschichte der Beiden unnötig ist. Der Film hat überraschend guten Wortwitz und ist kurzweilig und wirkt trotz Überzeichnung realitätsnah.

Die Schüler lassen ihre Pädagogen gnadenlos auflaufen, dass selbst die Hartgesottesten Klasse 10 b meiden und lieber aus dem Fenster springen (Uschi Glas mit neuer Nase, herrlich suizidgefährdet). Zeki scheitert zunächst selbst an dem chaotischen Haufen, konfrontiert die Klasse dann mit einem Lehrer, der sich den Regeln ebenfalls verweigert und schafft so langsam aber sicher die Klasse emotional zu knacken. Selbst die krassesten Ausfälle, die sich Herr Müller leistet, wirken in der flippigen Atmosphäre dieser Komödie nicht komplett unglaubwürdig. Hinter seiner aggressiv-abweisenden Fassade verstecken sich eine soziale Ader und sogar Bildungshunger. In den meisten Figuren steckt viel Realitätsgehalt, gerade weil sie nicht eindimensional sind. Besonders gut getroffen ist auch die von Katja Riemann lebendig und drahtig gespielte Direktorin und die Problem-Schülerin Chantal spielt ihre Klischeerolle mit viel Hingabe und hat das Herz am rechten Fleck. Am herausragendsten agiert allerdings Jana Pallaske als Zekis Freundin, die als Stripperin in einem Nachtclub arbeitet. Ihr Comedy-Timing ist hervorragend und in den stillen Momenten schafft sie es ihrer Figur ein Profil zu geben.

Fazit: Die köstlich unkorrekte Komödie “Fack ju Göhte” lässt das bildungsferne Milieu und die Pädagogenwelt aufeinanderprallen: Treffsicherer Dialogwitz, gut aufgelegte Schauspieler, handwerklich solide und ein Schuss Romantik sorgen für kurzweiliges Kinovergnügen. Kein Meilenstein, nichts Neues, aber bei weitem lustiger als erwartet. Kann man schauen. Kritisch betrachtet kann man natürlich auch einige Minuspunkte finden, wie zum Beispiel den gezeigten Umgang mit illegalen Substanzen, aber nach all den unwitzigen deutschen Komödien in diesem Jahr, will ich mal nicht so streng sein, schließlich hab ich gelacht und musste in einigen Szenen auch eine Träne wegdrücken! 😉

RO 2013 - 112 Minuten  Regie: Călin Peter Netzer mit: Luminița Gheorghiu, Bogdan Dumitrache, Natasa Raab, Florin Zamfirescu Genre: Familiendrama
RO 2013 – 119 Minuten
Regie: Bora Dagtekin
mit: Elyas M´Barek, Karoline Herfurth, Katja Rieman, Jana Pallaske
Genre: Komödie

 

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  • Dennis

    Man mag fast meinen, dass, trotz deiner vielen positiven Worte, du dich gar nicht so richtig traust den Film eine etwas positivere Wertung zu geben 😉 Für das ganze Lob ist ne 6,5 ja schon ein bisschen niedrig angesiedelt, oder?

    Hab ihn am Wochenende auch gesehen und war eigentlich positiv überrascht. "Fack ju Göhte" ist natürlich kein anspruchsvolles Arthousekino, aber das muss es ja hoffentlich auch nicht immer sein! Ich war, trotz vieler Klischees und der vorhersehbaren Handlung, bestens unterhalten. Fand auch Karoline Herfurth darstellerisch spitze und eigentlich am besten, da sie hier auch mal zeigen kann, dass sie facettenreicher ist, als es ihre bisher vorwiegend dramatischen Rollen zugelassen haben. Die Frau KANN Comedy. Viele Figuren, auch ihre, sind ja vorwiegend Karikaturen, was die überspitzte Darstellung durchaus rechtfertigt. Ich finde sie hat da noch die beste Balance geschaffen. Mir hat der Film jedenfalls sehr viel Spaß gemacht und ich habe wohl bis zum Ende hin gut durchgelacht. Das ist echt selten für deutsches Kino, zumal ich "Türkisch für Anfänger", der Vorgänger des Regisseurs, nahezu unerträglich fand. Negativ ist dem Film aber ein bisschen das Zusammenspiel von Schnitt, Regie und Musik anzulasten. Die Wechselwirkung dieser Elemente wirkte oftmals sehr cartoonartig, was ich als unnötig empfand, da man so versucht hat, die sowieso schon witzigen Momente des Films zu überspitzen. Schnelle Schnitte kombiniert mit Situationsbezogenen Musiktönen gehören für mich aber nicht in einen Kinofilm, sondern in eine Zeichentrickserie und finde ich meist albern. Wenn man sich aber dran gewöhnt hat, kann man es ignorieren und sich auf das temporeiche mit reichlich Dialogwitz gepfefferte Drehbuch einlassen. Ich würde so zu einer 7 – 7,5 tendieren.

  • Patrick

    Ich gebe zu, ich habe mich nicht getraut. ich wollte auch 7/10 geben, vor allem weil das Genre kein Leichtes ist, aber wenn ich vergleiche wie hart ich bei dem guten Prisoners 7,5/10 oder Breaking Bad – Staffel 3 8/10 (die davor waren höher) am Ende gewertet habe, dann sind die 6,5/10 eigentlich ganz gut gerechtfertigt. Tribute von Panem 2 muss ich dann ja unter Göhte ansiedeln, dass ist hart! ;-(

  • Dennis

    Du solltest das alles aber auch nicht immer miteinander vergleichen, sondern lieber genrespezifisch werten. "Prisoners" mit "FJG" zu vergleichen macht doch wenig Sinn, oder?

  • Heiko

    Habe ihn mittlerweile auch gesehen. Kann mich nur anschließen, für mich die beste deutsche Komödie seit Jahren, sogar noch besser als "What a Man" (den ich schon toll fand).
    Für mich glatte 8/10 🙂