Don Jon

DonJon2Bei Joseph Gordon-Levitt handelt es sich wohl um ein Prachtexemplar, wenn man nach einem Schauspieler sucht, der seine Karriere so klug geplant hat, wie er. Nachdem er bereits als 6-jähriger schon vor der Kamera stand, durfte Gordon-Levitt in den Jahren darauf in diversen lukrativen Produktionen glänzen, unter anderem auch in der Hit-Serie “Hinterm Mond gleich links (1996-2001)” oder der erfolgreichen Teenie-Komödie “10 Dinge, die ich an dir hasse (1999)”. Anstatt mit Drogenabstürzen oder Skandalen von sich Reden zu machen, wie es viele seiner jungen Schauspielerkollegen normalerweise tun, hat sich der junge Herr Anfang der 2000er eine kleine Auszeit von der Schauspielerei genommen, an der Columbia University studiert und seine Schauspielkarriere neu ausgelegt. Von da an hat er sich mehr in dramatischen Independent-Filmen gezeigt, wie “Mysterious Skin (2004)” oder “Die Regeln der Gewalt (2007)”, bis er letztendlich mit Filmen wie “Inception (2010)”, “The Dark Knight Rises (2012)” oder “Looper (2012)” zum Blockbuster-Magneten avancierte.

Auf einem stationären Höhepunkt seiner Schauspielkarriere angekommen, ruht sich JGL aber nicht auf seinem Ruhm aus, sondern erfindet sich stattdessen neu: Bei seinem Regiedebut “Don Jon”, übernahm er nicht nur das Inszenierungszepter, sondern schrieb auch das Drehbuch und übernahm die Hauptrolle – etwas, das sich nicht mal Ben Affleck bei seinem Erstlingswerk getraut hat.

“Don Jon” erzählt die Geschichte von Jon (Jospeh Gordon-Levitt), ein junger Kerl aus New Jersey, der sein Leben seiner Familie, seinen Freunden, seiner Kirche, seinem Körper und seinen Pornos verschrieben hat. Letztere nehmen einen großen Raum im Alltag von Jon ein und vermitteln ihm unrealistische Vorstellungen von Beziehungen und Sex, welcher für ihn nie ganz befriedigend ist, wenn er in der Bar ein Mädchen aufreisst. Ein Porno-Clip ist für ihn immer die bessere Wahl. Als Jon jedoch eines Tages Barbara (wunderbar assi: Scarlett Johansson) kennenlernt, ändert er seine Meinung. Dank klischeeüberladener Hollywoodromanzen, hat diese eine genaue Vorstellung davon, wie der perfekte Mann zu sein hat und versucht Jon nach ihren Vorstellungen umzukrempeln. Blind vor Liebe, da er denkt in Barbara die Frau fürs Leben gefunden zu haben, beugt er sich all ihren Kommandos und tanzt nach ihrer Pfeife. Von seinen Pornos kann Jon aber trotzdem nicht ganz ablassen. In der Abendschule, die ihm Barbara aufgezwungen hat, trifft Jon auf Esther (Julianne Moore). Anfangs steht er der sehr aufgeschlossenen Art der reiferen Frau sehr skeptisch gegenüber. Doch Jon erkennt, dass Esther ihn und seine Zwänge zu verstehen scheint. Sie ist es auch, die die richtigen Worte findet um sein Leben auf die “richtige” Bahn zu lenken, damit er neue Erfahrungen machen kann…

Ich finde es vorweg fantastisch, dass sich ein Künstler wie Jospeh Gordon-Levitt neu ausprobiert. Ich bin immer ein Fan davon, wenn Schauspieler ihre Fähigkeiten im Filmemachen erweitern. Ben Affleck ist ein hervorragendes Beispiel und Weltstars wie Kevin Costner oder Mel Gibson halten ihre Oscars heute nicht für ihre schauspielerischen Fähigkeiten in den Händen.

“Don Jon” ist zum einen eine ungewöhnliche Beziehungskomödie, die nicht nur bewusst die bekannten Hollywood-Klischees des Genres auslässt, sondern diese auch gleichzeitig auf die Schippe nimmt. Der Film charakterisiert im Fokus aber einen jungen Mann als gesellschaftlichen Egoisten, der sich und seinem Glück selbst im Weg steht. Alles was er macht, ist selbstbezogen – Jon ist kein Teamplayer. Ein Merkmal, das sich in vielen kleinen Szenen, die sich immer wiederholen und leicht verändern, bemerkbar macht. Ein bisschen ist es sogar wie bei Platos Höhlengleichnis: Jon kann sein Glück gar nicht finden, wenn er nicht weiß, dass oder wie er es suchen soll. Er weiß nicht, dass er was falsch macht und braucht, wie wir alle, jemanden der ihn führt und ihm zeigt, dass da noch mehr ist gegenüber dem was wir täglich tun und kennen. Das ist eine nette Grundidee, aber hier leider nicht immer ganz spannend erzählt, da der Film sich zu sehr darauf versteift, die vielen kleinen Situationen zu wiederholen, um deren zuvor erwähnten Veränderungen aufzuzeigen. Wahrscheinlich ist das aber auch der einzige Weg wie der Film funktionieren kann, um es nicht nur dem Zuschauer genau zu veranschaulichen, sondern auch um aufzuzeigen, dass sich Jon in einem Teufelskreis bewegt ohne es zu merken.

Auf einer weiteren Ebene funktioniert der Film auf humoristische Weise auch als Mediensatire und zeigt uns, wie die Übermacht und die Ausreizung von medialen Eindrücken unser Bewusstsein, unseren Lebensstil und unsere Vorstellungen vom Leben beeinflussen und notgedrungen steuern. Dies wird in vielen kleinen Szenen deutlich, wobei eine Sequenz am Esstisch der Familie, in der nebenbei eine TV-Werbung für Hamburger läuft, zu meinen persönlichen Highlights zählt.

Trotz der Schwäche in der Erzählstruktur, ist der Film gespickt mit viel Wortwitz, schrägen Figuren, Situationskomik und gewinnt am Ende sogar noch ein bisschen an Tiefe, wobei ideologische Fragen aufgeworfen werden, die sich gegen den Stillstand in unserem Leben wehren. Die Darsteller füllen ihre Rollen alle fantastisch aus – vor allem Scarlett Johansson als Kaugummi-knatschende Sexbombe und Tony Danza als Jons Italo-amerikanischer Proll-Vater brillieren in all ihren Szenen.

Abseits der wiederholten Szenerien des Films, die vorwiegend als Mittel zum Zweck fungieren, hätte ihm vielleicht noch ein bisschen mehr Story gut getan. 30 Minuten mehr, die sich mehr so anfühlen, wie das Ende der Geschichte, und “Don Jon” hätte ein richtiger Geniestreich mit Oscarchancen sein können. Dafür bleibt er in seinen ersten 70 Minuten aber leider zu sehr im Comedygenre hängen. Dennoch will ich JGL sein Talent als Filmemacher nicht absprechen, denn mit seinem Erstlingswerk hat er doch ein sehr solides Regiedebüt abgeliefert. Inszeniert war das Drehbuch 1A und vor allem das Zusammenspiel von Schnitt und Sound war der absoluter Hammer und eine der großen Stärken des Films. Das ist eine gute Grundlage für die Zukunft von JGL hinter der Kamera und ich bin sehr gespannt, was da als nächstes kommen wird. Guter Kerl!

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  • aaah – endlich! Wir haben wieder einen Film, bei dem wir nicht der selben Meinung sind ;)) so sehr ich JGL schauspielerisch auch mag, sein Regie-Drehbuch-Erstlingswerk "Don Jon" kam bei mir nicht so gut an. Natürlich, die komödiantischen Teile waren gut und wohl jeder Mann hat sich in die ein oder andere Situation hineinversetzen können, dennoch mag ich es nicht, wenn ein Film versucht, mehrgleisig zu fahren, ohne dabei wirklich ans Ziel zu kommen. Der Anfang mit seiner Komik war genial, doch der Versuch zwischendurch immer eine Art Tiefgang oder einen Hauch von Dramatik reinzubringen, ist bei mir gescheitert.
    30 Minuten länger, wie du es gerne gehabt hättest und ich wäre wohl frühzeitig aus dem Kino gegangen. Schauspielerisch gibts relativ wenig auszusetzen aber auch nicht wirklich hervorzustechen. Lediglich Johansson punktet als nervige Sexbombe aber auch Danza als typischer Italo-Vater. Bei letzterem bin ich aber wohl einfach froh, ihn mal wieder zu sehen. Zu lang ist "Wer ist hier der Boss" wohl schon her. Genervt war ich, überraschenderweise, ein wenig von Julianne Moore, liegt aber wohl auch großteils an der Rolle.
    Maximal 6/10 von meiner Seite.

  • Dennis

    Finde gar nicht mal, dass unsere Meinungen so sehr auseinander gehen. Denk doch bitte mal an deine 8 und meine 1 zu "Man of Steel" – DAS waren unterschiedliche Ansichten. 😉

    Finde sogar, dass wir beide die selben Kritikpunkte haben. Ich sehe es ja ähnlich, dass das dramatische nicht so recht funktionieren will. Deshalb erhoffte ich mir durch die 30 Minuten extra auch etwas, was den Film diesbezüglich etwas in die Waage bringt und nicht mit noch mehr Sex-Comedy aufwartet. 30 Minuten mehr könnten anders genutzt aber ebenso gut in die Hose gehen – da gebe ich dir recht. Ich finde letztendlich die Idee super, aber das Potential nicht vollkommen ausgeschöpft. Ich war dennoch weitestgehend gut unterhalten und fand viele Ansätze auch schön dargestellt. Und was die Darsteller betrifft sind wir uns wohl auch einig. Julianne Moore habe ich ja unerwähnt gelassen. 😉

    Eine Abweichung von 1,5 bei uns beiden, wobei ich mehr zu einer 7 als zu einer 8 tendiere, erachte ich also gar mal nicht als sooo unterschiedlich….

    • okay okay – jetzt wo du es sagst, klingt es eigentlich wirklich nicht soo daneben. Vor allem wenn man es mit "Man of Steel" vergleicht :DD

      • Patrick

        Schaue ich mir auch noch an und bin froh hier keinen Verriss zu lesen. Dieses Jahr sind Dennis und ich fast immer auf einer Wellenlänge, auch bei denselben Kritikpunkten, siehe Man of Steel (sorry, aber echt Gurke Hoch 10), Place beyond the Pines (die Tendenz war dieselbe), aber auch bei Huck Ju Göhte, etc.
        Nun werde ich ihn mir die Tage noch geben und mich hoffentlich auch hier einordnen.

  • Patrick

    So gesagt getan, sprich gesehen! 😉 Und ich muss sagen im Grunde ein netter Film, dessen mediensatirische Züge mir sehr gut gefallen hat, ebenso Johansson, doch zum Ende hin geht dem Film ein wenig die Luft aus. Thematisch interessant, nur von der Tiefe nicht ganz so überzeugend wie "Shame" vor ein paar Jahren, aber für ein Debüt sehenswert. 6,5/10.