
Ein Luxusresort auf einer hawaiianischen Insel. Auf der einen Seite die oberflächlichen, reichen Gäste, auf der anderen die gewöhnlichen Mitarbeiter des Resorts. Bei den Neuvermählten Patton (Jake Lacy) und Rachel (Alexandra Daddario), wird der Kontrast zwischen Arm und Reich zunächst in einem vielsagenden Kontrast deutlich. Während der aus einer reichen Familie stammende Patton in einen Kreuzzug um ein größeres Hotelzimmer zieht, anstatt den Urlaub mit der Frau im Paradies zu genießen, kann dessen, aus ärmlichen Verhältnissen stammende Gattin diese Einstellung keineswegs nachvollziehen. Auch die Jugend bekommt ihr Fett weg. Der Sohn des Ehepaars Nicole (Connie Britton) und Mark (Steve Zahn) ist lieber im dunklen Zimmer am Nintendo Switch spielen, als das Paradies wertzuschätzen, während sich die arrogante Tochter Olivia (Sydney Sweeney) und deren Freundin Paula (Brittany O’Grady) mit zig verschiedenen Substanzen aus der Realität verabschieden, um ihrem monoton-privilegierten Leben zu entfliehen…
White Lotus macht keinen Hehl daraus, was dem Zuschauer hier aufgezeigt werden soll. Die reichen und privilegierten Hotelbesucher, können weder den Luxus des Resorts noch die atemberaubende Kulisse Hawaiis genießen und kreieren allesamt lieber Scheinprobleme, als dankbar für deren angenehmes Leben zu sein und dieses wertzuschätzen. Der Kniff, keinen dieser Gäste als echte Bösewichte darzustellen, sondern lediglich in ihrer Scheinheiligkeit zu offenbaren, gelingt dabei hervorragend.

Der gesamte Cast, sowie die Kameraarbeit können überzeugen und auf beiden Seiten des Spektrums nimmt man jedem seine Rolle ab. Insbesondere Jennifer Coolidge, die wohl den meisten Zuschauern als Stiftlers Mom in Erinnerung geblieben sein dürfte, spielt als reiche, etwas nervige Alkoholikern groß auf. Dass der Zuschauer keinerlei Beziehung zu den Gästen aufgebaut, dürfte exakt so gewollt sein, denn diese sind lediglich oberflächliche Hüllen, die mit ihren teils abstoßenden, oberflächlichen Persönlichkeiten bestimmte Klischees schonungslos offenlegen sollen. Das Pacing ist für eine lediglich sechsteilige Miniserie gerade zu Beginn äußerst gemächlich und trotz einer Lauflänge von knapp 60 Minuten braucht es zumindest zwei Folgen, um Interesse jenseits der schönen Landschaft und oberflächlichen Charaktere zu erzeugen. Der Kniff, den Todesfall, der in den ersten beiden Folgen noch gar keine Rolle spielt, direkt in der Eröffnungsszene zu offenbaren ist alles andere als neu, verleitet aber glücklicherweise zum Dranbleiben über die erste Folge hinaus.
Die Bloßstellung der privilegierten Oberschicht in White Lotus, ist wie ein Unfall zweier Supersportwagen, bei dem einfach nicht weggeschaut werden kann. Dabei schafft es die Serie eine gewisse Balance zu halten und nicht ins Lächerliche abzurutschen. Wer sich vom langsamen Erzähltempo und dem karikativen Ensemble nicht abschrecken lässt, dürfte bestens unterhalten werden.
Folgen-/Wertungsübersicht
- Die Ankunft (7,5/10)
- Ein neuer Tag (7,0/10)
- Wir sind nur Affen (7,0/10)
- Rückbesinnung (8,0/10)
- Die Lotusesser (8,0/10)
- Abreise (8,0/10)
[Gesamt: 7,6/10]

Regie: Mike White
Genre: Comedy/ Drama
Darsteller: Murray Bartlett, Jennifer Coolidge, Connie Britton, Sidney Sweeney, Natasha Rothwell, Alexandra Daddario, Jake Lacy, Steve Zahn, Jon Gries

THE WHITE LOTUS: SICILY
Nachdem die erste Staffel der Mini-Serie The white Lotus überraschend zum Publikums- als auch Kritikererfolg avancierte und unter anderem mit satten 10 Emmys ausgezeichnet wurde, wurde der Schrei einer zweiten Staffel laut. Da die Handlung am Ende von Staffel eins abgeschlossen war, entschlossen sich die Serienmacher, „The White Lotus“ als Anthologie-Serie weiterzuführen. Statt auf der Pazifik-Insel Hawaii spielt Ausgabe zwei nun an einem komplett neuen Schauplatz, einem anderen Urlaubsresort der fiktiven White-Lotus-Kette auf der italienischen Mittelmeer-Insel Sizilien. Auch das Schauspiel-Ensemble wurde für die neuen Episoden – mit nur zwei Ausnahmen – komplett ausgetauscht.
Während es in der ersten „The White Lotus“-Staffel thematisch um die Kluft zwischen Arm und Reich sowie die koloniale Geschichte des Inselstaats Hawaii ging, stehen in Staffel zwei die Themen Sex und Eifersucht im Mittelpunkt. Die frisch gebackene Emmy-Preisträgerin Jennifer Coolidge wird auch in den neuen Episoden die wohlhabende, labile, sich nach Liebe sehnende Tanya McQuoid-Hunt verkörpern. Sie hat mittlerweile Greg (Jon Gries) geheiratet, ihre Urlaubsbekanntschaft aus Staffel eins. Gemeinsam mit ihrer neuen Assistentin Portia (Haley Lu Richardson) und ihrem frisch angetrauten Ehemann besucht sie nun Sizilien. Das dortige White Lotus Resort wird geleitet von der Italienerin Valentina (Sabrina Impacciatore), einer leidenschaftlichen, engagierten Hotel-Managerin, die von ihrem Team Perfektion erwartet.

Zu den ganz neuen Gästen aus Staffel zwei gehört der Hollywood-Produzent Dominic Di Grasso, gespielt von „Sopranos“-Star Michael Imperioli. Er reist mit seinem Sohn Albie (Adam DiMarco) und seinem altmodischen Vater Bert (Oscarpreisträger F. Murray Abraham) an, der überholten Männlichkeitsidealen nachhängt.
Eine weitere Gästegruppe bilden die befreundeten Ehepaare Ethan (Will Sharpe) und Harper (Aubrey Plaza) sowie Cameron (Theo James) und Daphne (Meghann Fahy). Cameron Babcock ist ein überaus erfolgreicher Geschäftsmann und ein echter Alpha-Typ, der sich stets beweisen muss. Sein College-Freund Ethan ist indes erst vor Kurzem durch den Verkauf seiner Firma wohlhabend geworden. Komplettiert wird das Ensemble der zweiten „The White Lotus“-Staffel vom britischen Darsteller Tom Hollander, der den enigmatischen Hotelgast Quentin verkörpert. Die beiden attraktiven Sizilianerinnen Lucia (Simona Tabasco) und Mia (Beatrice Grannò) statten dem Luxusresort mit der Absicht Besuche ab, Kontakt zu den gut betuchten Gästen aufzunehmen.

Wie auch schon in der ersten Staffel überzeugt die musikalische Untermalung von Cristobal Tapia de Veer, die er mit Klängen einer italienischen Oper ergänzt, sowie die großartigen Kameraeinstellungen. Wieder einmal liefert The white Lotus eine vernichtende Klassensatire, einen stark aufspielenden Cast und einen Krimi im Paradies, in dem es dieses Mal sogar mehrere Leichen zu vermelden gibt. Alles in Staffel 2 fühlt sich wie ein Upgrade von Staffel 1 an. So idyllisch Hawaii auch war, Siziliens Schauplätze fühlen sich wie eine goldene Träumerei im Himmel an. Gästeausflüge gehen über das Tauchen hinaus und umfassen jetzt Jet-Ski, Segeln und Übernachtungen in einer palastartigen Villa. Jennifer Coolidge erkundet dieses Mal nicht nur Tanyas urkomischen Mangel an Selbstbewusstsein, sondern auch den Kummer, der ihre verwöhnte Erbin heimsucht. Zu den Schlüsselsequenzen für Tanya gehören eine hysterische Vespa-Fahrt, ein Ausflug in die Oper und ihre schrecklich angespannte Beziehung mit der neuen Assistentin Portia (Haley Lu Richardson).
Das Wichtigste ist aber, dass die Charaktere vielschichtiger und nuancierter sind als die aus der 1. Staffel. Zur Komödie und zum Drama tragen zwei reiche tausendjährige Paare bei, die (widerwillig) zusammen Urlaub machen. New-Money-Tech-Bruder Ethan (Will Sharpe) und seine selbstgemachte, ethisch aufrichtige Frau Harper (brillant: Aubrey Plaza) stellen fest, dass sie ihre eigene Beziehung mit dem bilderbuchhaften reichen Jungen Cameron (Theo James) und der Trophäenfrau Daphne (Meghann Fahy) messen. Natürlich, denn dies ist The White Lotus, niemand im Quartett ist notwendigerweise genau das, was er an der Oberfläche zu sein scheint. Das hat auch schon Staffel 1 ausgezeichnet, aber wird hier noch auf die Spitze getrieben und mündet in ein grandioses Finale, welches nicht nur dem Finale der ersten Staffel ebenbürtig ist, sondern noch übertrifft. Großartig!
Folgen-/Wertungsübersicht
- Ciao (7,5/10)
- Der italienische Traum (8,0/10)
- Elefantenbullen (8,0/10)
- Im Sandkasten (8,5/10)
- Das ist Liebe (9,0/10)
- Entführt (8,5/10)
- Arrividerci (9,0/10)
[Gesamt: 8,4/10]
