Silver Lining Critics: März 2013 -1-

Premium Rush

Michael Shannon: God of Crazy Motherfuckers!

David Koepp (der unter anderem Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels, Krieg der Welten, Spider-Man und Jurassic Park schrieb), liefert mit Premium Rush einen überraschend soliden und kurzweiligen Bike-Thriller ab. Joseph Gordon-Levitt strampelt sich die Seele aus dem Leib und abermals ist es der grandiose Michael Shannon der alle an die Wand spielt. Über die Story sollte man sich keinen großen Kopf machen: Irgendwas muss per Fahrad-Kurier von A nach B und am Ende dreht sich alles um chinesische Menschenhändler. Ist aber auch egal! Denn die Story ist absolut nebensächlich, wenn man sich nur auf die Bike-Szenen einlässt! Furioser hat man selten Bikes durch New York heißen sehen und was bekommt man das Gefühl, als ob Koepp unbedingt seinen eigenen Beitrag zum Fast and Furios-Franchise beisteuern wollte; nur halt ohne fette, aufgemotze Autos, sondern mit Bikes. Im Endeffekt ein gelungener, rasanter kleiner Film der für das was sein möchte, wunderbar funktioniert.

USA – 2012 – 1 Std. 31 Min.
Regie: David Koepp
mit Joseph Gordon-Levitt, Michael Shannon und Dania Ramirez
Genre: Action , Thriller

On the Road – Unterwegs (OT: On the Road)

Noch sind sie angezogen!

Im Grunde war ich ähnlich enttäuscht wie bei Rum Diary: Mich machte das reine Setting und die Story unglaublich neugierig und schon wieder konnte der Film den Erwartungen nicht ganz gerecht werden. Aber woran lag es? Der Film ist mit seinen 140 Minuten viel zu lang und Walter Salles und sein Drehbuchautor Jose Rivera hätten sich und den Zuschauern einen Gefallen getan, hätten sie sich auf nicht ganz zu viele Nebenkriegsschauplätze rumgetrieben und den Film um 20 bis 30 Minuten kürzer gehalten. Aber das Problem hatte Salles ja schon mit dem ähnlich gelagerten Die Reise des jungen Che. Denn auf der anderen Seite überzeugt der Film mit einer grandiosen Kameraarbeit und auch der große Cast macht seine Sache gut: Garrett Hedlund und Sam Riley überzeugen als Verkörperung der Autoren Neal Cassady und Jack Kerouac und auch (oder vor allem) Kristen Stewart kann man wieder unter Beweis stellen, warum sie in solchen Indie-Filmen besser aufgehoben ist als im Mainstream-Kino. Abgerundet wird das ganze mit mehr oder weniger Kurzauftritten von Amy Adams, Elisabeth Moss, Kirsten Dunst und einem nackten Viggo Mortensen. Ebenfalls positiv erwähnen möchte ich Tom Sturridge, der ein Alter-Ego von Allen Ginsberg spielt. Am Ende scheitert der Film daran, dass er zu viel wollte und zu lange dauert. Hätte man sich auf eine Hauptstory geeinigt, wäre es mehr gewesen als das jetzige Scheitern auf hohem Niveu.

Frankreich, USA, Großbritannien – 2012 – 2 Std. 20 Min.
Regie: Walter Salles
mit Garrett Hedlund, Sam Riley und Kristen Stewart
Genre: Drama

Sushi Girl

Look kids, it’s Mark Hamill!

Abermals habe ich es mit einem Tarantino-Rip-Off zu tun: Typ kommt aus dem Knast und wird von seiner alten Bande durch die Mangel genommen, damit er verrät, wo die Baute ist. Überraschenderweise funktioniert das ganze bei Sushi Girl erschreckend gut. Das liegt in erstern Linie am sehr überschaubaren Cast: Noah Hathaway wird gefoltert, Tony Todd gibt den brutalen Boss, Andy Mackenzie den etwas bescheurten Biker und James Duval den prototypischen Mitläufer. Aber den Vogel schießt – ähnlich wie bei seinem Cameo in Jay und Silent Bob schlagen zurück – Mark Hamill ab: Sein Crow ist der eindrucksvolle Beweis, dass Hamil ein verdammt guter Film-Joker abgegeben hätte, anstatt ihm nur seine Stimme zu geben. In kurzen Cameo-Auftritten werden die Genre-Größe Sonny Chiba und Danny Trejo verbraten, wobei ich bei der Szene mit Danny Trejo echt lachen musste, weil das schon sehr Meta war. Das titelgebene Sushi Girl wird dabei von Cortney Palm verkörpert und hat vor allem am Schluss doch mehr zu tun, als nur schick auf dem Tisch zu legen, denn der Genre-typische Twist ist dann doch ein wenig überraschend. Der Titel und die Besetzung ist vielleicht ein wenig zu sehr auf kultig gebürstet, aber ist Sushi Girl doch ein gelungener kleiner Film.

USA – 2012 – 1 Std. 35 Min.
Regie: Kern Saxton
mit Tony Todd, Noah Hathaway und James Duval
Genre: Krimi, Thriller

Agent Hamilton 2 – In persönlicher Mission (OT: Hamilton 2: Men inte om det gäller din dotter)

“Gib mir meine Tochter zurück!” – “Okay, Liam!” – “Wer ist Liam? Mein Name ist Mikael!”

Das alte 96 Hours-Syndrom macht auch bei Agent Hamilton 2 – In persönlicher Mission nicht Halt: Im Vergleich zum erstklassigen Vorgänger stinkt er einfach ab. War Agent Hamilton – Im Interesse der Nation noch ein erstklassiger Thriller und Mikael Persbrandt die schwedische Antwort auf Daniel Craig, wirft man jetzt alles über Bord was beim errsten Film noch Spaß gemacht hat: Weil es wohl gerade IN ist, wandert man auf den gewohnten 96 Hours-Pfaden, die Tochter von Hamilton wird entführt, er holt sie zurück, Ende! Das ganze wird von Tobias Falk zwar solide in Szene gesetzt, ist aber im Endeffekt so langweilig wie der Sonntagmittags-Kuchen bei Oma; okay war ein schlechtes Beispiel weil ich meine Oma liebe, aber ich hoffe es ist klar was ich damit sagen möchte. Der Pfeffer und der Pep aus dem ersten Film ist vollständig verflogen und das ganze gipfelt in der Stürmung der Burg der Bösewichte in der guten alten Ego-Shooter-Sicht! Das darf doch nicht wahr sein! Ich hoffe, dass man sich – ähnlich bei bei Bond, wo der zweite auch nicht berauschend war – für den dritten Film Hamilton 3: I hennes majestäts tjänst wieder auf die Stärken des ersten Films besinnt und einen knallharten Thriller mit einem wunderbar charismatischen Mikael Persbrandt serviert.

Schweden – 2012 – 1 Std. 30 Min.
Regie: Tobias Falk
mit Mikael Persbrandt, Saba Mubarak, Frida Hallgren
Genre: Action, Thriller

Resident Evil 5: Retribution

Hier sehen wir den einzigen Grund den Film zu sehen: Die erste Szene!

Ich möchte es mal so ausdrücken: Mit dem angekündigten Ende seiner Trilogie – Resident Evil 6 – hoffe ich, dass Paul W.S. Anderson sich endlich anderen Filmprojekten zuwendet und die Marke Resident Evil anderen Filmemachern überlässt. Denn gerade seine beiden Filme (Resident Evil: Genesis und Resident Evil: Afterlife) gehörten für mich zu den schwächsten Filmen; bei Resident Evil: Apocalypse führte Alexander Witt Regie, bei Resident Evil: Extinction war es Russell Mulcahy und die waren um Längen besser als die Beiträge von Paul W.S. Anderson. Schon von Resident Evil: Apocalypse war ich etwas enttäuscht, aber wenigstens die Szenen rund um das Hochsicherheitsgefängnis konnten mich ein wenig unterhalten. Resident Evil: Retribution scheitert aber dieses Mal auf der ganzen Linie: Die Figuren gehen einem am Arsch vorbei, es wird pausenlos rumgeballert, die Effekte sehen teilweise noch beschissener aus als im ersten Film und am Ende stehen alle auf dem Dach vom Weißen Haus, umzingelt von Zombiemassen und mein erstern Gedanke ist: Geil! Was freue ich mich auf den nächsten Teil, der kann ja nur besser werden! FUCK – YOU – PAUL – W.S. – ANDERSON!

Kanada, Deutschland – 2012 – 1 Std. 37 Min.
Regie: Paul W.S. Anderson
mit Milla Jovovich, Michelle Rodriguez und Kevin Durand
Genre: Action, Horror, Sci-Fi

Das Schwergewicht (OT: Here Comes the Boom)

Dir werde ich dein Lachen schon rausprügeln, Freundchen!

Mit den Filmen von Kevin James stand ich eigentlich schon immer auf Kriegsfuß: Der Kaufhaus Cop war blöd, Kindsköpfe ein Haufen Scheiße direkt aus der Hölle, Dickste Freunde eine einzige Frechheit (WARUM RON? WARUM?) und Der Zoowärter habe ich nach kurzer Zeit ausgemacht. Bei Das Schwergewicht hatte ich mich auf einen weiteren dummen Kevin James-Film eingestellt; ein weiterer laufender Gag und eine Parodie auf den grandiosen Warrior. Und was soll ich sagen: Ich wurde überrascht. Natürlich ist der Film noch immer eine Komödie, aber Kevin James macht eine erschreckend gute Figur im Mixed Martial Arts-Ring und auch die Kämpfe sind weit von Slapstick entfernt, sondern ähnlich mit einem ähnlichen Anspruch von Realismus wie bei Warrior. Here Comes the Boom ist damit tatsächlich der bis jetzt beste Film mit Kevin James und irgendwie würde ich es doch mal spannend finden, ihn in einem Drama zu sehen. Oder zumindest in einer ähnlich soliden und guten Komödie wie dieser.

USA – 2012 – 1 Std. 45 Min.
Regie: Frank Coraci
mit Kevin James, Salma Hayek und Henry Winkler
Genre: Komödie, Action

Robot & Frank

“Okay Robot: Und jetzt gibt mir die Wichs-Lotion!”

Mit seinem Debüt Robot & Frank erzählt Jake Schreier die herzzerreißende Zukunfts-Geschichte vom alten griesgrämigen Frank (Frank Langella)und einem Roboter mit dem simplen Namen Robot, den Frank von seinem Sohn aufgedrückt bekommen hat, da Frank erste Anzeichen von Demenz zeigt. Robot ist dabei eine Mischung aus Nummer 8 und Wall-E und mit der wunderbaren Stimme von Peter Sarsgaard (in der deutschen Syncro nicht weniger Wunderbar: Alexander Doering) schließt man den kleinen Kerl schnell in sein Herz. Vor allem in den Dialogen zwischen dem ehemaligen Einbrecher Frank – der noch immer gerne Sachen mitgehen lässt – und Robot zeigt sich die ganze Brillianz des Films: Manchmal lustig und manchmal auch sehr ernst, aber immer mit diesem Funken Verschmitzheit und Witz spielen sich der alte Mann und sein rollender Kamerad die Bälle zu und es hätte niemand besseres in die Rolle des alten Griesgram gepasst außer Frank Langella. Er wäre sicherlich auch die Traumbesetzung in einer Realverfilmung von Oben. Was den Film aber auch auszeichnet, ist sein Umgang mit dem Thema Demenz und das zeigt sich vor allem gegen Ende, wenn die Story dann doch zu einem kleinen Kniff ausholt. Susan Sarandon, James Marsden und Liv Tyler harmonieren in ihren Szenen mit Langella, aber der absolute Dealbreaker ist und bleibt die kleine rolle Blechbüchse mit dem großen Herz und einer noch größeren Portion Charme.

USA – 2012 – 1 Std. 30 Min.
Regie: Jake Schreier
mit Frank Langella, Susan Sarandon und James Marsden
Genre: Komödie, Drama, Sci-Fi

360

Okay Jude: Jetzt bloß nicht umdrehen! Hinter dir stehe der Bleibtreu! Renn! Renn einfach nur!

Fernando Meirelles liefert mit 360 einen sehr durchwachsenen Film ab, der spätestens ab dem dritten Storyteil – zumindest für mich – vollkommen den Faden verloren hat. Hätte man sich etwa nur auf die Story von Jude Law und Rachel Weisz konzentriert, wäre es vielleicht ein guter Film geworden. Auch die gemeinsame Story von Anthony Hopkins, Maria Flor und Ben Foster (der mit einer selten beschissenen Syncro bestraft wurde) am Flughafen hatte noch so etwas von Aufmerksamkeit von mir. Aber sobald dieser Teil erzählt ist und die Geschichte den dritten Harken schlägt um alles und jeden zu verbinden, habe ich einfach mental abgeschaltet, weil es mir egal war. Meirelles scheitert in meinen Augen an seiner eigenen Vorgabe, dass jede Entscheidung eines Menschen einen anderen Menschen beinflusst spätestens ab dem Augenblick, wo die zweite Geschichte auserzählt wurde und das ist sehr bedauerlich, da ich solche Filme eigentlich sehr mag. Ein irgendwann sehr dröge und langweilig werdenes Stück Pseudo-Clever-Kino vom Mann der mir City of God und Der ewige Gärtner schenkte, aber schon mit Die Stadt der Blinden erste Kratzer im Lack abgekommen und auch durch 360 weiter an Schaden genommen hat. Schade!

Großbritannien, Österreich, Brasilien, Frankreich – 2012 – 1 Std. 55 Min.
Regie: Fernando Meirelles
mit Anthony Hopkins, Jude Law und Rachel Weisz
Genre: Drama, Romanze

Die Logan Verschwörung (OT: The Expatriate)

Was der alte Ra’s al Ghul kann, kann Harvey Dent doch schon lange!

Wenn es deutsche Filmemacher in die USA treibt, dann drehn sie meistens einen Thriller: Nach Tom Tykwer mit The International, Robert Schwentke mit Flightplan, Oliver Hirschbiegel mit Invasion und Florian Henckel von Donnersmarck mit The Tourist jetzt also Philipp Stölzl (Nordwand, Goethe!) mit The Expatriate. Im Grunde ist Die Logan Verschwörung (eine virtuelle Ohrfeige für die Dumpfbacke, die sich den Titel ausgedacht hat) ein weiterer Reißer im Stil von 96 Hours: Typ wird von Bösewichten verfolgt und irgendwie bekommen die es immer fertig nut Töchter zu zeugen. Hat einer von diesen Supermännern auch mal einen Sohn? Und John McClaine zählt hier nicht! Aber zum Film: Im Grunde ist die Story egal; Verschwörung halt! Der eigentliche Clou ist – und das halte ich dem Film wirklich zu gute -, dass Ben Logan (Aaron Eckart) sich z. B. in den schön in Szene gesetzen Kämpfen gar nicht so taff anstellt und auch mal seiner eigenen Tochter in den Oberarm schießt und eigentlich nur in die Fresse bekommt; manchmal erinnert es doch sehr stark an eine Schulhofschlägerei in der Grundschule. Das erdet den Film schon fast und auch die in der Story eingewebte Vater-Tochter-Geschichte nervt mal ausnahmsweise nicht. Logan ist nun mal doch fast schon ein normaler Typ; außer dass er ein ehemaliger CIA-Agent ist. Der wird von Eckart absolut solide gespielt und auch seine Filmtochter Liana Liberato weiß nach Trust abermals zu überzeugen. Nur diesen Sub-Plot mit Olga Kurylenko als Verfolgerin hätte man sich sparen können. Im Grunde liefert Stölzl hier den besseren 96 Hours-Nachfolger, ist aber natürlich Lichtjahre vom großen Vorbild entfernt. Als erste Empfehlung für weitere Projekte reicht es aber locker.

USA – 2012 – 1 Std. 44 Min.
Regie: Philipp Stölzl
mit Aaron Eckhart, Olga Kurylenko und Liana Liberato
Genre: Drama, Thriller

Zorn der Titanen (OT: Clash of the Titans 2: Wrath of the Titans)

Hier sehen wir ein Szenenbild aus “Taken 2 – Wenn deine Tochter dich doch nicht befreien kann und du seit Jahren angeketter in einem Keller verrottest”

Ich mache es kurz und knackig: Den ersten Teil mochte ich noch irgendwie aber Teil 2… uff… worum ging es? KEINE AHNUNG! Ich habe den kompletten Film schon jetzt aus meinem Gedächtnis gelöscht! Ich kann mich nur daran erinnern, dass Liam Neeson schon wieder irgendwo gefesselt wurde und ich hatte die Vermutung, Taken 3 zu sehen!

USA – 2012 – 1 Std. 39 Min.
Regie: Jonathan Liebesman
mit Sam Worthington, Liam Neeson und Ralph Fiennes
Genre: Abenteuer, Fantasy, Action

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  • Johannes

    uff da hast du jetzt aber mal viel herausgekramt 😀 gesehen hab ich von den Filmen (bisher) keinen einzigen. "Here comes the Boom" interessiert mich jetzt durch deine Kritik mal sehr. Bin ein großer "King of Queens" Fan und seh seine Filme ganz gerne. Sie sind keine Meisterwerke aber zumindest phasenweise unterhaltsam. Beim "Kaufhaus Cop" war ich sogar in Wien bei der Europa-Premiere als Kevin James nur knapp einen Meter an mir vorbeigegangen ist (was wären die großen Dinge im Leben, ohne die kleinen 😉
    Außerdem hast mich sehr auf "Premium Rush" aufmerksam gemacht. Ich mag Joseph Gordon Levitt sehr und Michael Shannon lieb ich sowieso seit "Revolutionary Road"!