The Place Beyond the Pines

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Regisseur Derek Cianfrance hat uns 2010 mit seinem Drama “Blue Valentine” eine der schmerzhaftesten Liebesgeschichten der letzten Jahre beschert. Die ungewöhnliche Erzählung, worin parallel die Entstehung und der Zerfall einer Beziehung skizziert wird, konnte durch eine subtile Inszenierung sowie durch die eindringliche Nähe zu den Hauptfiguren punkten, großartig dargestellt von Michelle Williams (Oscarnominiert!) und Ryan Gosling. Letzterer übernimmt auch wieder die Hauptrolle in dem neuen Werk von Cianfrance, das drei ineinander verwobene Geschichten erzählt.

“The Place Beyond the Pines” handelt vom Motorrad-Stuntfahrer Luke (Gosling), der erfährt, dass er durch eine Liebesnacht mit der schönen Romina (Eva Mendes), die bereits ein Jahr zurückliegt, Vater geworden ist. Fest entschlossen, sich seiner Verantwortung zu stellen, will er nun für seinen kleinen Sohn und für Romina sorgen. Um das nötige Geld zu beschaffen, startet der junge Hitzkopf diverese Banküberfälle, was ihn auf lange Sicht in unüberwindbare Schwierigkeiten bringen wird…

Der junge Polizist Avery Cross (Bradley Cooper) hat eine schöne Frau, einen kleinen Sohn und ist glücklich mit seinem Job verbunden. Eines Tages wird er im Dienst angeschossen und durch seine Tat zum Helden der Stadt Schenectady, NY erklärt. Die steigende Korruption in seinem Dezernat zwingt ihn jedoch zum Umdenken, was seine Arbeit betrifft. Er fasst einen folgenschweren Entschluss, um sich selbst aus der Abschusslinie zu holen und nicht zuletzt um die Karriereleiter empor zu steigen…

15 Jahre später lernen sich zwei Teenager in der Kantine ihrer High School kennen. Die beiden Außenseiter freunden sich an. Allerdings wird diese neue Freundschaft nicht von langer Dauer sein…

Erzählerisch kann man wohl sagen, dass Cianfrance hier ein Brett von einem Film abgeliefert hat. Eine derartig gut geschriebene Handlung hat man so noch nicht gesehen und wie der Autor und Regisseur es schafft, den Zuschauer von der ersten Minute an zu fesseln und seine Geschichten in neue Erzählungen übergehen zu lassen, ist meisterhaft. Seinem Inszenierungsstil aus “Blue Valentine” ist er treu geblieben und dokumentiert die Geschehnisse wieder als stiller Beobachter, indem er seine Figuren ruhig begleitet und ihnen viel Zeit gibt, sich in ihren Situationen zu erkennen. Auch der subtil gestaltete Score schafft eine beklemmende und doch irgendwie schöne Stimmung, die den Zuschauer elektrisiert. Es gibt aber auch sehr rasante Momente und aufbrodelnde Situationen, die eine explosive Spannung aufbauen und dem Zuschauer den Puls in die Höhe treiben. Es ist eine perfekte Mischung aus Drama und Thriller mit einer kleinen Portion Action.

Ryan Gosling spielt seine Rolle gewohnt gut, auch wenn zurecht viele mäkeln werden, dass er hier seine Performance aus “Drive” wiederholt und sich diese langsam abnutzt – aber es passt hier einfach trotzdem. Der darstellerische Lichtblick ist allerdings Bradley Cooper, der sich zu den spannendsten Schauspielern der letzten Jahre gemausert hat. Erstmals auffällig in “Die Hochzeits-Crasher” als schmieriger Verlobter von Rachel McAdams, hat er bis heute viele verschiedene Sparten bedient (“Hangover”, “Ohne Limit”, “Silver Linings”) und sie alle samt sehr gut gemeistert. Erst kürzlich zurecht für den Oscar nominiert, ist er dieses Jahr neben “The Place Beyond the Pines” auch schon in “Dieb der Worte”und “Hangover 3” zu sehen gewesen. Die wahren Perlen kommen aber Ende des Jahres pünktlich zur Oscar-Season mit “Serena” und “American Hustle”. Irgendetwas davon muss diesen Mann wieder zu einer Oscarnominierung verhelfen, denn er hätte es wirklich verdient. In “The Place Beyond the Pines” verleiht er seiner Figur eine zerrissene Seele, die von Schuldgefühlen geplagt ist aber auch von großem Ehrgeiz gesteuert wird. Sein Spiel steht seiner Performance in “Silver Linings” in nichts nach. In Nebelrollen sind außerdem Eva Mendes, Ray Liotta sowie der aufstrebende Jungdarsteller Dane DeHaan zu sehen, der sich im Performance-Ranking des Films gleich hinter Cooper einreiht.

Für die kommende Oscar-Season werde ich wohl leider in die Röhre schauen und 0 Nominierung für dieses Meisterwerk akzeptieren müssen. Der frühe Filmstart spricht dagegen und lässt mich vermuten, dass die Verleiher auf andere Filme in der kommenden Saison setzen werden. Schade eigentlich, denn der Film, die Regie, das Drehbuch und Bradley Cooper hätten eine Nominierung meiner Meinung nach mehr als verdient.

Seinen Vorgänger “Blue Valentine” hat Derek Cianfrance definitiv getoppt und sich damit wohl endgültig zum neuen Star des Autorenkinos gemausert. Wenn man seinen Namen von jetzt an in einem Atemzug mit Paul Thomas Anderson, Todd Field oder den Coen-Brüdern nennen sollte, macht man sich nicht strafbar. “The Place Beyond the Pines” ist eine tragische und auch schöne Erzählung über Väter und Söhne, über Entscheidung und Konsequenzen – aber vor allem über unser Vermächtnis. Für mich bis dato der beste Film des Jahres. Ich bin gespannt, was die zweite Hälfte von 2013 zu bieten hat.

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  • habs bisher verabsäumt den anzusehen.. wird aber definitiv baldigst nachgeholt! 🙂

  • kaik

    oh ja!!!

  • Wir haben im neuen Podcast auch drüber gesprochen und haben auch "Die Academy" erwähnt. Hört mal rein: http://www.kinocast.net/?p=33337

  • Patrick

    So heute gesehen und ich muss Dir eigentlich bei allem beipflichten, außer und das wird jetzt schockieren BRADLEY COOPER! leider! ich mochte ihn in Silver Linings, aber hier bleibt er für mich zu blass. Die Rolle hat soviel Potential und für mich bleibt er streckenweise einfach zu blass. Gosling ist gewohnt gut bis sehr gut, richtig überrascht haben mich aber die beiden Jungdarsteller und Eva Mendes von der ich bis dato nicht viel gehalten habe. Hier muss man ihr aber zugestehen, dass sie es kann. sehr erfrischend sie so deglamourös zu sehen. Schauspielerisches Highlight war für mich allerdings, wie auch schon in "Animal Kingom" (neben Oscar Nominee und sould have won the fucking Oscar for that movie Jacki Weaver) Ben Mandelson. Dieser Mann zeigt hier eine völlig andere Seite seiner Schauspielkunst und zieht mit kleinen Gesten die Aufmerksamkeit komplett an sich. Toll! Wenn eine Oscarnominierung in der Darstellersparte dannn bitte für ihn als "Bester Nebendarsteller".

    Neben dem Cast muss aber vor allem die Regie, das Drehbuch und die musikalische Vertonung gelobt werden, die die stärke des Films ausmachen.

    Insgesamt fand ich den Mittelteil am Schwächsten und den Ersten am Besten, aber alle 3 Teile fügen sich zu einem guten Ganzen. Ich schließe mich zwra nicht völlig an ihn als besten Film des Jahres zu betiteln, aber in meinen Top 10 ist er wohl auch noch am Ende des Jahres zu finden, dafür war das Gesamtbild einfach zu stark, auch wenn sich meine Wertung nicht ganz bei Dennis ungewöhnlich für ihn hohe Wertung anknüpft, sondern sich zwischen 8-8,5/10 einpendeln wird.