Buddy

Buddy

Bei Michael “Bully” Herbig scheiden sich die Geister. Die Einen finden seinen Humor zu platt und können rein gar nichts damit anfangen, die Anderen sehen in ihm hingegen den legitimen Nachfolger Karl Valentins und schmeißen sich selbst bei der 20. Wiederholung vom “Schuh des Manitu” noch weg. Ich gehöre definitiv zur letzten Sorte!

In einem Punkt dürften sich aber alle einig sein. Er gehört definitiv zu den handwerklich besten Regisseuren die Deutschland seit langer Zeit hervorgebracht hat. Und mit seinem neuesten Werk stellt er dies ein weiteres Mal ausdrücklich unter Beweis.

“Buddy” handelt von Eddie Weber (Alexander Fehling), dem jungen attraktiven Erben eines erfolgreichen Hamburger Energydrink-Konzerns, der jedoch mehr durch sein ausschweifendes Partyleben von sich reden macht als mit der Führung des Familienkonzerns. Dieser einst strahlende Stern am Erfrischungsgetränkehimmel ist daher im Begriff zu sinken, wogegen die Konzernspitze unter der Führung von Dr. Martin Küster (Christian Berkel) mit einer eher einfallslosen Werbekampagne auch nicht in der Lage ist etwas zu tun. Eines durchzechten Abends entdeckt Eddie plötzlich einen vermeintlichen Einbrecher in seinem Haus, der sich ihm jedoch als sein persönlicher Schutzengel (Michael Herbig) vorstellt. Eddie glaubt “Buddy” (der seinen improvisierten Namen einem Blick auf ein Bud Spencer-Poster verdankt) jedoch natürlich nicht und ruft die Polizei. Das Problem ist nur, dass Buddy niemand außer Eddie sehen oder hören kann. Eddie schiebt es zuerst auf den Kater, als Buddy ihm jedoch weiter auf Schritt und Tritt folgt glaubt er langsam verrückt zu werden. Buddy versucht ihn daher mit teils sehr skurrilen Mitteln davon zu überzeugen, dass er tatsächlich existiert und nicht nur Einbildung ist. Er ist zudem noch ganz frisch im Geschäft und verursacht daher nicht minder viel Chaos wie er eigentlich beseitigen sollte. Als Eddie eines Tages beklaut wird, wird er (nach einer spektakulären Verfolgungsjagd durch halb Hamburg, die es locker mit Vorbildern wie bspw. aus den “Bourne”-Filmen aufnehmen kann!) von der Altenpflegerin Lisa (Mina Tander) und deren Kollegen “Hütte” (Daniel Zillmann) angefahren. Durch diesen “Unfall” offenbart sich schließlich auch Buddys eigentlicher Auftrag, er soll den Tunichtgut Eddie mit der alleinerziehenden Lisa zusammenbringen. Doch die leben nun mal in grundverschiedenen Welten.

Waren Herbigs bisherige Regiearbeiten reinste Genreparodien mit urwitzigen Gagparaden bzw. klassisches Kinderabenteuer, so wirkt sein neuestes Werk viel reifer. “Buddy” bietet zwar auch wieder den typischen Bully-Humor (hier sei nur das “Dauer-Besingen” Eddies mit diversen alten Schlagern und Softpop-Nummern erwähnt), der Film kommt aber über weite Strecken mit doch eher ruhigem Humor daher, garniert mit einer ordentlichen Prise Romantik, sowie einem Hauch Dramatik. Natürlich erfindet Herbig hier die “Fantasy-Romanze” nicht neu, er benutzt im Gegenteil sogar bewusst diverse Versatzstücke bekannter Klassiker wie “Du sollst mein Glücksstern sein” oder “Mein Freund Harvey” und baut sie als wunderbar inszenierte Reminiszenzen in den Film mit ein. Doch das Ergebnis lässt sich wirklich sehen. Bully gelingt mit “Buddy” eine der schönsten romantischen Komödien der letzten Zeit, sowie einen der außergewöhnlichsten deutschen Filme des vergangenen Jahres.

Wer mit Herbigs Filmen bisher überhaupt nichts anfangen konnte, sollte vielleicht doch lieber einen kleinen Bogen darum machen, dürfte aber wenn man ihm eine Chance gibt, vermutlich doch überrascht sein. Alle Fans werden ihn sowieso lieben. So oder so, Bully beweist auf jeden Fall wieder, dass er das ist was Til Schweiger gerne wäre. Einer der herausragendsten Filmemacher Deutschlands, der sich locker mit Hollywood-Größen messen lassen kann.

Wertung40

Deutschland – 2013 – 1 Std. 29 Min.
Regie: Michael “Bully” Herbig
mit: Alexander Fehling, Michael Herbig, Mina Tander, Christian Berkel, Daniel Zillmann & Jann-Piet Puddu
Genre: romantische Komödie/Fantasy

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  • kaik

    Richtig. 8/10. Handwerklich sogar noch mehr.