Kurzkritiken von diesjährigen Oscaranwärtern oder die es hätten werden wollen

Zugegeben, der reißerische Titel soll zum Lesen animieren, aber neben dem 5-fach Oscarnominierten „Whiplash“ habe ich mit „The Giver“, dem „Hobbit-Finale“, „Ich darf nicht schlafen“ und „22 Jump Street“ noch 4 weitere Filme rezensiert, die ich in den letzten Wochen gesehen habe und die theoretisch ins Oscarrennen gelangen hätten können. Ob einer davon zu Unrecht übergangen wurde, könnt ihr hier nachlesen bzw. Eure eigene Meinung bilden. Viel Spaß beim Lesen!

The Giver

HÜTER DER ERINNERUNG (OT: The Giver)

Was für ein Preis ist der Mensch bereit ein Leben in einer „perfekten“ Gesellschaft ohne Kriege, Armut und Gewalt zu führen? THE GIVER, so der Originaltitel, zeigt uns eine mögliche Zukunftsvariante: Eigene Entscheidungen werden abgenommen, starke Emotionen unterbunden – die Gesellschaft befindet sich in einem „perfekten“ Zustand, der ‘Gleichheit’ genannt- und vom Rat der Ältesten streng überwacht wird. Damit dies funktionieren kann, wird in dieser Gesellschaftsform jedem Kind eine Aufgabe zugewiesen, die es für den Rest seines Lebens ausführt.

Jonas fällt die Aufgabe zu die Erinnerungen stellvertretend für die Menschheit anvertraut zu bekommen und um das Wissen der früheren Gesellschaften für künftige Generationen zu bewahren. Der vorherige ‘Empfänger’, der seine Erinnerungen weitergibt und damit zum ‘Geber’ wird (Jeff Bridges), nimmt Jonas unter seine Fittiche und weist ihn in die verdrängten Erinnerungen ein: Er erzählt ihm von einer Zeit, in der Menschen mordeten, hungerten und logen – die aber auch die besten Seiten des Miteinanders zum Vorschein brachte. Schon bald wächst in Jonas das Verlangen, etwas zu ändern und er fasst einen folgenschweren Entschluss…

Von den Kritikern milde aufgenommen, an der Kinokasse gefloppt, muss ich eine kleine Lanze für diesen Film brechen, denn von den ganzen Jugendromanen (Tribute von Panem, Divergent und Maze Runner) hat mir sowohl die technische Umsetzung durch seine anfänglich triste schwarz-weiß Farbgebung, die aber immer wärmere Züge annimmt im Laufe des Werkes, ausgesprochen gut gefallen. Auch inhaltlich finde ich den Ansatz gut, er hat mich zum Nachdenken gebracht und mich emotional bewegt. Hätte der Film nicht so abrupt geendet, denn eine längere Laufzeit wäre durchaus drin gewesen, dann wäre durchaus noch eine höhere Wertung drin gewesen. Streep, Bridges und Holmes wussten auch zu gefallen, wenngleich ihre Rollen keine allzu großen Herausforderungen darstellen durften.

SA 2014 – 149 Minuten Regie: David Fincher Genre: Thriller / Kriminalfilm Darsteller: Ben Affleck, Rosamund Pike, Missi Pyle, Neil Patrick Harris, Tyler Perry, Kim Dickens, Patrick Fugit, Casey Wilson, Lisa Banes, Emily Ratajkowski
USA 2014 – 97 Minuten
Regie: Philipp Noyce
Genre: Drama / Sci-Fi
Darsteller:  Jeff Bridges, Meryl Streep, Katie Holmes, Brenton Thwaites, u.a.

 

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WHIPLASH!

Die Lobeshymnen von unserem vielleicht härtesten Kritiker Dennis hat meine Erwartungen schon sehr in die Höhe getrieben, aber „Whiplash“ hat sie imgrunde noch übertroffen! Da Stefan jüngst eine Kritik in Langform verfasst hat, werde ich mich kurzfassen, muss aber auch einfach die Brillanz dieses vielleicht sogar besten Films des Jahres mehr als nur in einem Kommentar in Worte fassen.

Miles Teller (Rabbit Hole) und J.K. Simmons (zuletzt in Labor Day zu sehen) liefern sich hier ein Psychoduell, das man selten so intensiv gesehen hat und schauspielern sich in einen Exzess hinein, welcher einen regelrecht aus den Sesseln haut. Regieneuling Damien Chazelle schuf ein Werk, dass über die rund 100 Minuten Laufzeit sehr kurzweilig und unglaublich spannend ist. Garantiert ist „Whiplash“ alles andere als das bisher dagewesene trotz inhaltlicherer Parallelen zu „Black Swan“ und das MUST-SEE in dieser Filmsaison.

Die Schmerzen des Protagonisten weiß Teller perfekt dem Zuschauer zu übermitteln, die Atmosphäre ist zudem extrem bedrückend und der Soundtrack sehr gut in die Handlung eingebunden. Auch handwerklich ist er absolut überragend gemacht: Die Kameraführung fängt tolle Bilder ein, wie die blutende Hand im Eiswasser zum Beispiel, und besonders der Schnitt und die Tonabmischung ist absolut fantastisch. Das Finale ist dann der absolute Höhepunkt dieses Jazz-Krieges zwischen den beiden Protagonisten Andrew und Terence. Oft wird in Rezensionen ein Vergleich mit einem „Krieg“ gezogen, was passender nicht gewählt werden kann, was sich da vor unseren Augen abspielt. Denn wenn die Musik das Schlachtfeld ist, dann ist Terence Fletcher (überragend verkörpert durch den baldigen Oscarpreisträger J.K. Simmons) der perfekte Drill-Instructor, um auf das Überleben in diesem Krieg vorzubereiten – ob man sich das eingestehen möchte oder nicht. Mit seiner rabiaten und ausdrucksstarken Psycho-Maschinerie bricht er den Musiker zwar, macht ihn damit aber auch zum besseren Musiker, selbst wenn er dafür sein vorheriges Leben dafür opfern muss, um sich ganz der „großen Sache“ hinzugeben. Diesen Punkt kann man durchaus an dem Film kritisieren, doch wenn man genau hinschaut, wird diese Herangehensweise nur bedingt idealisiert, denn der Applaus des Publikums bleibt aus bzw. wird dem Zuschauer nicht offenbart. Brillant!

DDR 1965 - 74 Minuten Regie: Walter Beck Genre: Märchenfilm Darsteller: Karin Ugowski, Manfred Krug, Martin Flörchinger, Evamaria Heyse, Helmut Schreiber, Gerd Schäfer, Manfred Heine, Klaus Piontek, Bruno Carstens, Marianne Wünscher
USA 2014 – 107 Minuten
Regie: Damien Chazelle
Genre: Drama / Musik
Darsteller: Miles Teller, J.K. Simmons, Melissa Benoist

The Hobbit 3

DER HOBBIT – DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE (OT: The Hobbit: The Battle of the Five Armies)

Da nimmt man die ersten beiden Teile des Hobbits noch in Schutz, weil man ja bei der Vorlage nicht erwarten kann das ein neuer Herr der Ringe bei herauskommen kann und verteidigt sogar Jacksons bemühen den Fans 3 neue Teile zu schenken, doch was da letzten Endes bei herauskommt ist eigentlich blanker Hohn und zieht nicht nur die Vorgängerfilme hinunter, sondern verschmutzt auch noch das Ansehen der großartigen Herr der Ringe-Trilogie. Die Liebesgeschichte zwischen des Zwergen und der Elbin ist nicht nur hinzugedichtet, sondern vollkommen unnötig und dazu noch wirklich beschissenen gespielt und in Szene gesetzt. Auch die lustigen Elemente vom Herr der Ringe, wenn Legolas bei seinen Kämpfen die physikalischen Gesetze außer Kraft setzt, wird hier so überzogen, dass man diese nicht mal mehr ansatzweise ernst nehmen kann. Der sprechende Drache mit seinen ewig andauernden Monologen war ja von eh her schon an Lächerlichkeit kaum zu überbieten, doch da führt man ihn 2 Filme ein, um sich dann in den ersten Minuten von ihm zu entledigen: Ganz, ganz toll Herr Jackson! Und wenn man schon versucht alle funktionierenden Elemente aus dem Herr der Ringe zu kopieren, dann bitte auch konsequent mit Gollum, der nach seinen Auftritten in den ersten beiden Hobbit-Teilen nicht einmal durch das Bild huschen darf, stattdessen ein CGI-Gewitter, dass so halbherzig gestaltet wurde, dass es fast jederzeit sichtbar ist und eher an eine Computerspielgrafik, anstelle von einem über 200 Mio. Dollar Budget, erinnert. Folgerichtig wurden die Spezialeffekte erstmals auch nicht für den Oscar nominiert, sondern lediglich die Tonabmischung.

Am Ende wird zwar noch ein Bogen zum Jackson-Meisterwerk gezogen, doch da dürfte es auch dem hartgesottetstem HDR-Fan deutlich geworden sein, dass man den Zuschauer hier nur ausgebeutet und verarscht hat, um möglichst kostengünstig viel Gewinn abzuwerfen. Gebrochene Fanherzen werden da gerne in Kauf genommen! Pfui Herr Jackson – können sich nun gerne zu Herrn George Lucas gesellen, der seine Ursprungstrilogie auch nicht aufhört mit Schmutz zu bewerfen! Das die Massen trotzdem seit Wochen ins Kino stürmen gibt den Produzenten natürlich wieder eine traurige Rechtfertigung für ihr Schändung! Warum es dann trotzdem noch ein paar Pünktchen gab, ist wohl den Vorgängerfilmen geschuldet und die wenigen Momente im Film in denen man dachte, dass das Werk nun doch noch die Kurve kriegt, doch leider bleibt alles sehr unbefriegend. Wirklich schade!

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USA 2014: 144 Min. Regie: Peter Jackson Darsteller: Martin Freeman, Richard Armitage, Ian McKellen, Cate Blanchett, Orlando Bloom, uva.

Before I go to sleep

ICH. DARF. NICHT. SCHLAFEN. (OT: Before I go to sleep)

Christine stellt sich jeden Morgen nach dem Aufwachen die Frage, was am Tag zuvor passiert ist. Sie erkennt weder sich noch andere Menschen in ihrer Umgebung wieder. Mit Hilfe eines Psychologen will sie ihren Erinnerungen auf den Grund gehen. Sie lebt mit einem Mann zusammen, der sich als ihr Ehemann ausgibt und behauptet, dass sie an Amnesie leidet. Doch kann man ihm trauen?

Die Besetzung des Psychothrillers ist mit Nicole Kidman, Colin Firth und Mark Strong gut besetzt, jedoch ist die Handlung schnell vorhersehbar und hat kaum Überraschungen zu bieten. Hinzu kommen einige nicht wegdiskutierende Logiklöcher und etwas mehr Tiefe bei den Charakteren hätte dem Film sicher gut getan. Leider erinnert das Thema zu sehr an andere Filme die ebenfalls von Amnesie handeln, was Neues ist nicht zu erwarten. Dagegen gibt es bessere Produktionen wie z.B. „Memento“ oder „The Machinist“. Fans der Darsteller wird diese Durchschnittskost aber nicht säuerlich aufstoßen, an der Buchvorlage kommt die Adaption aber leider nur bedingt heran. Wer einen erstklassiken Thriller aus diesem Jahr anschauen möchte, der sollte auf „Gone Girl“ zurückgreifen, anschauen kann man sich „Ich. Kann. Nicht. Schlafen.“ aber durchaus mal.

USA 2014 - 169 Minuten  Regie: Christopher Nolan Genre: Science-Fiction / Action / Drama Darsteller : Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Michael Caine, Matt Damon, Wes Bentley, Casey Affleck, John Lithgow, David Oyelowo, Ellen Burstyn
USA 2014 – 92 Minuten
Regie: Rowan Joffe
Genre: Thriller / Mysterie
Darsteller : Nicole Kidman, Colin Firth, Mark Strong

 

22 jump street

22 JUMP STREET

Irgendwie tue ich mir ja schwer mit Ami-Komödien, doch da ich Jonah Hill und Channing Tatum inzwischen ganz gut leiden kann, wollte ich dem Sequel von „21 Jump Street“ eine Chance geben.

Als verdeckte Ermittler sollen sie diesmal in ein College geschleust werden. Jenko, der sportliche Frauenschwarm mischt sich unter das Football-Team und Schmidt, der Klügere der beiden, ermittelt bei den abgehobenen Kunst-Studenten. Nachdem sich zwischen den jung aussehenden Cops eine richtige Freundschaft entwickelt hat, wird diese Bromance durch die attraktive Tochter ihres Vorgesetzten auf die Probe gestellt.

Zugegeben, die Storyline besticht durch altbekanntes, vielmehr kommt es auf die komödiantische Umsetzung an und die ist darstellerisch auf jeden Fall geglückt. Auch wenn nicht jeder Gag zündete und der Film oft ins Mittelmaß rutschte, gab es doch einige Momente, in denen ich laut lachen musste. Nicht so gut wie Teil 1, aber kann man durchaus noch schauen. Neben der hervorragend skurrilen Jillian Bell hat mir am Besten die Anfangssequenz rund um Peter Stomare gefallen und natürlich der Abspann mit möglichen Fortsetzungsfilmen und einem sehr gelungenem Gastauftritt, den ich hier nicht spoilern möchte.

DDR 1963 - 116 Minuten Regie: Frank Beyer Genre: Historiendrama / Antikriegsfilm Darsteller: Erwin Geschonneck, Armin Müller-Stahl, Fred Delmare, Gerry Wolff, Wiktor Awdjuschko, Krystyn Wójcik, Peter Sturm, Erik S. Klein, Herbert Köfer, Werner Dissel
USA 2014 – 112 Minuten
Regie: Phil Lord, Christopher Miller
Genre: Actionkomödie
Darsteller: Jonah Hill, Channing Tatum, Jillian Bell, Peter Stomare, uva.
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