Aktuelle Kinofilme in der (Kurz)Kritik

Filmplakatmontage Juni 2015

In den letzten Wochen war es um meine Schreibtätigkeiten etwas stiller, obgleich ich neben diversen Serien auch einige Kinogänge zu verzeichnen habe. Um dieser Fülle etwas gerecht zu werde,  habe ich mich entschlossen die Tage mehrere Blöcke mit geballten Kritiken zu veröffentlichen. Starten möchte ich mit Rezensionen, die sich mit Filmen beschäftigen, die es noch „Aktuell im Kino“ zu bewundern gibt. Vielleicht ist ja der ein oder andere Film dabei, den ihr euch sonst nicht angesehen hättet oder von dem ich Euch bewahren konnte. Wie immer darf gerne fleissig kommentiert werden!

Cinderella

CINDERELLA

Den Trend Disneyklassiker real zu verfilmen stehe ich persönlich mit gemischten Gefühlen gegenüber. Eine positive Ausnahme bildet tatsächlich die diesjährige Produktion, die mit Cate Blanchett als Schwiegermutter und Lily James als Titelfigur mit der passenden Besetzung aufwartet. Letztere gibt Cinderella ungeahnte Tiefe, welches die letzten Produktionen so schmerzlich vermissen ließen. Lily schafft es natürliche Schönheit, Gutherzigkeit und Stärke authentisch zu verkörpern ohne dabei all zu naiv und dumm zu wirken, während Cate Blanchett herrlich fies und doch dabei zweidimensional agieren vermag. Das Setting ist hervorragend und die überragenden Kostüme sollten als Oscarfavorit ins nächste Rennen gehen. Regisseur Kenneth Branagh hat einen klassischen Märchenfilm geschaffen, der in der Qualität zum Original eigentlich in nichts nachsteht. Wundervoll und zum Heulen schön! So verfilmt man Disney-Klassiker liebes Hollywood!

USA / UK / RO / IT 2003 - 150 Minuten Regie: Anthony Minghella Genre: Historienfilm / Liebesdrama / Kriegsfilm Darsteller: Jude Law, Nicole Kidman, Renée Zellweger, Ray Winstone, Brendan Gleeson, Eileen Atkins, Donald Sutherland, Philip Seymour Hoffman, Natalie Portman, Emily Deschanel
USA / UK  2015 – 105 Minuten
Regie: Kenneth Branagh
Genre: Family / Märchen
Darsteller: Lily James, Cate Blanchett, Richard Madden, Helena Bonham Carter

Der babadook

DER BABADOOK (OT: The Babadook)

Noch nie hat ein Kinderbuch mehr Angst und Schrecken verbreitet! Wo der vielgefeierte „Conjuring – die Heimsuchung“ kränkelte, schafft es die australische Produktion auf ganzer Linie zu Punkten. Problem ist leider wieder mal die Vermarktung des Films, denn „Der Babadook“ ist kein klassischer Horrorfilm, sondern eher ein Horrordrama, denn es gibt kaum Schockelemente worauf Jennifer Kent in ihrem Erstlingswerk (!) aus ist, sondern es geht vordergründig um eine tragische Familiengeschichte aus der eine Psychose entstanden ist, die sich in der Titel gebenden Figur manifestiert. Mehr sei nicht verraten! Wer mit dem Wissen aber in den Film geht, wird mit einem der bestgespieltesten Horrorfilme der letzten 20 Jahre überrascht werden, denn was Essie Davis und Noah Wiseman an Darstellungen abliefern ist großes Schauspielkino und wurde zurecht mit etlichen Darstellerpreisen geehrt. Auch die Elemente, mit denen die düstere Atmosphäre geschaffen wird, sind überragend und wissen die psychologische Verfassung seiner Hauptfigur(en) perfekt zu Materialisieren. Für Fans von Polanskis „Ekel“ oder „Der Mieter“ sehr zu empfehlen und für mich jetzt schon ein Klassiker des Genres!

USA / UK / RO / IT 2003 - 150 Minuten Regie: Anthony Minghella Genre: Historienfilm / Liebesdrama / Kriegsfilm Darsteller: Jude Law, Nicole Kidman, Renée Zellweger, Ray Winstone, Brendan Gleeson, Eileen Atkins, Donald Sutherland, Philip Seymour Hoffman, Natalie Portman, Emily Deschanel
Australien 2014 – 93 Minuten
Regie: Jennifer Kent
Genre: Horrordrama
Darsteller: Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall

Die Gärtnerin von Versailles

DIE GÄRTNERIN VON VERSAILLES (OT: A little Chaos)

Alan Rickmans Kostümfilm, welches Ende des 17. Jahrhunderts angesiedelt ist, handelt von der unkonventionellen Witwe Sabine deBarra (Oscarpreisträgerin Kate Winslet), die für den Sonnenkönig Ludwig XIV in Versailles ein Barock-Garten anlegen soll und am Hof gegen Intrigen und aufkeimende Gefühle gegenüber ihrem verheiratetem Auftraggeber (Matthias Schoenaerts) zu Wehr setzen muss, um das Projekt zu verwirklichen.

Neben der hervorragenden Ausstattung und den aufwendigen Kostümen sind es vor allem die Darsteller, die innerhalb der etwas drögen Geschichte kleine Highlights setzen können. Helen McCrory kann als intrigante Ehefrau am Meisten Punkten, während Stanley Tucci als lustiger Sidekick fungiert und Kate in einem Killermonolog zeigen kann, dass sie zu dem besten Dramadarstellern der Gegenwart gehört. Leider gibt ihr Regisseur und Co-Star Alan Rickman zu wenige solche Szenen, die dem Film wirklich gut getan hätten. So lassen sich einige Längen nicht leugnen, wenngleich die letzte halbe Stunde entschädigt und dort das Titelgebende „Chaos“ (im Original) erfrischend und ergreifend zutage schlägt. Ein bisschen mehr „Chaos“ hätte es aber geben dürfen Herr Rickman, dann hätte aus dem guten Film eine kleine Perle werden können!

USA 1993 - 107 Minuten Regie: Bill Duke Genre: Komödie / Musikfilm Darsteller: Whoopi Goldberg, Kathy Najimy, Maggie Smith, Barnard Hughes, Mary Wickes, James Coburn, Michael Jeter, Wendy Makkena, Lauryn Hill, Jennifer Love Hewitt, Thomas Gottschalk
UK 2014 – 117 Minuten
Regie: Alan Rickman
Genre: Komödie / Drama / Romanze
Darsteller: Kate Winslet, Matthias Schoenaerts, Alan Rickman, Stanley Tucci, Helen McCrory, Jennifer Ehle

Kind 44

KIND 44 (OT: Child 44)

In der Bestsellerverfilmung muss Leo (Tom Hardy: Bronson, Mad Max: Fury Road) in Stalins Sowjetunion als Geheimpolizist einen Kindermörder aufspüren um sich zu rekreditieren, nachdem er des Hochverrats beschuldigt, da er sich weigert seine Frau (Noomi Rapace, bekannt aus den Schwedischen Stieg-Larsson-Verfilmungen) zu denunzieren. Obwohl für jeden der Morde bereits ein „Schuldiger“ gefunden und exekutiert wurde, schleicht sich bei Leo aufgrund der Ähnlichkeiten zwischen den Fällen der Gedanke an einen identischen Einzeltäter ein. Doch in einem System, in dem Verbrechen offiziell nicht exisitiert, macht sich jeder, der von Serienmördern spricht, zum Staatsfeind.

Das große Plus des Films sind die Darsteller um Tom Hardy, Noomi Rapace, Gary Oldman (Leon – Der Profi, Bram Stokers Dracula), Jason Clarke (Planet of the Apes: Revolution), Joel Kinnaman (The Girl with the Dragon Tattoo), Vincent Cassell (Public Enemy, Black Swan) und Paddy Considine (In America), von denen Hardy heraussticht und die Rolle sehr authentisch verkörpert. Auch die triste Optik und schwermütige Stimmung weiß zu gefallen, ebenso wie mit den Charakteren umgegangen wird. Hier ist wirklich Niemand vor dem Untergang geweiht. Einziger Knackpunkt des Films ist, dass er beide Handlungsstränge, sprich Historien-Drama und Psychopathen-Thriller, nicht immer gut miteinander zu verbinden vermag und auch die Geschichte um den Kindermörder etwas spannender inszenieren hätte sein können.

USA 1993 - 107 Minuten Regie: Bill Duke Genre: Komödie / Musikfilm Darsteller: Whoopi Goldberg, Kathy Najimy, Maggie Smith, Barnard Hughes, Mary Wickes, James Coburn, Michael Jeter, Wendy Makkena, Lauryn Hill, Jennifer Love Hewitt, Thomas Gottschalk
Czech Republic / UK / USA / Romania – 137 Minuten
Regie: Daniel Espinosa
Genre: Drama / Thriller / History
Darsteller: Tom Hardy, Gary Oldman, Noomi Rapace, Paddy Considin, Joel Kinnaman, Vincent Cassell

FOXCATCHER2

FOXCATCHER

Der für 5 Oscars nominierte Film lief schon eine Weile in den Lichtspielhäusern des Landes, doch ist er nach wie vor noch in einigen Kleinkinos im Programm und daher noch in meiner Rezension mit aufgenommen.
Erzählt wird die wahre Geschichte des exzentrischen Milliadärs John Du Pont (Steve Carrell, Little Miss Sunshine) der als Mentor und Sponsor den Olympia-Ringer Mark Schultz (Channing Tatum, Magic Mike) unterstützt, der bereits Olympia-Gold erkämpft hat. Als Mark zusammen mit seinem Bruder David (Mark Ruffalo, The Kids are alright) das Team im Trainingslager formt, missfällt dies dem launischen Du Ponts und ein Tragödie bahnt sich an…
Das war er nun, meine große Hoffnung der vergangenen Oscarsaison. Am Ende hat Bennett Miller einen sehr gut inszenierten und hervorragend gespielten Film abgeliefert, der seine große Schwäche durch seine Langatmigkeit bekommt, welches angesichts des brillanten Stoffes schon sehr ärgerlich ist, denn da wäre noch deutlich mehr drin gewesen. Channing Tatum hat mir indes für seine Leistung zu wenig Anerkennung erhalten, denn er hat mich weitaus mehr beeindruckt als Steve Carrell mit Pappnase, wobei dieser auch eine sehr gute Leistung abliefert, mich aber zum Beispiel in der kleinen Independent-Perle „Little Miss Sunshine“ darstellerisch noch mehr beeindruckt und gefesselt hat. Das Ende kommt dann auch sehr überraschend und wenig schlüssig daher, eine Ausgestaltung seines Psychograms wäre wünschenswert gewesen, so verpasst er die Chance ein wirklich großer Film zu sein, obwohl er das Potential wirklich gehabt hätte. Schon schade irgendwie.

BE 2013 – 85 Minuten Regie: Ben Stassen, & Jérémie Degruson Genre: Animation, Komödie Deutsche Sprecher: Matthias Schweighöfer, Dieter Hallervorden, Karoline Herfurth, Marius Clarén
USA 2014 – 134 Minuten
Regie: Bennett Miller
Genre: Drama / Sport / Biografie
Darsteller: Channing Tatum, Steve Carrell, Mark Ruffalo, Sienna Miller, Vanessa Redgrave

Mad Max Fury Road 1

MAD MAX: FURY ROAD

Viele wird es nicht verwundern, dass ich mit dem postapokalyptischen Trip von George Miller nicht sonderlich viel anfangen konnte, doch das liegt nicht an der fast non-existenten Backstory, sondern daran, dass diese als Überbau für die Dauerbeschallung von einer Actionsequenz zur Nächsten nicht funktioniert und daher diese schnell abnutzen und ich dem Ende des Films entgegengefiebert habe. Dabei können Tom Hardy, Charlize Theron und Nicolas Hault einige Highlights setzen, doch Regisseur Miller schafft für Titelfigur Max im Grunde auch zu wenig Raum zur Entfaltung und verliert den Fokus von ihm zu oft und widmet sich zu stark seinen Nebenfiguren. Neben den guten Effekten, weiß der bombastische Soundtrack zu gefallen, doch auch dieser nutzt sich nach der 2. Actionsequenz ab und wirkte nur noch monoton und nervtötend auf mich. Wem das reicht okay, ich hätte mir bei so vielen positiven Worten weitaus mehr gewünscht und frage mich, wieso ich bei so viel Explosionen so stark mit meiner Müdigkeit zu kämpfen hatte – auch eine Kunst! 😉

Wertung45
USA 2015 – 120 Minuten                           Regie: George Miller                                  Genre: Action / Adventure                   Darsteller: Tom Hardy, Charlize Theron, Nicholas Hault

Pitch Perfect 2

PITCH PERFECT 2

Fortsetzungen haben es ja nie ganz leicht, da diese ja in der Regel erst entstehen, wenn der Vorgänger diesen rechtfertigt. Auch werden in Pitch Perfect wieder jede Menge Klischees bedient: Alle Deutschen tragen schwarze Netzhemden und machen auf Nazi, alle Fetten sind lustig, platzen immer aus der Hose und kriegen nur One-Liner für das Publikum, A Cappella wird wie ein Kampfsport grundsätzlich als Battle ausgetragen, alle Kommentatoren reißen pausenlos sexistische Witze und Frauen sind nur zum Heiraten und Kinderkriegen da und last but not least tragen Musikproduzenten Sonnenbrille und sind arrogant. Aber wen juckt das schon, wenn man sich einen schönen Abend in einem Saal mit hunderten von Sekt beschwippsten Ladies macht? Mich nicht! Ganz im Gegenteil, während der 1. Teil mich nur lauwarm begeistern konnte, schaffte Teil 2 mich durch seine rücksichtslose Kompromisslosigkeit völlig einzunehmen.

Positiv anzumerken ist, dass einige Figuren deutlich an Profil und Tiefe dazugewinnen, so dass man mit ihnen erstmal richtig mitfiebern kann. Fat Amy wird wieder ganz famos von Rebel Wilson verkörpert und wird von Neuzugang Heilee Steinfeld (Oscarnominiert gewesen für „True Grit“) und der wundervollen Katey Sagal („Eine Schrecklich nette Familie“, Golden Globe für „Sons of Anarchy“) kräftig unterstützt. Der Soundtrack hat mir, wie auch das Finale besonders gut gefallen, welches mich auch nach der zweiten Sichtung noch emotional gepackt hat. Komödiantisches Highlight für mich Fat Amys „Liebessolo“ „We belong together“ – da lag unser Saal am Boden vor Lachen und wenn es ein Film schafft in mir sogar für Anna Kendrick Sympathien zu wecken, dann muss dieser schon verdammt viel richtig machen, auch wenn dieser natürlich keine Offenbarung darzustellen vermag!

BE 2013 – 85 Minuten Regie: Ben Stassen, & Jérémie Degruson Genre: Animation, Komödie Deutsche Sprecher: Matthias Schweighöfer, Dieter Hallervorden, Karoline Herfurth, Marius Clarén
USA 2015 – 115 Minuten
Regie: Elizabeth Banks
Genre: Komödie / Musikfilm
Darsteller: Anna Kendrick, Rebel Wilson, Heilee Steinfeld, uva.

Shaun Das Schaf

SHAUN DAS SCHAF

Nachdem die Kinder-Animationsserie so einen enormen Erfolg verbuchen konnte und immer mehr Kultstatus erhalten hat, musste natürlich ein Abenteuer für die „große Leinwand her. In seinem ersten Kinofilm beschließt Shaun aus Langeweile mit seinen Freunden einen kleinen Ausflug, welcher dafür sorgt, dass der Farmer die Tiere alleine auf dem Bauernhof lassen muss. Shaun, der Wachhund Bitzer und die Herde müssen sich in die Stadt wagen und das Herrchen zurückholen, doch der hat durch einen Unfall sein Gedächtnis verloren und außerdem macht ihnen ein Kammerjäger ihre Mission zunehmend schwer…
Shaun zeichnet sich durch eine skurrile, aber liebenswerte Geschichte, die von interessanten Charakteren vorgetragen werden, aus. Dazu kommt natürlich die herausragende Stop-Motion-Technik für die Knetfiguren, die Detailverliebtheit und das der Film gänzlich ohne Wort auskommt, die das Werk so besonders machen. Das Comic-Timing ist perfekt, die Handlung gut aufgebaut und sehr kurzweilig. Für die Erwachsenen gibt es Subtext, den die Kinder nicht verstehen (müssen) und er eignet sich für jung und alt – der perfekte Familienfilm eben, der den letzten Disney-Produktionen wie „Frozen“ deutlich überlegen ist. Großartig und mein bisheriger Frontrunner für den Animationsoscar 2015/2016. Er hätte diesen redlich verdient!

USA / UK / RO / IT 2003 - 150 Minuten Regie: Anthony Minghella Genre: Historienfilm / Liebesdrama / Kriegsfilm Darsteller: Jude Law, Nicole Kidman, Renée Zellweger, Ray Winstone, Brendan Gleeson, Eileen Atkins, Donald Sutherland, Philip Seymour Hoffman, Natalie Portman, Emily Deschanel
UK / France – 85 Minuten
Regie: Mark Burton u. Richard Starzak
Genre: Animation / Adventure / Comedy
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Filme, Reviews. Fügen Sie den permalink zu Ihren Favoriten hinzu.