The Huntsman & The Ice Queen (OT: The Huntsman: Winter’s War)

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Angesichts einer eingespielten Summe von rund 400 Millionen US-$ für “Snow White And The Huntsman” war es lediglich eine Frage der Zeit, bis ein filmischer Nachfolger präsentiert wurde. “The Huntsman & The Ice Queen” stellt im Verhältnis zum Vorgängerfilm, in dem die böse Stiefmutter Ravenna besiegt wurde, sowohl Prequel als auch Sequel dar und erzählt die Geschichte von Ravennas zunächst gutmütigen Schwester Freya, welche aufgrund von enttäuschter Liebe zur frostigen Heerführerin mutiert und aus Rache eine Armee von Jägern konstituiert. Grundsätzlich war dies aus meiner Sicht als Märchenliebhaber mit Sicherheit keine schlechte inhaltliche Ausgangslage. Dass ein Mann hierin sein Regiedebüt gab, welcher bis dato in einem Dutzend Leinwandproduktionen für die visuellen Effekte zuständig gewesen ist, ließ allerdings schon vorab die Vermutung aufkommen, dass auf Kosten der inneren Substanz vor allem die optische Sphäre den Vorzug des Spektakels bilden würde, was sich letzten Endes auch auf nahezu allen Ebenen bewahrheitete.

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Die grundlegende Dramaturgie erscheint trotz einiger symbolhafter Parallelen zur Realität und partiell gewinnbringender Umdeutungen der Märchenvorlage von Hans Christian Andersen leider deutlich zu überladen und gerade im zähen Mittelteil nicht nur aus den Augen von heranwachsenden Fantasyfans äußerst konfus und langatmig, weswegen man insbesondere dem holprigen Skript anmerkt, dass der Film unter zahlreichen Zerwürfnissen, Wechsel der Beteiligten und Drehpausen entstanden ist. Dieses Momentum schlug sich leider sowohl auf die recht vorhersehbaren Personenentwicklungen als auch auf die teils erschreckend belanglosen Dialoge nieder, während ich der grundlegenden Erzählabsicht rund um Liebe, Neid und Rachegelüste innerhalb des kriegerischen, bisweilen humoristischen Rahmens keinesfalls die Daseinsberechtigung absprechen möchte. An vielen Stellen sind es die bombastischen Effekte auf Niveau von Peter Jacksons Mittelerde-Werken, insbesondere in den makellos inszenierten und gefilmten Start- und Finalsequenzen, und ein größtenteils lohnenswerter Einsatz der oftmals so nutzlosen 3D-Technik, die Entschädigung liefern. Zudem erfreuen auch die aufwendigen und detailreichen, zwischen Düsterheit und blendender Eleganz anzusiedelnden Kostüme und Kulissen sind im Zusammenspiel mit Howards Soundtrack ähnlich einfallsreich und beeindruckend wie die inszenatorischen Elemente im von mir hochgeschätzten Disney-Werk “Maleficent”. Erwartungsgemäß findet man (in Folge des erfreulichen Wegfalls von Kristin Stewart) innerhalb des Ensembles ebenfalls sowohl Licht als auch Schatten. Während Emily Blunt mit einer gewandten und sehr reduzierten Performance den darstellerischen Haftpunkt des Films bietet und Jessica Chastain in ihrer amazonenhaften Rolle beweist, dass sie in der Lage ist, jeden Film qualitativ aufzuwerten, fehlte es dem von den beiden genannten Damen in die Ecke gedrängten Chris Hemsworth erneut an Fokus und Präsenz. Unglücklicherweise ärgerte ich mich mit Abstand am meisten über Charlize Theron, die sich leider seit Jahren konsequent zur Meisterin des heillosen “Overactings” entwickelt und mindestens drei Gänge runterschalten hätte müssen, um etwas mehr Glaubwürdigkeit zu offerieren.

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Letztlich kommt der sichtbar mit hohem Budget produzierte Zweistünder daher trotz der angesprochenen, unbestreitbaren Vorzüge nicht über ein in Summe durchschnittliches Kinoerlebnis hinaus, dessen durchdachte Hülle deutlich mehr überzeugt als sein enttäuschender Kern, dennoch dürften vor allem Anhänger des Genres stellenweise auf ihre Kosten kommen. Sofern die Fortsetzung, welche Potential verschenkte, jedoch imstande ist, den verhaltenen Kritikertenor zu überwinden, halte ich es nicht für ausgeschlossen oder unverdient, dass sie in denselben beiden Oscarkategorien Berücksichtigung finden könnte wie schon der erste Teil.

USA 2016 - 114 Minuten Regie: Cedric Nicolas-Troyan Genre: Fantasy / Abenteuer / Märchen Darsteller: Chris Hemsworth, Emily Blunt, Jessica Chastain, Charlize Theron, Nick Frost, Sam Claflin, Rob Brydon, Alexandra Roach, Sheridan Smith, Colin Morgan, Niamh Walter
USA 2016 – 114 Minuten
Regie: Cedric Nicolas-Troyan
Genre: Fantasy / Abenteuer / Märchen
Darsteller: Chris Hemsworth, Emily Blunt, Jessica Chastain, Charlize Theron, Nick Frost, Sam Claflin, Rob Brydon, Alexandra Roach, Sheridan Smith, Colin Morgan, Niamh Walter
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  • Heiko

    Ich kann dir in vielen Belangen nur zustimmen, leider muss ich den Film in Gänze aber doch eine ganze Ecke schlechter bewerten, dabei fand ich den Vorgänger noch durchaus zufriedenstellend.
    In einem Punkt muss ich dir jedoch vehement widersprechen. Die darstellerische Leistung der ansonsten von mir stets hochgeschätzten Emily Blunt ist hier leider eine absolute Katastrophe. Ich konnte ihr die gefühllose Eiskönigin keine einzige Sekunde abnehmen und musste mir mehrfach ein lautes Lachen verkneifen. Das war schon beinahe zum fremdschämen.
    Das Gros der anderen Darsteller, inklusive Theron, fand ich hingegen durchaus passabel. Die einzigen Highlights des Films waren für mich, neben dem wie gewohnt wirklich tollen Score von James Newton Howard, übrigens die gemeinsamen Szenen von Sheridan Smith & Rob Brydon als sich ständig kabbelndes Zwergen"pärchen". Denen dürfte man sogar gerne einen eigenen Film gönnen. 🙂

    • Stefan T.

      Echt? Ich fand, dass Blunt ein gutes Gegengewicht zu den anderen Akteuren gebildet hat, da sie viel stärker mit Zurückhaltung agiert sowie Mimik und Gestik forciert hat, gerade weil ihre Rolle letzten Endes ja nur einen gebrochenen "Spielball" der Umstände darstellte. So stark wie gewöhnlich war sie aber natürlich nicht.

      • Heiko

        Das war vermutlich auch der Grund warum ich sie so schwach fand.
        Von Blunt war ich bisher ausnahmslos mitreißende Darstellungen gewohnt, hier wirkte sie aber auf mich extrem fade, was für einen Bösewicht natürlich den Todesstoß bedeutet. Ich habe ihr das in der Tat nicht eine Sekunde abgenommen.
        Da hat mir Charlize Therons Performance im Direktvergleich tatsächlich besser gefallen. Natürlich war das over the top, keine Frage, aber ein Disney-Villain darf auch gerne mal leicht cartoonhaft wirken, selbst in einer "ernsthaften" Verfilmung. Die beste Darstellung der bösen Stiefmutter von Schneewittchen bleibt aber natürlich nach wie vor die von Sigourney Weaver, wie ich finde.

        • Stefan T.

          Allerdings! Weaver war in der Horror-Version absolut brillant. Diese "Schneewittchen"-Variante kennen nur leider die wenigsten… Gleiches trifft auf eine TV-Verfilmung mit Miranda Richardson zu.

          • Patrick

            Sagt mal Bescheid, wenn diese im TV laufen. Hab ich bislang auch verpasst und nun habt ihr mich angefixt!

            HUNTSMAN werde ich mir aber wohl schenken, kenne den Vorgänger aber auch schon nicht und nach der schwächelnden Wertung hier, spare ich mir die Lebenszeit lieber für bessere Dinge!^^

          • Heiko

            Die Horrorvariante mit u.a. Sigourney Weaver und Sam Neill läuft in der Nacht vom 30. April auf 1. Mai um 1:00 Uhr im ZDF. Also heute in zwei Wochen! 😉

          • Stefan T.

            Whohoo! 😀
            Mein Lieblingssatz daraus: "Du scheinst zu ersticken, Kleines!" 🙂