Captain Phillips

Captain Phillips mit Tom Hanks
©Columbia Pictures

Es ist zunächst nur ein kleiner Punkt auf den Schiffsradar. Dann nähert sich das klapprige Schnellboot, auf dem sich vier ausgehungerte und schwer bewaffnete Männer befinden. Wie eine Nussschale treibt das Boot im hohen Wellengang neben dem riesigen Containerschiff.
Auf den ersten Blick sieht die Szene aus wie ein klassisches David-gegen-Goliath-Motiv, aber die Kräfteverhältnisse sind hier umgekehrt verteilt. Denn während die somalischen Piraten auf dem kleinen Boot furchtlos mit einer dünnen Leiter versuchen das Schiff zu entern, versetzt ihr Anblick Kapitän und Besatzung des amerikanischen Großfrachters in Angst und Schrecken. Um seine Crew zu schützen, bietet er sich den Piraten als Geisel an. Gleichzeitig gelingt es Mitgliedern seiner Crew das Schiff maneuvrierunfähig zu machen und sich vor den Piraten zu verstecken. Als die Erstürmung des dahintreibenden Schiffes durch Spezialeinheiten droht, entsteht eine Pattsituation, die jederzeit in einem Blutbad münden kann. Captain Philips muss versuchen, gemeinsam mit dem somalischen Piraten-Anführer Muse (Barkhad Abdi) einen Ausweg zu finden, der die Sicherheit seiner Männer ermöglicht. Dabei sind sie jedoch Kräften ausgeliefert, die jenseits ihres Einflusses liegen…

„Captain Phillips“ basiert auf wahren Ereignissen und hält sich sehr nah an den konkreten Erlebnissen des amerikanischen Kapitäns Richard Phillips (hier verkörpert durch Tom Hanks), der im April 2009 vor der ostafrikanischen Küste entführt wurde. Regisseur Paul Greengrass konzentriert sich mit einer äußerst spannungsgeladenen Erzählweise auf das Entführungsopfer als Identifikationsfigur, lässt aber dennoch den Hintergrund und die Motivationen der Kidnapper durchscheinen, ohne mit der politischen Moralkeule zu schwingen, sondern eher aus dem semidokumentarischen Anspruch heraus, den seine Filme wie „United 93“ bereits auszeichnete.

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©Columbia Pictures

Die dramatischen Szenen auf hoher See sind eine Analogie für die ökonomischen Machtverhältnisse in der Welt und die ausgemergelten Gestalten, die das Schiff kapern, spiegeln die Angstfantasien der westlichen Wohlstandsgesellschaften. Erstaunliches leisten hier die Darsteller der somalischen Piraten, die allesamt Laien sind und zum ersten Mal vor der Kamera agieren. Besonders Barkhad Abdi schafft es seiner Figur ein gerundetes Profil zu geben, die anderen Charaktere hätte man weite ausbauen können, um ihnen Tiefe zu geben. Tom Hanks überzeugt vor allem in den letzten 10 Minuten mit einer emotionalen Achterbahnfahrt, welche ihm allein eine erneute Oscarnominierung einbringen müsste. So natürlich hat man ihn nur selten spielen sehen. Ein paar Kleinigkeiten gibt es dennoch zu mäkeln: Die Wackelkamera verspricht Authentizität, ist aber doch recht ermüdend für das menschliche Auge und auch die Dramaturgie ist wenn auch stets spannend recht einseitig.

Fazot: Bei „Captain Phillips“ handelt es sich um einen fast durchgängig spannendes, authentisches und kurzweiliges Werk mit etwas Tiefgang aber nicht mit sonderlich großer Nachhaltigkeit, die ich mir von solch einem Film gewünscht hätte. Für einige Nominierungen dürfte das sehr gut inszenierte Drama aber dennoch reichen.

RO 2013 - 112 Minuten Regie: Călin Peter Netzer mit: Luminița Gheorghiu, Bogdan Dumitrache, Natasa Raab, Florin Zamfirescu Genre: Familiendrama
RO 2013 – 134 Minuten
Regie: Paul Greengrass
mit: Tom Hanks, Barkhad Abdi, Barkhad Adirahman, Catherine Keener
Genre: Action, Drama
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