American Hustle

american-hustle-2Nach seinem Boxerdrama “The Fighter” und der romantischen Komödie “Silver Linings Playbook”, begibt sich Regisseur David O. Russell nun schon mit seinem dritten Film in Folge auf Oscarkurs. Die Krimikomödie “American Hustle” gilt als großer Favorit für den begehrtesten Filmpreis der Welt und ist aktuell unter anderem für sieben Golden Globes nominiert.

Der Film ist im Jahr 1978 angesiedelt und erzählt die Geschichte des Trickbetrügers Irving Rosenfeld (Christian Bale), der zusammen mit seiner Partnerin und Liebhaberin Sydney Prosser (Amy Adams) vorwiegend gefälschte Kunstwerke verkauft. Als sie eines Tages jedoch an den FBI-Agenten Richie DiMaso (Bradley Cooper) geraten, stellt dieser das Duo vor die Wahl: Entweder helfen sie ihm dem Politiker Carmine Polito (Jeremy Renner) der  Korruption zu bezichtigen oder sie landen beide im Gefängnis. Wiederwillig gehen Irving und Sydney auf den Deal ein und tüfteln prompt zusammen mit dem FBI ein Szenario aus, bei dem sie Carmine zur Annahme von Bestechungsgeldern verführen wollen. Der Plan läuft jedoch schon bald aus dem Ruder: Denn nicht nur Irvings unberechenbare Ehefrau Rosalyn (Jennifer Lawrence) sorgt für Furore – auch die Mafia steckt auf einmal mit drin…

Die Geschichte basiert lose auf einer FBI-Operation namens ABSCAM, die sich mit der Untersuchung öffentlicher Korruption beschäftigte und die zur Verurteilung mehrerer US-Politiker führte. Gleich zu Beginn des Films hat man das Gefühl in einer wunderbaren Hommage an die 70er Jahre gelandet zu sein. Das Feeling dieser Zeit überträgt sich durch die Musik, die Ausstattung, die Kostüme und nicht zuletzt durch die Frisuren der Protagonisten perfekt auf den Zuschauer und wird durch das temporeiche Zusammenspiel von Kamera und Schnitt noch einmal kräftig unterstrichen. Auf seiner optischen Ebene ist “American Hustle” auf jeden Fall ein Genuss und erinnert an Paul Thomas Andersons “Boogie Nights”. Und obwohl David O. Russell in meinen Augen ein überbewerteter Filmemacher ist, so muss man bei seinem neusten Werk zugeben, dass es besonders seine Inszenierung ist, die positiv in Erinnerung bleibt.

american-hustle6Wodurch sich der Regisseur bisher am meisten auszeichnete, war die Führung seiner Darsteller. Dieses Können stellt Russell auch in seinem neuen Film wieder unter Beweis. Zur Erinnerung: Seine letzten beiden Filme erhielten insgesamt 7 Oscarnominierungen in den Darstellerkategorien. Am Ende konnten Christian Bale und Melissa Leo für “The Fighter, sowie Jennifer Lawrence für “Silver Linings Playbook” den Goldjungen mit nach Hause nehmen. In “American Hustle” hat David O. Russell mit Christian Bale, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Amy Adams und Robert DeNiro die Darsteller seiner letzten beiden Filme vereint und den Cast um den zweifach-Oscarnominierten Jeremy Renner ergänzt. Allein diese Riege an fantastischen Schauspielern macht den Film schon sehenswert, wobei jeder für sich einzigartig heraus sticht: Christian Bale hat sich wieder mal ein paar Pfunde angefressen und macht aus Irving Rosenfeld einen überheblichen Trickbetrüger, dessen Temperament nur schwer mit spontanen Problemen umzugehen weiß. Amy Adams zeigt sich dieses Mal außerordentlich sexy und manipulativ und kann ihrer vermeintlichen Femme fatale darüber hinaus Verletzlichkeit und Sehnsüchte entlocken, die sie zunächst hinter einer Fassade verbirgt. Jeremy Renner kann als Italo-amerikanischer Bürgermeister ebenfalls punkten und Robert DeNiro hat einen recht coolen Cameo-Auftritt als Mafiaboss.

Bradley Cooper stars as Richie Dimaso in Columbia Pictures' AMERICAN HUSTLE.Es sind aber vor allem Bradley Cooper und Jennifer Lawrence, die dem Zuschauer im Gedächtnis bleiben. Letztere hat nur sehr wenige Auftritte, aber in jeder ihrer Szenen spielt sie sich in den Mittelpunkt. Als Irvings Ehefrau Rosalyn gibt sie eine temperamentvolle Furie, die nach außen hin stark zu sein scheint und verbal richtig austeilen kann. Im Inneren ist sie jedoch verunsichert und von der Angst geleitet, dass Irving sie verlassen könnte. Lawrences Darbietung gehört zu den besten Momenten des Films und sollte auf jeden Fall in ihrer dritten Oscarnominierung gipfeln. Gleiches gilt für Bradley Cooper, der von allen Darstellern den besten Part hat. Als überambitionierter FBI-Agent ist ihm jedes Mittel Recht, um das zu bekommen, was er will. Sein Wahn, seine Unruhe und sein verzweifelter Zwang nach Anerkennung macht sich vor allem in den Dialogszenen bemerkbar, in denen die Sätze nur so aus ihm heraus geschossen kommen, weil er es kaum erwarten kann, endlich sein Ziel zu erreichen. Coopers Darstellung der Figur ist nicht nur grandios, sondern obendrein auch noch unfassbar komisch und sollte ebenfalls mit einer Oscarnominierung honoriert werden.

american hustle-3Technisch und darstellerisch ist “American Hustle” somit ganz großes Kino – inhaltlich schafft es der Film aber leider nicht, das gleiche Niveau zu erzielen. Obwohl die Dialoge zum größten Teil zwar spritzig und pointiert geschrieben sind, driftet die Hauptstory schnell ins Mittelmaß ab. Nachdem das Betrüger-Duo von Richie hochgenommen wurde, mutiert die Story im zweiten Akt der inszenierten Korruption zur spannungsarmen und belanglosen Krimikomödie. Die Geschichte bleibt dann leider in diesem Leerlauf stecken und schafft es selbst durch das Mitmischen der Mafia nicht, der Handlung die gewünschte Wendung zu geben. Obwohl die Szenen einzeln für sich relativ cool sind, wollen diese sich nicht im Gesamtbild des Films zu einer unterhaltsamen oder spannenden Story zusammenfinden, um auch den relativ präsenten Krimi-Aspekt des Films zu befriedigen. Das versöhnliche und aus meiner Sicht etwas zu konstruierte Ende verärgert den Zuschauer dann sogar ein wenig. Und da in einem Film aus meiner Sicht immer die Geschichte an erster Stelle steht, hat dieses Manko die Bewertung leider ordentlich schwächeln lassen.

Abschließend ist “American Hustle” wohl inszenatorisch und darstellerisch die bisher beste Leistung von David O. Russell. Dass er aber manchmal vergisst, seine Geschichten spannend zu verpacken, um sie vor der Trivialität zu bewahren, ist uns schon bei “The Fighter” negativ aufgefallen. “American Hustle” ist somit zwar aus technischer Sicht ein Kinoerlebnis, sollte sich aber im Rennen um den Oscar für den besten Film  des Jahres nicht mit den anderen Kontrahenten messen können.

USA 2013 - 138 Minuten Regie: David O. Russell Genre: Krimi/Drama/Komödie Darsteller: Christian Bale, Bradley Cooper, Amy Adams, Jeremy Renner, Jennifer Lawrence, Robert DeNiro, Michael Peña, Louis C.K.
USA 2013 – 138 Minuten
Regie: David O. Russell
Genre: Krimi/Drama/Komödie
Darsteller: Christian Bale, Bradley Cooper, Amy Adams, Jeremy Renner, Jennifer Lawrence, Robert DeNiro, Michael Peña, Louis C.K.

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  • Stefan T.

    Da bin ich ja echt überrascht, gerade weil ich mich eigentlich auf den Film gefreut habe, und das obwohl ich letztes Jahr wohl der Einzige war, der "Silver Linings" nahezu gar nichts abgewinnen konnte.

  • Dennis

    Ist auch nur meine Sicht der Dinge. Viele konnten ja der Story mehr abgewinnen als ich. Sieht man ja schon am ganzen Kritikerhype. Ein Freund von mir fand auch, dass es der beste Film ist, den er seit Jahren gesehen hat. Geschmäcker sind eben verschieden und ich bin mir sicher, dass viele dem Film noch einiges mehr abgewinnen können als ich. Es ist ja kein schlechter Film. Meine Wertung ist ja ein sehr gutes Mittelmaß und die Darsteller und das ganze drumherum machen auf jeden Fall Bock!

  • Dos Corazones

    Hört sich nach einem mäßig interessanten Film an – Oscar-Material in Reinform. Das ist nicht immer schlecht, aber irgendwie werde ich damit auch nicht mehr so oft warm, selbst wenn das Gesamtpaket gelungen scheint. Alleine wegen der Darstellerriege und weil ich doch gerne bei den Oscars mitraten möchte, werde ich den Film wohl im Kino sehen – mal schauen.

  • Patrick

    MIt Freunden habe ich mich gleich auf die Kritik gestürzt und bin dann doch etwas ernüchtert. Die ersten 2/3 lesen sich wie ein richtig guter Film, aber habe auch schon gehört, dass gerade das Drehbuch der Schwachpunkt sien soll und Du bestätigst es ja auch. Schade, aber gehört für mich auch zum Pflichtprogramm und ich hoffe ich kann ihm doch noch etwas mehr abgewinnen. Da wir aber das letzte Jahr bis auf einem Film immer gleich Empfunden haben, hege ich etwas meine Zweifel. Schauen wir mal! ^^

  • Stefan T.

    Stimme dir zu, von mir gibt es auch nur 6 / 10. Wackeliges Drehbuch, keine besondere Regieleistung, aber interessante Thematik mit einigen witzigen Momenten, tolle Darstellungen von Renner und vor allem Adams, grandiose Frisuren. Lawrence agierte in Ordnung, mehr nicht.

  • Heidi

    Kann mich dem Grundtenor hier auch anschließen: die schauspielerischen Leistungen sind gut, auch manche Dialoge können überzeugen, aber die Story selbst….
    Auf mich macht es den Eindruck, als würde O. Russell zuviel wollen, zuviel in diese Geschichte hineinpacken. Am meisten hat mich der tw. dauerplappernde Off-Kommentar genervt. Es wird einfach zuviel erzählt.

    Mag O. Russell, halte ihn für einen guten Filmemacher, war begeistert von "Silver Linings", aber hier hat er sich zuviel vorgenommen.

  • Maik

    Der Film ist für mich, genau wie Wolf of Wall Street, mehr oder weniger eine Satire. Die überspitzte Darstellung der Figuren und Konstellationen gelingt sehr gut, die Dialoge haben für mich mehr Wert und mehr Tiefe als im Wolf. Ebenso witzig und unterhaltsam aber emotionaler und tiefgängiger. Der Film funktioniert einfach auf viel mehr Ebenenen und zeigt uns, dass der ganze Bullshit und Cheat da draußen nicht nur in der Wirtschaft sitzt, sondern auch bei der Exekutive, der Legislative und vor allem auch in den Wohnzimmern des kleinen Mannes. Eindeutig der besere Film gegenüber dem Wolf!!! Und das haben auch diverse Academys – allen voran der BAFTA – erkannt. In der Menge bessere Darsteller, besseres Script und die Regieleistung ist ja wohl ohne Frage brillant. Hätte ein Tarantino diesen Film gemacht würde hier keiner so reden. Ärgerlich!

  • IT Outsourcing Dalla

    Da bin ich ja echt überrascht, gerade weil ich mich eigentlich auf den Film gefreut habe, und das obwohl ich letztes Jahr wohl der Einzige war, der "Silver Linings" nahezu gar nichts abgewinnen konnte.