Erlöse uns von dem Bösen (OT: Deliver us from Evil)

Erlöse uns von dem Bösen

Ralph Sarchie (Eric Bana) ist Polizist in New York und ermittelt in drei Fällen: Eine Mutter, die ihr Kind in ein Löwengehege wirft; Einem Haus, in dem es angeblich spukt und in dessen Keller er eine Leiche findet und in einem Fall häuslicher Gewalt. Drei Fälle, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, doch Sarchie entdeckt Zusammenhänge und muss sich im Laufe der Zeit eingestehen, dass hier übermenschliche (dämonische) Kräfte wirken. Dabei beschäftigt er sich so sehr mit der Arbeit, dass sich Frau und Kind von ihm vernachlässigt fühlen…
Der Film zieht alle typischen Register des Horrorfilms: Ausgehende Lichter, Geräusche und Stimmen aus dem Dunkeln, Gesichter die direkt in die Kamera blicken, besessene Menschen und religiöse Psalme. Für etwas Auflockerung sorgt Sarchies Kollege Buttler, der im Film allein die Funktion hat, das Geschehen mit lockeren, witzigen Kommentaren leichter verdaulich zu machen. In allen Szenen, die wirklich Spannung aufbauen sollen, verzichtet der Film vollständig auf diesen Charakter. Zu erwähnen wäre noch der Priester Mendoza, der vortrefflich von Edgar Ramírez (Carlos – Der Schakal) verkörpert wird, der nach „The Counselor“ zum 2. Mal als ein Pater besetzt wird, und der Sarchie allmählich davon überzeugt, dass er es in seinem Fällen mit dem „primären Bösen“ zu tun hat.

Auch wenn 3 Handlungsstränge gezogen werden, durchschaut ein geübter Zuschauer, schneller den Zusammenhang als die Hauptfigur Überraschungsmomente bleiben, zumindest von der Geschichte her, kaum. Problem ist leider auch, dass trotz ausführlicher Einführung des Charakters, die Angst um sein Leben beim Zuschauer ausbleibt. Etwas sympathischere Charakterzüge hätte Eric Banas Figur gut getan. Technisch ist es ein guter Film, der aber weder durch Story, noch durch seine Charaktere, noch durch die Atmosphäre komplett überzeugen kann, aber in gewissen Abschnitten zur Höchstform aufläuft und eigentlich eine höhere Wertung verdient hätte.

Da wäre zum Beispiel die dämonische Austreibung, die vor allem in den ersten 4 Phasen des Exorzismus absolut schockiert, fesselt und von einer darstellerischen und inszenatorischen Wucht ist, wie ich sie in diesem Genre sehr lange nicht mehr empfunden habe. Oder man nehme die Szene, in der im Kinderzimmer eines der Kuscheltiere aus dem Regal fällt, um dann nach und nach auf das Kind zu zurollen. Brillant.
Als Horrorfilm weiß er in solchen Momenten gut zu erschrecken, doch ein guter Horrorfilm sollen einen packen und immer wieder Heimsuchen. Man sollte Angst um die Figuren haben, einen in eine gewisse Grundstimmung der Unbehaglichkeit fallenlassen und wenn möglich das Gefühl bei mir auslösen, dass sich das Gezeigte auch in der Realität so abspielen könnte. Da hilft auch nicht die Einblendung, dass der Film auf Erinnerungen eines New Yorker Polizisten basiere. Ein Dämon ist nun mal böse und lässt keinen weiteren Spielraum zu. Das spart die Mühe, seine Handlungen zu motivieren. Erschafft aber leider auch einen gänzlich uninteressanten Gegenspieler. Der gelungene Exorzismus ist als Showdown dann auch irgendwie zu wenig.

Insgesamt handelt es sich bei „Erlöse uns von dem Bösen“ um einen Horrorthrilller, der sich nicht entscheiden kann, ob er Horrorfilm oder Thriller sein möchte und brillante an eher schwache Szenen reiht. Handwerklich kann dasselbe attestiert werden. Darstellerisch sticht vor allem Edgar Ramírez heraus, aber auch Olivia Munn und Eric Bana können mit einigen sehr gut gespielten Szenen aufwarten. Der Ansatz den Hauptfiguren mehr Raum für Tiefe zu geben, möchte ich ebenfalls positive in die Endwertung einfließen lassen. Schade nur, dass man wie zuletzt bei „Conjuring“ sich nicht für eine Richtung entscheiden konnte und das letzte Drittel mit einem Exorzismus füllt. Auch wenn diese Handwerklich gut gemacht und gespielt sind, wäre an dieser Stelle weniger mehr gewesen, meiner Meinung nach. So bleiben einem am Ende nur einzelne Szenen, als der gesamte Film in positive Erinnerung. Schade. Der Ansatz war gut.

USA 2013 - 117 Minuten Regie: Jean-Marc Vallée Genre: Drama / Filmbiographie Darsteller: Matthew McConaughey, Jared Leto, Jennifer Garner, Denis O’Hare, Steve Zahn, Dallas Roberts
USA 2014 – 118 Minuten
Regie: Scott Derrickson
Genre: Crime / Horror / Thriller
Darsteller: Eric Bana, Olivia Munn, Edgar Ramírez, Chris Coy
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  • Luisa

    paddy wie immer eine sehr gute und vorallem bildlich geschriebene rezension. dass es letztlich nur für 5,5 pkt gereicht hat, hat mich jedoch etwas überrascht…nach deiner krtik zu urteilen hätte ich 6-6,5 geschätzt. bin daher unentschlossen ob es sich lohnt den film anzuschauen da wir ja so ziemlich immer dieselbe meinung zu einem film haben

    • Stefan T.

      Ich habe jedenfalls überwiegend berauschende Worte darüber gehört!

    • Patrick

      Ja, ich habe auch überlegt auf 6-6,5/10 zu gehen, denn wie gesagt Teike waren wirklich sehr sehr gut, aber in seiner Komplettheit wirkt er wie Zusammengewürfelt und nicht stringend, so dass ich mich für eine knapp über dem Durchschnitt liegende Bewertung entschlossen habe. Er ist aber größtenteils mehr Thriller als Horror. Unterhaltsam fand ich ihn aber auf alle Fälle. Teste ihn aus und berichte mal!