Broadchurch – Staffel 2

Broadchurch Season 2


Nach der genialen 1. “Broadchurch”-Staffel und dem leider etwas schlechteren Remake “Gracepoint” hatte ich mich bereits extrem auf die nächste Runde der Originalserie gefreut. Gleichzeitig hatte ich aber auch leichte Magenschmerzen, da ich nicht wusste wie Serienschöpfer Chris Chibnall mit dem Plot weiter verfahren würde. Denn das Ende der ersten Staffel gehört mit zu den schockierendsten und emotionalsten, die ich kenne und meine größte Befürchtung war, dass es nach dem gelösten Fall einfach mit business as usual weitergeht. Doch gottseidank tut es das nicht, Staffel 2 knüpft vielmehr fast nahtlos an die vorherige an.

Zum Inhalt kann ich allerdings nicht viel verraten, ohne die Auflösung aus Staffel 1 zu spoilern. Nur soviel, Staffel 2 spielt etwa ein halbes Jahr nach dem vorhergehenden Staffelfinale und dreht sich in erster Linie um den Strafprozess nach dem Tod des 11-jährigen Danny Latimer. Hinzu kommt ein Nebenplot, in dem man mehr über DI Hardys Versagen in einem früheren (bereits in Staffel 1 angedeuteten) Mordfall und neueste Entwicklungen rund um diesen erfährt.

Den Rest sollte man sich einfach selbst anschauen, es lohnt auf jeden Fall! Chibnall, der zuvor bereits als Autor bei “Doctor Who” und “Torchwood” einige Aufmerksamkeit erregen konnte, beweist hier einmal mehr, dass er zu den derzeit talentiertesten britischen Serienautoren gehört. Er pfeift nämlich gerne mal auf diverse gängige Storytelling-Konventionen und serviert dem Zuschauer damit manchmal höchst unbequeme, aber in jedem Falle durchaus realistische Krimikost, die noch lange nachhallt. Zudem wirft er einen glaubhaften und stellenweise schon fast nüchternen Blick auf die britische Gerichtsbarkeit, die ansonsten, ähnlich wie die amerikanische, auch gerne mal etwas reißerisch aufgemacht wird.
Ein weiteres Plus ist, dass man wie bei Staffel 1 definitiv bis zum Ende nicht weiß wie die einzelnen Figuren genau ticken. Es gibt bei ihm keine Stereotypen deren Charakter man bereits nach 10 Sekunden zur Gänze erfasst hat. Beinahe jede auftretende Person hat undurchschaubare Geheimnisse, innere Dämonen oder nicht offensichtliche Charakterzüge, die sich erst nach und nach offenbaren und so die Spannung auf einem konstant hohen Level halten, geniale Twists inklusive.

Die wichtigsten (noch lebenden) Figuren aus der vorigen Staffel sind natürlich auch hier wieder alle dabei, allen voran David Tennant und Olivia Colman (als Detective Inspector Alec Hardy und Detective Sergeant Ellie Miller), Jodie Whittaker und Andrew Buchan (als Beth und Mark Latimer), sowie Arthur Darvill als Reverend Coates. Neu hinzu kommen u.a. Charlotte Rampling als ausgebrannte aber einstmals außergewöhnliche Kronanwältin, die nach langem Drängen die Anklage der Latimers führt, Marianne Jean-Baptiste, eine nicht minder erfahrene Kronanwältin, die die Verteidigung der Gegenseite vertritt, Meera Syal als Richterin Sharma, Eve Myles als ehemalige Zeugin in DI Hardys Sandbrook-Mordfall, sowie James D’Arcy als deren unberechenbarer Ex-Mann.
Der Cast ist wohl insbesondere für “Doctor Who”- und “Torchwood”-Fans ein Hochgenuss, da speziell in dieser Staffel gleich vier der Hauptpersonen mehr oder weniger wichtige Rollen in diesem Serienuniversum hatten und sich hier erneut von einer völlig anderen Seite zeigen können.

Dachte ich bereits dass Staffel 1 an Dramatik und Traurigkeit nicht mehr zu überbieten wäre, so legt Chibnall hier noch mal eine weitere Schippe drauf. “Broadchurch” ist und bleibt daher weiterhin nichts für Zartbesaitete, man wird erneut einem heftigen Schleudergang der Gefühle ausgesetzt, speziell in dem intensiven Gerichtsverfahren. Wer also nah am Wasser gebaut ist, sollte sich zuvor mit einer Jumbopackung Taschentücher ausstatten, sie wird am Ende definitiv aufgebraucht sein.


GB – 2015 – 8 Episoden je 50 Min.
Idee & Buch: Chris Chibnall
Regie: James Strong, Jessica Hobbs, Euros Lyn
mit David Tennant, Olivia Colman, Jodie Whittaker, Andrew Buchan, Charlotte Rampling, Marianne Jean-Baptiste, Arthur Darvill, James D’Arcy, Eve Myles, Meera Syal, Pauline Quirke, Jonathan Bailey, Matthew Gravelle, Carolyn Pickles, Phoebe Waller-Bridge, Simone McAullay, Lucy Cohu, Amanda Drew, Shaun Dooley & Eliza Bennett
Genre: Drama/Krimi

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Reviews, Serien. Fügen Sie den permalink zu Ihren Favoriten hinzu.
  • Patrick

    Hach… toll, wie wir beide in völligen Einklang sind bei dieser Serie! Ein wirklich ganz großer Wurf, den ich nur jedem wärmstens empfehlen kann und wer nach Tyrannosaur & Co. noch kein Fan von Colman war, ist es spätestens nach Broadchurch! Ganz groß!