The First Avenger: Civil War

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Marvel hat seine Antwort auf DC’s Batman v Superman raus gehauen und lässt im dritten Captain America-Film den Titelhelden gegen seinen Verbündeten Iron Man antreten. Was taugt das neueste Comic-Abenteuer aus dem Marvel-Universe?

Die Welt betrachtet die Avengers mit kritischen Augen: Obwohl die Superhelden-Truppe eigentlich die Menschen vor Gefahren beschützen will, sterben bei ihren Einsätzen immer wieder zahlreiche unschuldige Menschen. Die UN will dem einen Riegel vorschieben und die Avengers von einer Privatorganisation in eine staatliche umwandeln, die nur auf Befehl der UN agieren darf. Dieses Abkommen spaltet die Avengers in zwei geteilte Lager: Während Tony Stark (Robert Downey, jr.) dem Verlangen der UN beipflichtet, um weitere Kollateralschäden zu verhindern, wehrt sich Steve Rogers (Chris Evans) vehement dagegen, dass die Avengers künftig von Politikern geführt werden. Nachdem der Winter Soldier und Rogers’ einstiger Freund Bucky Barnes (Sebastian Stan) daraufhin auch noch für ein Bomben-Attentat auf den UN-Rat in Wien als Hauptverdächtiger gilt, spitzt sich der Konflikt zwischen den beiden Superhelden zu. Und auch der Rest der Avengers muss sich für eine Seite entscheiden…

Eines vorab (und ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich sowas einmal sagen werde): Aber Marvel hat mit seinem neuesten Action-Abenteuer alles richtig gemacht, was DC nur einen Monat zuvor gegen die Wand gefahren hat. Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein großer Freund des Marvel-Kinouniversums bin. Der zweite Teil von Captain America, sowie der im letzten Sommer erschienene Ant-Man stimmten mich diesbezüglich jedoch etwas wohlwollender und machten mich zugegebenermaßen neugierig auf das Superhelden-Gipfeltreffen in Civil War, das sogar den Rahmen sämtlicher Avengers-Filme sprengt.

Foto: Marvel/Disney
Foto: Marvel/Disney

Zur Story sei gesagt, dass diese fantastisch ist und, trotz der Überfülle an Superhelden, jeder den Erzählraum bekommt, den er auch benötigt. Das, was ich immer an den Marvelfilmen kritisiert habe, wird hier jetzt endlich als Konfliktthema zwischen den Helden behandelt: Die totale sinnlose und unübersichtliche Zerstörung von Großstädten und die unschuldigen Menschen, die dabei ihr Leben lassen mussten. Ob man diesen Umstand in Kauf nimmt, um Schlimmeres zu verhindern, ist die zentrale moralische Frage, die nicht nur den Zuschauer grübeln lässt. Der Zwiespalt zwischen den Avengers ist somit völlig nachvollziehbar, da jeder tatsächlich denkt, dass er richtig handelt. Dieser Konflikt spitzt sich mit der Zeit immer mehr zu, bleibt im Storyverlauf äußerst spannend und entwickelt sich durch einen Twist am Ende auch noch zu einer persönlichen Fehde zwischen Cap und Iron Man. Auch die Kernstory um den Winter Soldier Bucky Barnes und dem Bösewicht Zemo (Daniel Brühl), der sich aus diversen Gründen an den Avengers und an H.Y.D.R.A. rächen will, sorgt für weitere Meinungsverschiedenheiten im Team. Das Konfliktpotential ist also enorm hoch.

Die Filmemacher schaffen es sogar in der ganzen Masse noch ihren neuen Superhelden Black Panther (Chadwick Boseman) in einer zentralen Rolle der Story einzuführen, ohne, dass der Film überladen wird. Lediglich die Auftritte von Spider-Man (Tom Holland) und Ant-Man (Paul Rudd) wirken etwas konstruiert, was jedoch leicht zu verkraften ist, da sie in ihren Szenen unfassbar großen Unterhaltungswert besitzen. Streng genommen ist Spideys Auftritt eigentlich ein Teasertrailer auf den kommenden Film und das funktioniert ausgezeichnet. Das inhaltliche Gesamtbild ist also nahezu perfekt und ein wahrer Genuss für alle Comicfilm-Fans. Wer Angst hat, dass die Masse an Superhelden dem Film nur schaden dürfte, der kann sich entspannen: Marvel hat in in den letzten 8 Jahren jeden dieser Charaktere einzeln nach und nach aufgebaut, um sich hier voll und ganz auf die Story konzentrieren zu können. Genau das, was BvS letzten Monat versäumt hatte, weil sie zu übereifrig ins Rennen wollten.

Foto: Marvel/Disney
Foto: Marvel/Disney

Mein sonst größter Kritikpunkt bei Marvel ist dieses Mal einer meiner Favoriten: die Action! Die Regie-Brüder Anthony und Joe Russo haben sich völlig von übertriebenen Zerstörungsorgien verabschiedet und die beiden John Wick-Filmemacher Chad Stahelski und David Leitch als Second Unit Regisseure ins Boot geholt, um der Action einen neuen Anstrich zu verleihen. Das Ergebnis sind wohl dosierte und fabelhaft inszenierte Actionszenen mit den besten Kampfsequenzen des ganzen Marvel-Universums.

Da die Russo-Brüder schon den Vorgänger inszeniert und mit Civil War jetzt meinen aktuellen Marvel-Favoriten ins Kino gebracht haben, freue ich mich wohl erstmals auch auf einen neuen Avengers-Film: Da ersetzen sie nämlich künftig Joss Whedon auf dem Regiestuhl und führen die ausgezeichnete Balance zwischen Story und Action hoffentlich fort. Civil War birgt unglaublich großen Unterhaltungswert und erzählt eine nachvollziehbare und spannende Geschichte im aufregenden Actiongewand. Im Kern schlägt der Film sehr ernste Töne an, vergisst dabei aber auch nicht den von Fans so geliebten Humor in wohl dosierter Form mit einzubringen. So muss gutes Blockbuster-Kino aussehen. Bravo!

Zur Info: Wie immer solltet ihr am Ende wieder bis nach dem Abspann sitzen bleiben. Leute mit Sitzfleisch werden wieder mit zwei Post-Credit-Scenes belohnt.

USA 2016 – 148 Minuten Regie: Anthony Russo, Joe Russo Genre: Action, Comicfilm Darsteller: Chris Evans, Robert Downey, jr., Scarlett Johansson, Sebastian Stan, Anthony Mackie, Paul Bettany, Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Chadwick Boseman, Paul Rudd, Daniel Brühl, Tom Holland, Don Cheadle, William Hurt, Martin Freeman, Marisa Tomei
USA 2016 – 148 Minuten
Regie: Anthony Russo, Joe Russo
Genre: Action, Comicfilm
Darsteller: Chris Evans, Robert Downey, jr., Scarlett Johansson, Sebastian Stan, Anthony Mackie, Paul Bettany, Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Chadwick Boseman, Paul Rudd, Daniel Brühl, Tom Holland, Don Cheadle, William Hurt, Martin Freeman, Marisa Tomei
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One Response to The First Avenger: Civil War

  1. Patrick sagt:

    Holla, damit hab ich nun nicht gerechnet! Dann geb ich dem wohl ne Chance! Wir stimmen im Marvel-Universum ja auch eigentlich immer überein, also warum nicht auch hier?^^

    Aber sagt mal wie wichtig ist die Kenntnis der beiden zuvorigen Captain America-Filme?

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