La La Land

Das ist er also, der große Favorit der Awardseason, der die alten Hollywood-Musicals wieder aufleben lassen soll und am vergangenen Montag neben den zahlreichen Kritikerpreisen satte 7 Golden Globes einheimsen konnte – ein neuer Rekord im übrigen! Nach all den Vorschusslorbeeren stellt sich natürlich unweigerlich die Frage, ob er dem Hype gerecht wird?

In Damien Chazelles drittem Spielfilm stehen mit Mia und Sebastian zwei hoffnungslose Träumer im Fokus, die in Los Angelos versuchen als Schauspielerin bzw. als Jazz-Pianist einen Namen zu machen. Die Beiden scheinen Seelenverwandte zu sein und verlieben sich unsterblich ineinander, doch der Erfolgsdruck und die unterschiedlich laufenden Karrieren sorgen dafür, dass ihr Gefühle füreinander stark in Mitleidenschaft gezogen werden, so dass die Basis ihrer Beziehung sie gleichzeitig auch auseinander zu treiben droht…

Von der ersten Grundidee bis zur Fertigstellung des Films dauerte es satte 6 Jahre. Es war hauptsächlich die wenige Regierfahrung, die Regisseur Damien Chazelle dazu zwang, sich einem kleineren Projekt zu widmen namens “Whiplash”, die seine zweite Regiearbeit markieren sollte.  Nach dem durchschlagenden Erfolg des Films, vor allem aus künstlerischer Sicht (5 Oscarnominierungen inkl. 3 Siege) standen Geldgeber und Darsteller Schlange für das Projekt. Für das Drehbuch war der Regisseur abermals selbst verantwortlich. Für die beiden Hauptrollen war wieder Whiplash-Protagnoist Miles Teller angedacht und Emma Watson, doch nachdem andere Projekte die beiden Jungdarsteller dazu zwangen das Musical “La La Land” zu verlassen, wurden sie von Emma Stone (“The Help”, “Birdman”) und Ryan Gosling (“Half Nelson”, “Drive”) ersetzt. Davon, dass die beiden eine hervorragende Chemie miteinander besitzen, konnte man sich bereits in “Crazy, Stupid, Love”und “Gangster Squad” überzeugen, in welchen sie ebenfalls ein Liebespaar mimten, doch nie funktionierte die Stimmung zwischen ihnen so gut wie hier.

Auf den 73. Filmfestspielen von Venedig im Jahr 2016 wurde Emma Stone für ihre Darstellung in La La Land zur besten Darstellerin gekürt. Es folgte 2017 der Golden Globe als “Beste Darstellerin in einem Musical  oder Komödie”. Auch Ryan Gosling gelang es den Golden Globe einzuheimsen. Weitere 5 Golden Globes folgten für “Bester Film” (Musical oder Comedy), “Beste Regie” und “Bestes Drehbuch” (beides Damien Chazelle), “Beste Filmmusik” und “Bester Song” (City of Stars).

“La La Land” ist ganz eindeutig als eine Hommage an die Musical-Verfilmungen vergangener Epochen zu verstehen. Der Geist von Gene Kelly, Fred Astaire und Ginger Rogers schwingt deutlich in vielen Szenen mit, aber beinhalten immer etwas eigenständiges bei. Die Musikstücke wurden für allesamt neu komponiert. Ein Unterfangen was es in Hollywood so seit “All that Jazz” nicht mehr gegeben hat und der ist immerhin schon 36 Jahre her. Von den zahlreichen meisterlichen Kompositionen seien besonders “City of Stars” und “Audition” zu erwähnen, die beide auf Oscarliebe stoßen sollten und zwei sehr starke Szenen im Film bilden. Bei Letzterem darf vor allem Emma Stone zeigen, dass sie nicht ohne Grund zu DEN aufstrebenden Jungstars der Filmfabrik zählt und man sie bei der diesjährigen Oscarvergabe definitiv auf dem Zettel haben sollte. Aber nicht die beiden Protagonisten sind es, die der eigentliche Star des Films sind, sondern die umwerfende Regiearbeit von Damien Chazelle. Wer sich hier fallen lassen kann, wird wundervolle 2 Stunden erleben, die wie im Flug vergehen und man immer wieder von der Kreativität dieses Mannes überrascht und verzaubert wird. Melancholische Tagträume treffen auf Jazz und Musical und Klassik auf Moderne.

Das irgendwann Träume auf die Realität treffen ist ein weiterer Geniestreich, den viele Filme dieses Genres vermissen lassen. Chazelle gelingt auch dies mit anscheinder Leichtigkeit, aber mit nachhallender Wirkung. Wer sich in “La La Land” nicht verliebt und etwas melancholisch das Lichtspielhaus verlässt, der scheint das Träumen verlernt zu haben. Denn wo kann man besser Träumen als im Kino? Da stört es wenig, dass nicht jede Choreografie perfekt sitzt oder jede Note exakt getroffen wird – im Herzen wirkt dann doch irgendwie am Ende alles perfekt.

 USA 2016 – 128 Minuten
Regie: Damien Chazelle
Genre: Musical / Romanze
Darsteller: Emme Stone, Ryan Gosling, J.K. Simmons, John Legend, Rosemarie DeWitt, u.a.

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  • kaik

    Wirklich super der Film, 9/10 – im Mittelteil gab es ein paar Längen, daher nicht 10. Aber schon irgendwie eine Revolution des Musicalfilms – wie kann man dieses angestaubte Genre in die Realität bringen. Chazelle hats geschafft. Film und Regie sollten auf jeden Fall den Oscar bekommen.

  • Obwohl ich nicht der mega Musical Fan bin (im Kino, live ja) hat dieser Film mich total gerührt. Die Chemie zwischen Stone und Gosling ist hervorragend, die Musik überzeugt vor allem durch die leisen Töne und wundervollen Texte. Vor allem der "Audition Song" & "City of Stars" treffen den richtigen Ton (bildhafte Sprache, rührend, aber nicht kitschig).

    Das Ende rundet den Film passend ab- und stellt eine Frage an Hollywood: Was ist ein Happy End?

    Paddy: 9/10 absolut gerechtfertigt 🙂