Heute bin ich blond

Heute bin ich blond

Wie verhält man sich, wenn jemand vor einem sitzt und man aus seinem Mund hören muss, dass man Krebs hat und es sich zudem um eine sehr aggressive Art handelt, bei der die Überlebenschance nur um die 15% liegt? Welche Gedanken schießen einem da durch den Kopf? Wird man in Mitleid versinken und nur noch schwer Luft kriegen oder plötzlich voller Lebensfreude sprühen? Ist der einzige Gedanken nur noch: Krebs, oder fängt dann das Leben erst gerade an? Diese Fragen muss sich auch Sophie stellen, denn plötzlich wird die lebensfrohe 21-Jährige genau mit dieser Krankheit konfrontiert. Sie hat doch noch so viel vor! Wieso gerade sie? Schnell merkt sie, dass man sich sein Schicksal nicht aussuchen – aber ändern kann. Trotz Schmerzen, Chemotherapie und Angst verlässt sie nicht der Lebensmut. Gerade jetzt kämpft sie erst recht. Um nicht immer an die Krankheit denken zu müssen, besorgt sie sich verschiedene Perücken. Unter jeder fühlt sie sich wie ein anderer Mensch und genauso verhält sie sich auch. Sie geht raus, verwandelt sich und genießt die Augenblicke. Dennoch muss sie feststellen, dass alle Verwandlung ihre Krankheit nicht ungeschehen macht..Der Film basiert auf den Erfahrungen einer jungen Krebspatientin und ihrem Umgang mit ihrer Krankheit. Sie hat mithilfe von 9 Perücken neue Persönlichkeiten bzw. teile ihrer Selbst geschaffen bzw. hervorgehoben, um der Krankheit entgegenzutreten und genau diese Authentizität der literarischen Vorlage hat Regisseur Marc Rothemund (oscarnominiert für Sophie Scholl – Die letzten Tage) geschafft in der Verfilmung beizubehalten. Großes Lob an dieser Stelle an die guten bis sehr guten darstellerischen Leistungen, vor allem Jasmin Gerat hat in ihrer kurzen Screentime eine beachtliche Leistung als Todgeweite abgeliefert, die noch lange nachwirkt. Hauptdarstellerin Lisa Tomachewsky schafft es nach einem etwas holprigen Start schnell in die Rolle reinzuwachsen und kann vor allem in für uns schwerer nachvollziehbaren Handlungen auftrumpfen. David Rott empfiehlt sich mit einer sensiblen, einfühlsamen Darstellung als treuer Freund Sophies für diverse Frauenschwarmrollen. Der junge Pfleger Bastian macht als aufheiternder Sidekick ebenso eine gute Figur, wie der etwas unterkühlte aber dennoch liebenswerte Arzt Dr. Friedrich Leonard (Gerald Alexander Held) oder ihre beste Freundin Annabel (Karoline Teska).

Auch auf der technischen Seite, sei es der Schnitt, die Kamera- und Dialogführung als auch die musikalische Untermalung, kann der Film punkten und ist als Gesamtpaket ein beachtlich guter Film geworden bei dem nahezu alles richtig gemacht wurde. Meine Empfehlung zwischen all den mauen Filmen zur Zeit und wer glaubt den Verlauf des Films bereits zu ahnen, dem sei gesagt, dass er sich irrt, welches zu der 2. großen Stärke neben der hohen Authentizität zählt!

Wertung75

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  • Luisa

    sehr schön geschrieben paddy und der film klingt sehr interessant und auch danach, dasss der film nicht die ernshaftigkeit von "beim leben meiner schwester hat" sondern mit humor ein wenig aufgelockert wurde?! ist das so richtig? dann würde ich mir diesen sofort anschauen