Eden (2006)

FFLU Eden Review


Der stark beleibte Gregor (Josef Ostendorf) ist Koch aus Leidenschaft. Mehr noch, er ist sozusagen der Jean-Baptiste Grenouille der lukullischen Genüsse. Was er in der Küche anfasst und verarbeitet wird nicht nur ein gewöhnliches Essen. Es wird ein Fest für alle Sinne, ein orgastisches Gaumenerlebnis, das Paradies auf Erden.

Doch wenn er mal nicht gerade in der Küche steht beobachtet er gerne Frauen. Sein momentanes Objekt der Begierde ist die Kellnerin Eden (Charlotte Roche). Als er eines Tages Edens 4-jährige Tochter Leonie (Leonie Stepp), die das Down-Syndrom hat, aus einem Brunnen im Park rettet, lädt sie ihn aus Dankbarkeit zu Leonies anstehendem Geburtstag ein. Gregor backt ihr dafür eine Torte mit Pralinendekoration von der Leonie nicht genug kriegen und nur unter erheblichem Getose davon ferngehalten werden kann. Als Eden aus Neugier eine der Pralinen probiert ist es auch um sie sofort geschehen. Am nächsten Tag steht Eden vor Gregors Tür und bettelt förmlich um Nachschub, da die Pralinen ihr Leben verändert hätten. Doch diese waren Unikate. Gregor kocht darauf für Eden, was diese regelrecht in sich aufsaugt.
Und so treffen sie sich fortan jeden Dienstag, an denen Gregor kocht und Eden begeistert isst, während ihr Mann Xaver (Devid Striesow) mit seinen Kumpels die Stripbar der Stadt unsicher macht. Durch die aphrodisierenden Essorgien kommt jedoch Edens Liebesleben mit Xaver nach und nach wieder in Schwung. Je näher Gregor Eden Woche für Woche kulinarisch auch kommt, desto weiter entfernt sie sich aber von ihm. Als Xaver eines Tages von den heimlichen Treffen seiner Frau erfährt, ist die wieder neu entflammte Beziehung daher erneut in Gefahr. …

“Eden” ist ein äußerst sinnlicher Film über die “cucina erotica” und das Leben. Selten war ein Film erotischer “obwohl” es hauptsächlich “nur” ums Essen geht. Jutta Pohlmann findet dafür unfassbar schöne Bilder, man möchte als Zuschauer am liebsten direkt in die Leinwand kriechen und selbst Teil der Küchenszenerie werden. Vergleichbares hat man zuletzt wohl nur in der Serie “Hannibal” mit Mads Mikkelsen gesehen. Der Film ist über weite Strecken sehr witzig gehalten, pflegt aber auch auf subtile Art einen konstant melodramatischen Unterton. Das Ende ist zudem herrlich fies und “gerecht”.

Wer gerne gut ist und ebenso gerne gute Filme schaut ist bei “Eden” absolut richtig aufgehoben.
In diesem Sinne: Bon Appétit!


D / CH – 2006 – 1 Std. 43 Min.
Regie: Michael Hofmann
mit Josef Ostendorf, Charlotte Roche, Devid Striesow, Leonie Stepp, Max Rüdlinger & Manfred Zapatka
Genre: Drama, Romanze

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