Film des Monats: Halloween – Die Nacht des Grauens (1978)

© Warner-Columbia

Seine Augen sind die eines Teufels. 15 Jahre lang hat der Psychiater Dr. Sam Loomis (Donald Pleasence) versucht in die Psyche von Michael Myers vorzudringen, der im zarten Alter von 6 Jahren in einer Halloween Nacht auf seine Schwester eingestochen hat. Seitdem saß er in einer geschlossenen Anstalt und wartete geduldig auf diese Nacht, in der er die Chance zur Flucht wahrnahm, um zurück nach Haddonfield zu kehren und seien Bluttat zu vollenden…
40 Jahre ist es nun her, dass der John Carpenter Klassiker „Halloween – Die Nacht des Grauens“ in die Kinos kam und eine riesige Welle an Horrorfilmen und Serienkillern hervorgebracht hat. Der mit gerade mal 325.000 Dollar budgetierte Film erspielte weltweit über 100 Mio. Dollar ein (bzw. alleine in den USA 47 Mio. Dollar) und führte bis „Blair Witch Project“ 1999 die Liste der kommerziell erfolgreichste Film im Verhältnis von Budget und Einspielergebnis an. Bis heute hat die Reihe nichts an ihrer Faszination verloren, wie man an dem aktuellen Teil der Reihe sieht, der zur Zeit weltweit an der Spitze der Kinocharts steht und das obwohl die Filmreihe qualitativ gesehen sehr wechselhaft ist und keiner an das Original von 1978 heranreicht.

Neben Janet Leighs und Tony Curtis Tochter Jamie Lee ist es vor allem dem faszinierenden Score vom Ur-Regisseur John Carpenter  zu verdanken, dass Halloween noch immer so gut funktioniert. Vor allem die Eröffnungsszene gehört mit zu den Besten, die jemals in einem Horrorfilm zu sehen war und das bzw. gerade wegen der Schlichtheit der Inszenierung: Die subjektive Kamera, die um das Haus schleicht, die wenigen unaufhörlich wiederholenden Tonfolgen, die eine innere Anspannung verursachen, die Positionierung des Zuschauers den Blick des Killers zu folgen, um erst am Ende der Szene seine grausame Wucht zu offenbaren – einfach genial und gehört zum Basisreportoire in filmwissenschaftlichen Diskursen (an den Unis).

© Warner-Columbia

Auch lassen sich am Beispiel von „Halloween“ wunderbar Motive ablesen die später als (ungeschriebene) Gesetze für Horrorfilme gelten sollten und die so herrlich in Wes Cravens „Scream“ parodiert werden, wie z.B., dass diejenigen zum Opfer werden, die sich ihren fleischlichen Gelüsten hingeben. Wer wie Laurie Strode Außenseiterin ist, die sich lieber mit Büchern beschäftigt als mit Jungs, die hat eine erhöhte Chance zu überleben. Auch sollte man als Figur in einem Horrorfilm niemals den Raum verlassen und ankündigen, dass man wiederkommen werde, denn das gleicht einem Todesurteil.

Diese Regeln prägte „Halloween“ demnach genauso, wie die des Mythos um den „schwarzen Mann“ (im O-Ton „Bogeyman), dessen Anblick man nie zu Gesicht bekommt und der unweigerlich den Tod bringt. Zwar dauert es ein wenig, bis Michael Myers in seiner brutalen Härte weitere Opfer findet, doch sollte man das Original schon alleine wegen dem Spannungsaufbau immer wieder gesehen haben. Zwar benehmen sich die Jugendlichen reichlich dümmlich und man hätte den Charakteren mehr Tiefe geben können, aber wenn Michael Myers das erste Opfer auf seinen Händen durch die Nacht trägt, dann werden solch ikonische Bilder geschaffen, dass man über solche Kleinigkeiten gerne hinweg sieht. Für die einen ist „Halloween“ aufgrund der veränderten Sehweise etwas in die Jahre gekommen, doch ich zähle mich zu der alten Garde, dem mehr Wert auf Spannung und Atmosphäre legt, als auf billige Jumpscares und Effekthascherei. Diesbezüglich war es ein Segen das Original vor wenigen Tagen im Originalton (mit Untertiteln) auf großer Leinwand bewundern zu können und hat an Intensität sogar noch zugenommen.

USA 1978 – 91 Minuten
Regie: John Carpenter
Genre: Horror
Darsteller: Jamie Lee Curtis, Donald Pleasence, Tony Moran, Kyle Richards, Nancy Kyes,Adam Hollander, uva.
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