Der McConaughey-Faktor

Mit dem Oscar-Gewinn im letzten Jahr erlebte die McConaissance ihren Höhepunkt: Da gewann jemand für ein AIDS-Drama den Oscar als bester Hauptdarsteller, der noch einige Jahre vorher als der Typ beschrieben wurde der seinen Waschbrettbauch in romantischen Komödien in die Kamera hielt und mit seinem Grinsen Werbung für Zahnpasta machen konnte. Die Rede ist von Matthew McConaughey.

Als McConaissance wird die Zeit ab 2011 beschrieben, in der McConaughey dem romantischen Genre den Rücken zudrehte, sein Hemd vom sandigen Boden aufhob und wieder den Weg hin zu dramatischen Stoffen fand. Was man gerne übersieht: Auch in der angeblich so von romantischen Komödien geprägten Zeit von 2000 bis 2009 drehte McConaughey durchaus dramatische Stoffe, die aber schlicht und ergreifend nicht an den Kino-Kassen einschlugen. Ebenso war er zwischen 2002 und 2009 fast schon von den Kritikern gehasst und nur das Drama Wir waren Helden von McG war ein kleiner Lichtblick.

Das Publikum störte sich hingegen fast nie an seinen Filmen, ganz egal ob Drama, Comedy und Romantik. Die einzigen Ausnahmen: Texas Chainsaw Massacre – Die Rückkehr aus dem Jahr 1995 und einer seiner ersten Filme, und der 2008 erschienene Surfer, Dude, der wahrscheinlich der gehasstete Film von ihm sein müsste; und der mit dem niedrigsten Einspielergebnis: 0,1 Mio. Dollar.

Im Grunde kann man die Laufbahn von Matthew McConaughey in drei Phasen einteilen: Die ersten Schritte in Hollywood in der er sich vor allem im Drama-Sektor einen Namen machte und unter anderem mit Steven Spielberg drehte; dem Wechsel zur Waschbrettbrauch-Grinsekatze in den Jahren 2000 bis 2009, die aber trotzdem durch den eine oder andere Ausflug in das dramatische Fach garniert war; und schließlich der McConaissance seit 2011.

1993 bis 1999

Filme: 10
Genres: 5x Drama – 4x Comedy – 1x Horror
Ø-Box-Office: 33,91 Mio. Dollar
Ø-IMDB-Wert: 6,4
Ø-RT-Wert (%): 62%
Ø-RT-Wert (#): 6,2


2000 bis 2009

Filme: 13
Genres: 5x Drama – 4x Romance – 3x Comedy – 1x Action
Ø-Box-Office: 50,18 Mio. Dollar
Ø-IMDB-Wert: 6,1
Ø-RT-Wert (%): 38%
Ø-RT-Wert (#): 5,0


seit 2010

Filme: 9
Genres: 6x Drama – 3x Comedy
Ø-Box-Office: 59,71 Mio. Dollar
Ø-IMDB-Wert: 7,2
Ø-RT-Wert (%): 79%
Ø-RT-Wert (#): 7,0


Insgesamt:

Filme: 32
Genres: 16x Drama – 10x Comedy – 4x Romance – 1x Horror – 1x Action
Ø-Box-Office: 47,78 Mio. Dollar
Ø-IMDB-Wert: 6,5
Ø-RT-Wert (%): 57%
Ø-RT-Wert (#): 6,0


Übersicht

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  • Heiko

    Cool! Tolle Übersicht!
    Und dann hatte ich mit dem Umbruch nach "Der Womanizer" doch nicht ganz Unrecht. Hatte im letzten RomCom-Artikel ja nur meine eigene Meinung kundgetan, ohne groß Quellen zu checken.

  • Patrick

    Wäre sicher auch bei anderen Darstellern interessant! Sandra Bullock z.B. Mitte der 90er Durchbruch und Kassenqueen, ind en 2000ern gefühlt viele Flops, dann das Comeback bei den Kritikern und Publikum und nun Oscardarling. Wer hätte das gedacht? Kidman hat auch ein auf und ab, bei Kritikern und Publikum, etc. Gibt schon interessante Karrieren zu analysieren!

  • Bin von der Leistungskurve McConaugheys sehr begeistert. Früher verschmäht, heute weitest respektiert, ist ein Kunstwerk, das nur wenigen Schauspielern gelingt. Mir würde noch Leonardo DiCaprio einfallen, der sein Image wechselte und im seriösen Fach (fulminant) Fuß faßen konnte.

    • Stefan T.

      DiCaprio würde ich in diese Kategorie nur äußerst bedingt hineinzählen wollen, denn im Alter von 19 Jahren für den dritten Spielfilm gleich mal für den Oscar nominiert zu werden, kann ich nicht wirklich als Verschmähung bezeichnen… Und auch für "Titanic" und "Romeo + Julia" hat er ja nun keine Verrisse erhalten…

      • kaik

        Den fanden wir doch zu Titanic-Zeiten alle nur scheiße, weil die Mädels feucht wurden. Auch da hat er eine gute Leistung abgeliefert.

        • Stefan T.

          Nicht alle, aber ansonsten dito. 😀 Darstellerisch schlecht war DiCaprio aus meiner Sicht noch nie – nicht einmal in "The Beach"…

        • Heiko

          Also ich fand Leo ja schon cool, bevor er DER Mädchenschwarm wurde, da konnte auch "Titanic" nix anhaben.
          Und ganz ehrlich, wir hatten doch damals auch wochenlang nur Winslet im Kopf. 😉