CREED – Rocky’s Legacy (OT: Creed)

Creed

Vor knapp 40 Jahren schlug sich Sylvester Stallone mit seinem Drehbuch zum Boxer-Drama von einer Produktionsfirma zur Anderen, die die Hauptfigur mit einem bekannten Star, als einem No-Name schmückten wollten. Erst als er auf den größten Teil seiner Gage sowohl als Darsteller, als auch für das Script verzichtete, begann der Mythos um den Boxer Rocky Balboa, der zahlreiche Fortsetzungen mit sich bringen sollte. Unzählige sind seither zu den Klängen von Bill Contis legendärem Theme “Gonna Fly Now” beim Training durchgestartet und haben dabei an die ikonische Szene gedacht, in der Rocky in grauen Sweatpants die 72 Stufen zum Museum of Art in Philadelphia hinaufrennt und oben angekommen die Arme in die Luft reißt. In insgesamt fünf Fortsetzungen wurde versucht das Franchise und den Mythos am Leben zu halten, sind dabei allerdings selten über das Mittelmaß und bloßer Selbstparodie hinausgekommen. Doch mit CREED vom Fruitvale Station-Regisseur Ryan Coogler mit seinem Schützling Michael B. Jordan beginnt ein neues Kapitel…
Adonis Creed, Sohn eines Seitensprungs von Rockys größtem Widersacher Apollo Creed (Carl Weathers), kommt aufgrund einer Prügelei in einer Jugendstrafanstalt in Einzelhaft. Mary Anne Creed (Phylicia Rashad), Apollos Witwe, klärt den Jungen über seine Herkunft auf, adoptiert ihn und bietet ihm damit eine Alternative zu seinem Leben in Heimen und Gefängnissen. Rund 15 Jahre später offenbart ein Zeitsprung, dass er etwas aus seinem Leben gemacht hat und in einer Bank arbeitet. Doch anstelle einer anstehenden Beförderung wirft er alles über Bord um seiner wahren Leidenschaft dem Boxen nachzugehen und will sich in Philadelphia mit Balboas Hilfe, den er seit jeher verehrt, zum Profiboxer ausbilden lassen. Doch Rocky hat sich seit etlichen Jahren selbst aus diesem Geschäft zurückgezogen und will anfänglich nichts von Adonis Plänen wissen, doch dieser bleibt hartnäckig und weckt langsam sein Interesse an seinem Schützling…

Stallone Creed

CREED erinnert nicht nur inhaltlich und örtlich, mit zahlreichen Reminiszenzen, wie der Hochbahn, den Schiffen auf dem Fluss, Philadelphias Skyline, dem italienischen Viertel und natürlich den 72 Stufen zum Museum of Art, sondern auch technisch mit seinen wunderbar geschnittenen Trainingsmontagen und seinem Soundtrack (in dem manchmal das alte Rocky-Thema erklingt) an den Ursprungsfilm dieser Reihe. Auch Rockys Haus ist gefüllt mit Erinnerungen an Menschen, die dort schon lange nicht mehr leben, während er selbst darin wie zurückgelassen wirkt, während Adonis’ Apartment mit seinem spärlich eingerichteten Habitus wirkt, als habe er seinen Platz in der Welt noch nicht gefunden. CREED ist nicht nur ein Boxerfilm, sondern auch ein Film übers Altern, an das sich erinnern und übers Erwachsenwerden. Er behandelt universelle Themen wie Familie, Liebe, Krankheit und Vergänglichkeit und zeigt nebenbei Silvester Stallone mit einer zurückgenommenen Schauspielbestleistung an der man nur schwer vorbeischauen kann, auch wenn er sich nur selten bewusst ins Rampenlicht spielt. Hier überlässt dem großartigen Michael B. Jordan das Feld, der seine nach außen hin starke Figur mit einem äußerst verwundbaren Kern spielt und besonders im Zusammenspiel mit der großartigen Tessa Thompson glänzen kann. Neben Sylvester Stallone ist es Phylicia Rashad, die den meisten Zuschauern eher als Claire Huxtable aus der US-Amerikanischen Sitcom „Die Bill Cosby Show“ bekannt sein dürfte, und trotz geringer Screentime emotionales Herzstück des Films ist.

Für Nostalgiker der Reihe ist CREED allemal zu empfehlen. Ebenso für Cineasten, welche einen guten in sich sehr geschlossenen Film zu schätzen wissen, in denen zwischenmenschliche Dramen eher als die eigentlichen Boxszenen im Vordergrund stehen. Auch wenn CREED das Rad nicht neu erfunden hat, halte ich persönlich CREED für den besten Nachfolgeteil der Rocky-Reihe und wenn Stallone am 28.02. den Oscar als „Bester Nebendarsteller“ erhalten sollte, dann hat dies nicht unbedingt nur etwas mit Nostalgie zu tun, sondern auch mit seiner äußerst einfühlsamen und eindringlichen Darstellung in der Rolle seines Lebens.

USA 2015 – 156 Minuten Regie: Alejandro G. Iñárritu Genre: Abenteuer / Thriller / Drama / Western / Historienfilm Darsteller: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Forrest Goodluck, Paul Anderson, Kristoffer Joner, Joshua Burge, Melaw Nakehk'o, Robert Moloney, Lukas Haas
USA 2015 – 133 Minuten
Regie: Ryan Coogler
Genre: Drama / Boxfilm
Darsteller: Michael B. Jordan, Sylvester Stallone, Tessa Thompson, Phylicia Rashad, u.a.

 

Golden Globe:

  • Bester Nebendarsteller (Sylvester Stallone)

Oscar-Nominierung:

  • Bester Nebendarsteller (Silvester Stallone)
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  • kaik

    Danke! Endlich hast du mal erkannt, dass die Nominierungen und Preise für Stallone kein Mitleid sind – er hat ne verdammt starke Leistung in Creed abgezogen.

    • Patrick

      Ja hat er und wenn dem so ist, dnan gebe ich das auch gerne zu! Hoffe Dir/Euch hat die Kritik auch ansonsten gefallen und wenn nicht, gerne mitteilen, ich kann das ab! ^^

      Ein schön abgerundeter Film war das in meinen Augen. Leider ist auch in meinen Oscarnominierungen kein Platz mehr außer für Sly und evtl. den Schnitt, aber das heißt angesichts des doch besseren Filmjahres, als viele es bezeichnen mögen, nichts.

      • kaik

        ja kritik war toll. starker film, gefällt!